In einem ländlichen Gebiet nördlich von Niederkassel gründete der Stinnes-Konzern 1912 ein neues Chemiewerk, die „Deutsche Wildermannwerke GmbH“. Die örtliche Bevölkerung in Lülsdorf und Ranzel war von einer Beschäftigung in der Chemiefabrik am Rheinnicht begeistert und bevorzugte weiterhin die Arbeit in der Landwirtschaft. Folglich mussten Arbeitskräfte aus dem weiteren Umfeld angeworben werden. Für die neue Belegschaft baute man gegenüber dem Chemiewerk eine Werkssiedlung für Angestellte und Arbeiter. Das gesamte Ensemble ist gut erhalten und besitzt viele Grün- und Freiflächen. Die Gebäude aus der Zeit zwischen 1913 und 1950 repräsentieren Stileinflüsse aus verschiedenen Epochen – und überzeugen trotzdem als architektonische und städtebauliche Einheit.
In Troisdorf-Oberlar ist der geschlossene Baubestand einer Werkssiedlung der Sieg-Rheinischen Hütten AG erhalten – aus der Zeit vor der Errichtung der Roten und Schwarzen Kolonie. In der Elisabethstraße entstanden 16 Doppelhäuser ähnlichen Typs, die durch eine vielseitige Fassadengestaltung auffallen. Die freistehenden Gebäude mit separaten Eingängen und Gärten für jede Wohnpartei stehen für einen Gegenentwurf zum Massenwohnungsbau des 19. Jahrhunderts. Später kamen im Bereich der Landgrafenstraße Mehrwohnungshäuser hinzu, die einfacher gestaltet waren.
Unmittelbar vor den Werkstoren der späteren Mannstaedt-Werke entstand ab den 1890er Jahren ein neues Viertel, zunächst mit Verwaltungs- und Versorgungsbauten, ab 1912 auch mit Wohngebäuden für leitende Mitarbeiter, die sogenannten „Fabrikbeamten“. Daher stammt der Begriff „Beamten-Kolonie“. Das Ensemble wurde als erste der drei Siedlungen in Troisdorf unter Schutz gestellt, bietet anspruchsvollen Werkswohnungsbau, viele unterschiedliche Architekturen und ist insgesamt gut erhalten.
Die Arbeiterwohnungs-Genossenschaft erstellte im Norden Bonns an der Taunusstraße (1901), Ellerstraße (1903) und Eintrachtstraße (1908) einige Bauten für Geringverdiende. Interessant ist, wie die gleiche Bauaufgabe in drei unterschiedlichen verschiedenen Architekturformen realisiert wurde.
Aufgrund der Übernahme der Friedrich-Wilhelms-Hütte durch die Mannstaedt-Werke und die Verlagerung des kompletten Walzwerkes von Köln-Deutz an die Sieg 1913 entstand dort großer Wohnraumbedarf. Daher ließ das Unternehmen eine neue Siedlung errichten, um die Facharbeiter und deren Familien aus Köln in der Nähe des neuen Werkes unterzubringen. Die dorfähnliche Anlage orientiert sich am Ideal der malerischen Gartenstadt, weist eine abwechslungsreiche Architektur, umfangreiche Grünflächen und zwei individuell gestaltete Plätze auf. Die Siedlung ist nahezu vollständig erhalten und inzwischen wieder in einem sehenswerten Zustand.
Die ursprünglich „Neu Menden“ genannte Kolonie entstand in kurzer Zeit ab 1912 als Werkssiedlung der Mannstaedt-Werke, die kurz zuvor ein Walzwerk von Köln in die Nähe von Troisdorf an die Sieg umgesiedelt hatten. Sie bot anfänglich in knapp 70 Gebäuden 163 Wohneinheiten mit Wohnflächen von 50 bis 63 Quadratmetern. Die Schwarze Kolonie, so genannt wegen der schwarzen Dachziegel, beeindruckt bis heute durch eine „dörfliche“ Anmutung, einen geschlossen Baubestand, abwechslungsreiche Hausformen und zahlreiche Grünelemente.
In der Graurheindorfer Straße und in der Paulstraße errichtete ab 1899 eine neu gegründete Arbeiterwohnungs-Genossenschaft zwei ungewöhnliche Ensembles mit Mietswohnungen, die architektonisch und städtebaulich interessant und zugleich gut erhalten sind.
Die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften ist kein Phänomen der 1960er Jahre. Im Industriezeitalter waren Arbeitskräfte in spezialisierten Bereichen zu Zeiten eines wirtschaftlichen Aufschwungs schon immer sehr gefragt. Die Jutefabrik in Beuel erlebte nach Niedergang und Konkurs Anfang der 1880er Jahre gegen Ende des Jahrhunderts wie die gesamte Wirtschaft einen enormen Aufschwung, der mit kurzen Unterbrechungen bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges anhielt.
Ab 1874 errichte eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft in der Bonner Nordstadt mehrgeschossige Mietshäuser für einfache Leute, um die Wohnungsnot zu lindern. Der bis heute gut erhaltene Straßenzug der Peterstraße gilt als eine der Pionieranlagen des gemeinnützigen Wohnungsbaus.
Etwas abseits der Wohnbebauung etablierte sich nordwestlich der Endenicher Straße und im Umfeld des Güterbahnhofs seit den 1870er Jahren ein kleineres Industriegebiet. Das Gelände an der Grenze zu der bis 1904 selbstständigen Gemeinde Poppelsdorf gehörte in weiten Bereichen der Stadt. Erschlossen wurde es über die Viktoria-, Immenburg- und Karlstraße. Die Entwässerung erfolgte über den sogenannten Kielgraben, einen Abwasserkanal, der über den Dransdorfer- und Rheindorfer Bach mit dem Rhein verbunden war.