Stadtmühle und Mühlengraben, Siegburg

Der Siegburger Mühlengraben ist ein jahrhundertealtes Relikt der Gewerbe- und Industriegeschichte der Stadt. Bis zum Aufkommen der Dampfkraft war er die einzige ausreichend und regelmäßig verfügbare Energiequelle, um Mahlwerke aller Art anzutreiben. Darüber hinaus erleichterte er den Transport unter anderem der beliebten Siegburger Töpferwaren zu den auswärtigen Abnehmern.

Der weitgehend künstlich angelegte, bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnte Kanal steht seit 1990 unter Denkmalschutz. Er zweigt östlich der Stadt von der Sieg ab, tangiert dann den Südrand des historischen Stadtkerns und mündet nach knapp fünf Kilometern wieder in den Fluss. In der Siegburger Innenstadt bildet er mit seinen dicht bewachsenen Ufern ein ökologisch wie städtebaulich willkommenes „grünes Band“. An einigen wenigen Stellen verläuft er allerdings auch unterirdisch.

Ein bewegliches Schütz zwischen der Sieg und dem Mühlengraben regelt den Wasserzufluss.

Der entscheidende Vorteil eines Mühlengrabens ist die Möglichkeit, mit Hilfe eines Wehres im Fluss und eines beweglichen Schützes am Abzweig des Grabens den Wasserzufluss regulieren zu können: Hochwasser verlieren damit weitgehend ihre Schrecken, und in Trockenzeiten lässt sich das rare Wasser des Flusses verstärkt in den Kanal umleiten. Das erleichtert den sicheren und von wechselnden Wasserständen im Fluss unabhängigen Betrieb von Mühlen aller Art. Auch die frühe Industrie wusste diese Vorteile zu schätzen. So verlegte etwa der Unternehmer Christian Gottlieb Rolffs seine Kölner Kattundruckerei und Färberei bereits 1840 an den Siegburger Mühlengraben – eine gesicherte und ausreichende Wasserversorgung war ein wichtiger Standortfaktor für die sich entwickelnde Textilindustrie.

Der Mühlengraben an der Stadtmühle.

Ein Blick auf die Geschichte des Siegburger Mühlengrabens zeigt exemplarisch die Vielfalt der einstigen Mühlentypen: So gab es im sogenannten „Mühlenviertel“ nicht nur eine klassische Kornmühle, die Getreide zu Mehl verarbeitete, sondern auch eine Walkmühle, eine Lohmühle, eine Papiermühle und eine Ölmühle. Alle Mühlen befanden sich im Eigentum der Siegburger Abtei, bis diese 1805 im Rahmen der Säkularisierung aufgelöst wurde.

Der Mühlengraben in den 1910er/1920er Jahren. Postkarte. Privatsammlung.

Die in der Folge „privatisierten“ Betriebe wurden mit Ausnahme der Getreidemühle schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stillgelegt, weil sie der Konkurrenz der modernen hochmechanisierten Mühlen nicht mehr gewachsen waren. Vier der einst fünf historischen Mühlenanlagen wurden in den 1930er Jahren abgerissen.

Reizvoll ist der Blick von den modernen Balkonen auf den Mühlenbach und die Promenade, selbst wenn heute das Mühlrad nicht mehr klappert…

Das bedeutendste bauliche Zeugnis aus Siegburgs stolzer Mühlenvergangenheit ist das mehrstöckige Backsteingebäude der ehemaligen Kornmühle – gemeinhin auch Stadtmühle genannt. Der architektonisch nüchtern-funktionale Neubau war 1878 an Stelle eines älteren Mühlengebäudes errichtet worden. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wird er heute zu Wohnzwecken genutzt. Das stattliche historische Wasserrad von 1878 ist zwar weitgehend restauriert, leider aber nicht mehr in Funktion zu bewundern.

Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025

Adresse der historischen Mühle:  Mahlgasse 1-3. 53721 Siegburg

Weiterführende Informationen:

Korte-Böger, Andrea: Der Mühlengraben. In: Museums- und Archivdienste Siegburg (Hg.): Siegburger Blätter. Nr. 15. Siegburg 2007, S. 1-8

https://rmdz.de/node/671

„Siegburger Mühlengraben“. In: KuLaDig. Kultur.Landschaft.Digital. https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-264341

https://de.wikipedia.org/wiki/Siegburger_Mühlengraben