Das Thema Erzbergbau in Nordrhein-Westfalen ist vor allem mit der bis ins Mittelalter zurückreichenden Montangeschichte des westfälischen Siegerlandes verbunden. Erzgruben und -bergwerke gab es aber auch in benachbarten Regionen, wie etwa im Bergischen Land oder im Westerwald. Selbst der Rhein-Sieg-Kreis war einst zumindest östlich des Rheins vielerorts von Bergbauaktivitäten geprägt. Von dieser vielfältigen Montanlandschaft sind nur mehr wenige Spuren erhalten.
Die „Dächelsberg-Runde“ des Naturparks Rheinland führt neben dem gleichnamigen Steinbruch auch zu den Spuren ehemaliger Gruben in unmittelbarer Nähe: der Erzgrube Laura und der Tongrube Jette. Die sichtbaren Überreste halten sich in Grenzen, aber die Ausschilderungen des Naturparks machen die Relikte des Erz- und Tonabbaus vor Ort gut nachvollziehbar.
Der bis nach Beuel reichende Ausläufer des Siebengebirges, der Ennert, bildet den südöstlichen Rand des Rheinischen Braunkohlereviers. Die Braunkohlevorkommen wurden hier zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunächst ober- und ab 1835 auch untertägig abgebaut. Wie in den übrigen Bereichen des Reviers stand zunächst die Weiterverarbeitung der Kohle zu Farben und Alaun im Vordergrund.
Lange wurden an der Kante des Villehangs westlich von Roisdorf Quarzsand, Kies und Ton abgebaut. Inzwischen ist die ehemalige Grube ein Naturschutzgebiet, das bedrohten Pflanzen und Tieren Lebensraum bietet. Da die Naturschutzzone nicht öffentlich zugänglich ist, errichtete der „Landschaftsschutzverein Vorgebirge“ 1997 einen Aussichtsturm, der einen Einblick in die ehemalige Grube gewährt, die sich heute als vielfältiges Biotop-Mosaik vor dem weiten Horizont des Rheintals ausbreitet.
Die Kiesgruben bei Witterschlick, gelegen am Rand des dunklen Kottenforstes, überraschen mit weißem Sand und türkisblauem Wasser. Dort wird besonders reiner und heller Quarzsand abgebaut. Daher leuchtet das Wasser der Abbauseen wie an einem karibischen Strand. In der Nähe von Volmershoven liegt ein großer Baggersee der Quarzwerke Witterschlick, aus dem Sand und Kies geschöpft werden. Im Norden der 45 Hektar großen Fläche bietet ein Aussichtsturm einen guten Überblick über eine rekultivierte Wasserfläche des Baggersees. Einen eindrucksvollen Anblick bietet auch die benachbarte, 62 Hektar große Kiesgrube Flerzheim, in der ebenfalls Quarzsand und Quarzkies gewonnen werden. Sie ist bereits während der aktiven Nutzung zum Naturschutzgebiet erklärt worden.
Der Dächelsberg ist vulkanischen Ursprungs. Der erste Ausbruch bildete einen Kegel aus Trachyttuff-Stein. Von einem späteren Vulkanausbruch stammt der Basalt, der säulenförmig im Inneren erstarrte. Er wurde von 1857 bis 1967 am Dächelsberg abgebaut und verarbeitet. Ein Aussichtsturm bietet einen imposanten Einblick in die Wand des Steinbruchs
Zwischen Witterschlick, Volmershoven und Heidgen bauten bereits Mitte des 19. Jahrhunderts etliche kleine Betriebe Ton ab, um daraus Dachziegel und Töpferwaren herzustellen. Der entscheidende Durchbruch kam aber mit dem Fund von besonders wertvollen Blautonen 1880 in Volmershoven. Er führte zu einem regem Tonabbau sowohl unter- als auch übertage südlich von Witterschlick. Der letzte große Tagebau ruht momentan. Aber es lassen sich noch Zeugnisse des Tonabbaus sowie Gleisfragmente der ehemaligen Werks- und Feldbahnen entdecken.
Adendorf brennt – hieß es früher. In zahlreichen Töpferöfen wurden seit Mitte des 18. Jahrhunderts graublaue Steinzeug-Gefäße gebrannt. Obwohl zunächst jedes Stück auf der Scheibe handgedreht wurde, gelang es den Adendorfer Töpfern, große Mengen herzustellen. Die größeren Betriebe nannten sich stolz Steinzeug-Fabriken – und legten Wert darauf, als Industrie- und nicht als Handwerksbetriebe bezeichnet zu werden. Insgesamt konnten im kleinen Adendorf 47 Produktionsstandorte nachgewiesen werden. In den 1960er und 1970er Jahren begann der Niedergang der Steinzeugindustrie. Heute gibt es noch drei Handwerksbetriebe und den Adendorfer „Töpferpfad“, der zu historischen Stätten der Tonverarbeitung führt.
Die weitgehend auf Bonner Stadtgebiet liegenden Höhen des Ennert bilden die nördliche Fortsetzung des Siebengebirges. Wichtiger Teilbereich dieses weithin sichtbaren Basaltzuges ist die Erhebung „Rabenlay“ in Bonn-Oberkassel. Hier lag zeitweilig eines der Zentren des Basaltabbaus in der Region. Zu den ergiebigsten Steinbrüchen gehörte der erst Anfang der 1950er Jahre stillgelegte Basaltbruch „Am Stingenberg“. Überregional bedeutsam ist er aufgrund des 1914 entdeckten Doppelgrabes aus der jüngeren Altsteinzeit mit den sterblichen Überresten des sogenannten „Oberkasseler Menschen“.
Am 287 Meter hohen Stenzelberg südwestlich von Königswinter-Heisterbacherrott findet sich die wohl eindrucksvollste Steinbruchlandschaft im Siebengebirge. Hier wurde seit dem Mittelalter Quarz-Latit abgebaut, ein vulkanisches Gestein aus dem Tertiär, das vor allem im Bauwesen Verwendung fand. Eine örtliche Besonderheit sind die sogenannten „Umläufer“, kleinere turmartige Felsformationen, die beim Abbau einfach stehengelassen wurden, da die Qualität des Steins den Anforderungen nicht genügte.
Der Drachenfels ist wohl die markanteste und berühmteste Erhebung im Siebengebirge. Von historischem Interesse ist er nicht nur aufgrund der pittoresken Burgruine, sondern auch als frühes Beispiel für angewandten Natur- und Landschaftsschutz: Der intensive Abbau des Trachytgesteins vor allem im 18. und frühen 19. Jahrhundert gefährdete das Bild des Berges und den Bestand der Burgruine so nachhaltig, dass der Steinbruch auf bürgerschaftlichen und politischen Druck hin geschlossen wurde. Noch heute sind vor allem in den ehemaligen Steinbruchbereichen immer wieder Sicherungsmaßnahmen aus Beton und Stahl notwendig.
Der 247 Meter hohe Weilberg liegt am nordöstlichen Rand des Siebengebirges, zählt aber nicht zu den namensgebenden „sieben Bergen“. Seine Existenz verdankt er – wie das Siebengebirge insgesamt – vulkanischen Aktivitäten, die vor etwa 30 Millionen Jahren einsetzten. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier Basalt abgebaut. Eine Schmalspurbahn transportierte das Gestein an den Rhein, von wo aus es per Schiff oder per Bahn zu den Abnehmern gelangte.
Braunkohletagebau – das verbinden wir im Rheinland heute vor allem mit dem großen Revier westlich von Köln. Im 19. Jahrhundert wurde aber auch in der Nähe von Bonn rege Braunkohle und Alaun abgebaut, so auch am Hang oberhalb von Friesdorf – bis Anfang der 1840er Jahre. Im ehemaligen Tagebaugebiet ließ 1898 Eugen Pfeifer, ein Gesellschafter der Zuckerfabriken Pfeifer & Langen, das schlossartige Haus Annaberg erbauen.