Dicht besiedelte und dynamisch wachsende Ballungsräume sind auf eine verlässliche, quantitativ ausreichende und qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung, aber auch von Gewerbe und Industrie mit Trink- beziehungsweise Brauchwasser angewiesen. Das galt besonders nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg auch für die Bundeshauptstadt Bonn und die umliegende Region.
Das Kraftwerk Unkelmühle an der Sieg bei Windeck ist in zweierlei Hinsicht ein ökologisches Vorzeigeprojekt: Zum einen nutzt es die Energie des Wassers zur umweltfreundlichen Stromerzeugung, und zum anderen ist die gesamte Anlage vor wenigen Jahren nach modernsten Erkenntnissen baulich so modifiziert worden, dass sie für flussauf- beziehungsweise flussabwärts wandernde Fische kein – zuvor häufig tödliches – Hindernis mehr darstellt.
Vor der Einführung einer zentralen Wasserversorgung war die Bevölkerung darauf angewiesen, Wasser zweifelhafter Qualität aus Pumpen, Brunnen oder offenen Gewässern eimerweise nach Hause zu tragen. Eine zentrale und kontrollierte Bereitstellung von Leitungswasser versprach eine wesentliche Verbesserung der Lebensumstände. Um einen ausreichenden Leitungsdruck zu erzielen, waren oft Wassertürme erforderlich. Der Wasserturm in Gielsdorf wurde 1901 gebaut. Er konnte 1.200 Haushalte mit Wasser versorgen und war bis 1972 in Betrieb. Der Gielsdorfer Turm steht zwar unter Denkmalschutz, verfällt allerdings zusehends.
Er fällt an der Verbindungsstrasse zwischen Heimerzheim und Bornheim sofort ins Auge – der Wasserturm in Brenig. Sein breiter „Wasserkopf“ ruht auf einem vergleichsweise schmalen Turmschaft und fasste rund 70.000 Liter Wasser. Der Turm versorgte die hoch gelegen Ortschaften am Vorgebirgshang seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit gutem Trinkwasser. Der Turm kam in den 1990er Jahren in Privatbesitz, wurde denkmalgerecht saniert und erfreut sich heute einer sinnvolle Nutzung als Wohngebäude. Bemerkenswert ist zudem das anmutige und gut erhaltene Pumpenhäuschen, das die Versorgung des Wasserkopfes besorgte.
In Roisdorf ist direkt am Bahnhof die eindrucksvolle Fassade einer Halle erhalten, in der seit 1929 der lokale Gemüseverkauf in Form einer Versteigerung organisiert wurde. Das Gebäude im expressionistischen Stil der 1920er Jahre wurde von einer Genossenschaft errichtet. Ihr Ziel war es, den kleinen Gemüsebaubetrieben die mühsame und lange Fahrten zu den Märkten in Köln und Bonn zu ersparen und ihnen den Verkauf von Obst und Gemüse zu erleichtern. Der Bahnanschluss ermöglichte auch die Belieferung der industriellen Zentren im Rhein-Ruhr-Gebiet.
Die Verantwortung für die städtische Infrastruktur und die Ver- und Entsorgung innerhalb der Stadt wurde erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts als kommunale Aufgabe angesehen. Der Wandel von einer rein administrativen zu einer Leistungsverwaltung verlief schleppend und stieß immer wieder auf finanzielle Vorbehalte der Stadtverordneten, die das Risiko und den Gewinn lieber Privatinvestoren überließen.
Das Elektrizitätswerk war der erste Versorgungsbetrieb, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts direkt in städtischer Regie errichtet wurde. Bonn folgte damit relativ spät einer Entwicklung in Deutschland, die 1884 bzw. 1885 in München und Berlin mit der Eröffnung von kommunalen Elektrizitätswerken begonnen hatte.
Um 1900 bestand in dem aufstrebenden Industriestandort Troisdorf dringender Bedarf für eine geregelte und saubere Wasserversorgung. Die Troisdorfer Sprengstoffwerke sagten 1901 dem Bürgermeister zu, jährlich 120.000 Kubikmeter Wasser von einem neu zu errichtenden Wasserwerk abzunehmen. Das Gebäudeensemble des alten Wasserwerkes, das 1903 errichtet wurde, ist bis heute erhalten – inklusive eines Teils des Maschinenparks.
Das 1911 eingeweihte sogenannte „Volkswohlgebäude“ unweit der Talstation der Drachenfelsbahn symbolisiert die lebenslange Sympathie des Kölner Industriellen Ferdinand Mülhens (1844-1928) zu seiner Wahlheimat Königswinter und zum Siebengebirge. Der Name bezieht sich auf den Wunsch des Mäzens, das von ihm finanzierte, großzügig angelegte Haus mit der bereits 1908 errichteten einstöckigen Turnhalle möge dem „Wohle des Volkes“, in diesem Falle seiner geistigen wie seiner körperlichen Ertüchtigung dienen.
Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es Dutzende von Transformatoren-Türmen, die teils noch in Betrieb sind, teils aber schon ihre angestammte Funktion verloren haben. Am Ortsrand von Mondorf steht ein authentisch erhaltener Trafoturm, der noch in Funktion ist. Ihn zeichnet aus, dass er von Ortsbewohnern dokumentiert worden und gut erhalten ist. Es gibt sogar einen Bastelbogen, mit dessen Hilfe man ihn nachbauen und zu Hause ins Regal stellen kann.
Das hoheParlament in einem technischen Funktionsbau! Von 1986 bis 1992 bekam das ehemalige Bonner Wasserwerk eine völlig neue Bedeutung, denn es diente zeitweilig als provisorischer Plenarsaal für den deutschen Bundestag. Der Sitzungssaal von 1949 wurde damals abgerissen und an derselben Stelle der neue Bundestag erbaut. Die Bundestagsabgeordneten tagten nun vorübergehend im benachbarten Pumpenhaus des ehemaligen Wasserwerks, das 1900 erbaut worden war. Im ehemaligen Kessel- und Maschinenhaus von 1874 entstand das Besucherzentrum des Bundestags. Die Umnutzung bewahrte das sehenswerte Ensemble in den frühen 1980er Jahren vor einem Abriss – und machte für einige Jahre bundesweit deutlich, dass ein ausrangiertes Industriegebäude mit einer neuen Nutzung besonderen Charme und Reiz entwickeln kann.
Seit 1875 wurde Godesberg zunächst mit Wasser aus Bonn versorgt, das vom dortigen Wasserwerk über eine Rohrleitung unter der heutigen Bundesstraße 9 nach Süden gelangte. Um die Jahrhundertwende nahm das damals noch selbstständige Godesberg die Wasserversorgung in die eigene Hand: Es kaufte das bestehende Wasserrohrnetz und errichtete in der Plittersdorfer Aue, 200 Meter vom Rhein entfernt, ein eigenes Wasserwerk mit Maschinisten-Wohnhaus. Ab 1901 kam das Wasser für das aufstrebende Godesberg aus einem 14,5 Meter tiefen Brunnen der neuen Anlage. Das Ensemble ist unweit der Rheinpromenade gut erhalten.
Im Rheinbacher Stadtpark ist der Wasserturm von 1897 erhalten. Bereits 1984 wurde der Turm zum Denkmal erklärt, unter anderem, weil er zusammen mit den Türmen der Stadtmauer und dem Kirchturm das Stadtbild prägt. Die Form des Turms konnte nicht vollständig bewahrt werden. Aber der Turm und das Maschinenhaus des Wasserwerks sind als Baukörper erhalten und nach wie vor bemerkenswerte Landmarken am Stadtrand.
Der ungewöhnliche Wasserturm in Bornheim-Rösberg wurde 1919 unter der britischen Besatzung errichtet. Er fasste 100.000 Liter Wasser und versorgte die Ortschaften Rösberg, Hemmerich, Kardorf, Merten-Heide und Trippelsdorf mit hochwertigem Leitungswasser. Der Turm wurde 1975 außer Betrieb genommen, ist äußerlich noch gut erhalten und inzwischen eines der Wahrzeichen des Dorfes.
Etwas abseits der Wohnbebauung etablierte sich nordwestlich der Endenicher Straße und im Umfeld des Güterbahnhofs seit den 1870er Jahren ein kleineres Industriegebiet. Das Gelände an der Grenze zu der bis 1904 selbstständigen Gemeinde Poppelsdorf gehörte in weiten Bereichen der Stadt. Erschlossen wurde es über die Viktoria-, Immenburg- und Karlstraße. Die Entwässerung erfolgte über den sogenannten Kielgraben, einen Abwasserkanal, der über den Dransdorfer- und Rheindorfer Bach mit dem Rhein verbunden war.
Im städtischen Umfeld des Bonner Nordens überrascht an der Ellerstraße ein großes, eher ländlich anmutendes Ensemble. Es handelt sich um den sogenannten „Ellerhof“, den städtischen Fuhrpark, der 1902-03 in dem jungen Stadtteil nach Plänen des Bonner Stadtbaumeisters Rudolf Carl Julius Schultze erbaut wurde.