Die Broicher Mühle oder Obere Mühle in Villip wurde bereits 886 erstmals erwähnt – und ist damit über 1.100 Jahre alt. Seit dem 17. Jahrhundert bewirtschaftet die Familie Bedorf den Betrieb – anfangs als Pächter, ab 1834 dann als Eigentümer. Das Anwesen wird daher auch Bedorf-Mühle genannt. Bemerkenswert ist, dass die Mühle weiterhin in Betrieb ist und dort nach wie vor Getreide mithilfe von Wasserkraft gemahlen wird.
Jede Stadt ist stolz, wenn sie ein Alleinstellungsmerkmal besitzt, das sie von anderen unterscheidet. In Hennef ist es die Erfindung der Chronos-Waage, der ersten eichfähigen automatischen Waage weltweit, die den Unterschied macht: 1882 hatten die Inhaber der „Maschinenfabrik C. Reuther & Reisert“ die neue Technik patentieren lassen. Sie begründeten damit eine neue Ära in der Geschichte des Wiegens.
Eine Mühle bei Eschmar fand bereits Anfang des 16. Jahrhundert Erwähnung. Das aktuelle Mühlenensemble ersetzte ab 1884 die älteren Mühlengebäude. Es ist gut erhalten und wurde um 2008 zur Wohnnutzung umgebaut. Der Mühlengraben, einst die Kraftquelle, fließt wie eh und je durch das Gebäudeensemble und sorgt heute für eine attraktive Wohnlage.
Im südlichen Rheinland gab es schon seit vorindustrieller Zeit die Tradition, Obst und Zuckerrüben einzukochen und einzudicken – zu Rüben-, Apfel-, Birnen oder Zwetschgenkraut, um die Früchte dauerhaft zu konservieren. Dieser süß-herbe Obst- oder Zuckerrübensirup galt daher als preiswerter Brotaufstrich und Süßungsmittel für arme Leute. Die Herstellung erfolgte zunächst meist im häuslichen Nebenerwerb, seit Mitte des 19. Jahrhundert kamen aber auch kleine Krautfabriken auf. Trotz der Nachfrageschwäche nach dem Krieg behauptete sich die Grafschafter Krautfabrik Josef Schmitz erfolgreich am Markt – dank kluger Marketingmaßnahmen und Übernahmen. Sie stellt nach wie vor das im Rheinland legendäre Rübenkraut unter der Marke „Grafschafter Goldsaft“ her.
Das Schlagwort Globalisierung war noch vollkommen unbekannt, als in der kleinen Gemeinde Schladern an der Sieg, in der tiefsten rheinpreußischen Provinz, ein englisches Unternehmen begann, Kupferrohre für den internationalen Markt zu produzieren. Die lokalen Standortfaktoren waren günstig: Die Wasserkraft des Flusses ließ sich für die Energiegewinnung nutzen, und seit Anfang der 1860er Jahre verband die Siegtaleisenbahn die Rheinschiene mit dem benachbarten Siegerland.
Der Siegburger Mühlengraben ist ein jahrhundertealtes Relikt der Gewerbe- und Industriegeschichte der Stadt. Bis zum Aufkommen der Dampfkraft war er die einzige ausreichend und regelmäßig verfügbare Energiequelle, um Mahlwerke aller Art anzutreiben. Darüber hinaus erleichterte er den Transport unter anderem der beliebten Siegburger Töpferwaren zu den auswärtigen Abnehmern.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte auch in Deutschland allmählich die Mechanisierung der Landwirtschaft ein. Immer mehr bäuerliche Tätigkeiten erforderten nun nicht länger den ermüdenden Einsatz menschlicher oder tierischer Kräfte, sondern konnten von jüngst entwickelten Maschinen übernommen werden. Damit entstanden Unternehmen, die speziell diesen neuen Markt bedienten.
An der Mündung der Agger in die Sieg entwickelte sich seit den 1830er Jahren die Friedrich-Wilhelms-Hütte, die verschiedenartige Metallprodukte herstellte. Der Betrieb wurde 1911 von dem „Façoneisen-Walzwerk L. Mannstaedt“ übernommen, das damals sein komplettes Werk von Köln nach Troisdorf verlegte.
Der 55 Meter hohe „Phrix-Turm“ im Osten der Stadt zwischen Abteiberg und Sieg ist das markanteste bauliche Relikt der Siegburger Industriegeschichte. Er erinnert an die Blütezeit der Zellwolle-Werke Phrix der Rheinischen Zellwolle AG, über Jahrzehnte eines der bedeutendsten Unternehmen in der Region. Als Arbeitgeber spielte es für Stadt und Umgebung eine wichtige Rolle.
Rätselhafte Mauerreste mitten im Grünen, Maschinenfundamente im Nirgendwo, ein verwunschener Teich – im Tal des Trimbachs bei Windeck-Dattenfeld liegt ein geradezu klassischer „lost place“ der Industriegeschichte. Von Anfang der 1870er Jahre bis 1918 produzierte hier die Pulvermühle Elisenthal das in Steinbrüchen und Bergwerken als Sprengmittel dienende Schwarzpulver.
In den 1950/60er Jahren dürften die meisten Bahnreisenden mit dem Begriff „Schoeller Wolle“ vertraut gewesen sein: Kaum ein Bahnhof zwischen Nordsee und Alpen, an dem nicht die bunten Emailschilder für die Handstrickgarne des renommierten Eitorfer Unternehmens warben. Die Spinnerei an der Sieg war über Jahrzehnte einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der strukturschwachen Region, bis die allgemeine Krise der deutschen Textilindustrie auch sie erfasste.
Der Sieglarer Mühlengraben verläuft von den Mannstaedt-Werken bei Troisdorf parallel zur Sieg und begleitet diese fast acht Kilometer bis zur Mündung bei Bergheim. Der künstlich angelegte Mühlenkanal war ab Ende des 13. Jahrhunderts geschaffen worden. Zuvor hatte die Abtei in Siegburg die Mühlenrechte für das Gebiet erworben. In Sieglar und bei Eschmar gab es bereits seit dem Spätmittelalter Mühlen, die im Besitz der Mönche waren. Im Jahr 1879 wurde die alteingesessene Sieglarer Mühle, eine Getreide- und Ölmühle, im zeitgenössischen Fabrikbaustil deutlich erweitert und ergänzt. Das Gebäudeensemble aus dieser Zeit ist bis heute erhalten und wird mittlerweile als Wohngebäude genutzt.
Welch ein Kind – ob in der Stadt oder auf dem Land – kennt heute noch aus eigener Anschauung die „klappernde Mühle am rauschenden Bach“? Umso wichtiger ist das ehrenamtliche Engagement der zahlreichen Mühlenliebhaber, die sich darum bemühen, diesen bedeutenden Aspekt der Technik- und Gewerbegeschichte für die Nachwelt zu bewahren.
Im Drachenfelser Ländchen sind zwei mächtige Windmühlenstümpfe erhalten. Der Betrieb der Mühlen wurde bereits um 1900 eingestellt und die Windmühlenflügel sind abgängig. Trotzdem sind beide Türme dank ihrer Lage und Größe markante Landmarken.
Im idyllischen Aggertal zwischen Lohmar und Overath überrascht etwas abseits der Landstraße ein bemerkenswertes Fabrikgebäude. Vor dessen Bau waren in Aggerhütte Metallerze verarbeitet worden. Die Bauten aus dieser Ära existieren allerdings nicht mehr. 1903 entstand auf dem Gelände das markante Fabrikgebäude, das bis heute Bestand hat, für eine Knochenmühle.
In Hersel sind wesentliche Bauten der ehemaligen Germania Brauerei erhalten. Die Firma produzierte von 1864 bis 1990 und war einst eine der bedeutendsten Brauereien des südlichen Rheinlands. Nach der Stilllegung wurden die ehemaligen Produktionsgebäude in Wohnungen verwandelt. Das Ensemble ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein ehemaliges Industrieareal unprätentiös in eine neue Nutzung überführt werden kann – und dabei das bauliche Erbe erhalten bleibt.
Was mag ein Drehwerk in Adendorf sein? Natürlich eine Töpferscheibe! Aber zugleich könnten damit auch die rotierenden Filmspulen eines Projektors gemeint sein. Denn auf dem Gelände einer ehemaligen Adendorfer Töpferei ist heute ein Programmkino, eine Kleinkunstbühne und ein Restaurant zu finden.
Im Süden Bonns, im Stadtteil Kessenich, befindet sich die Urzelle des berühmten Süßwarenherstellers, der – wenn man der Selbstdarstellung auf der Unternehmenswebsite glauben kann – in der Waschküche des Hauses Bergstr. 37 „lediglich mit einem Sack Zucker, einer Marmorplatte, einem Hocker, einem Herd, einem Kupferkessel und einer Walze“ einst in Richtung Welterfolg startete…
In Roisdorf ist etwas versteckt ein Gebäudeensemble der ehemaligen Lederfabrik Gammersbach zu entdecken. Die Gerberei und Fabrik produzierte vom Anfang der 1850er Jahre bis 1953 verschiedene Zivil- und Militärartikel aus Leder. Sie beschäftigte zeitweise über 300 Personen auf einem umfangreichen Fabrikareal und war damit einer der bedeutendsten Betriebe im ländlichen Umfeld Bonns. Zwei Hochbauten und die charakteristische Straßenfassade zur Brunnenallee sind relativ unverändert erhalten.Das Ensemble ist gutes Beispiel dafür, wie ein bedeutender Industriekomplex unprätentiös erhalten werden kann.
Die Lüftelberger Mühle wurde Mitte des 17. Jahrhunderts erstmals erwähnt. Sie gehörte früher zur benachbarten Wasserburg. Das Gebäude ist gut erhalten und verfügt über ein rekonstruiertes Wasserrad.
Münzfunde deuten darauf hin, dass der Brunnen in Roisdorf bereits in römischer Zeit genutzt wurde. Im Jahr 1774 erschien eine medizinische Dissertation, die den gesundheitsfördernden Wert des Roisdorfer Mineralwassers hervorhob und damit überregionale Aufmerksamkeit erregte.In der Folge entwickelte sich vom Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts in dem kleinen Ort ein reger Kurbetrieb. Aber die Quelle war frühzeitig auch ein „Versandbrunnen“. Der Export des Roisdorfer Wassers wurde ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im industriellen Maßstab betrieben. Ein Gebäudeensemble aus der Hochzeit der Mineralwasserabfüllung ist erhalten geblieben und als technisches Denkmal geschützt. Zudem ist die Rekonstruktion eines Brunnentempels in einer kleinen Parkanlage samt Brunnenweiher sehenswert.
Die industrielle Verarbeitung der ursprünglich in Indien beheimateten Jutepflanze begann in Europa in der ersten Hälfte des 19. Jh. in Schottland.Die erste Jutespinnerei auf dem europäischen Festland entstand 1861 in der Nähe von Braunschweig. In Bonn entstanden kurze Zeit später gleich zwei juteverarbeitende Betriebe. Die „Mechanische Jutespinnerei“ am Bonner Talweg wurde 1868 gegründet, im gleichen Jahre wie die Fabrik in Beuel.
Dekor, Dekor, Dekor! Moderne Gläser sind eher puristisch. Und so staunt der Betrachter des Vitrinen-Reigens im Rheinbacher Glasmuseum nicht schlecht, dort eine Wunderkammer der Glasveredelungs-Technik zu entdecken. Zahlreiche aufwändige Verfahren wurden entwickelt, um Glas über die reine Transparenz hinaus zu gestalten. Der Reiz der Präsentation in Rheinbach besteht in einer großen Stilvielfalt von schönen, eleganten, raffinierten und üppig dekorierten, aber auch abstrakt-modernen Gläsern.
Die Obere Mühle in Meckenheim existierte wohl bereits um 1400. Um 1660 gehörten zum Mühlenanwesen neben dem Hauptgebäude mit Mahlwerk zwei Brücken, Wiesen und Weiden sowie ein System von Wassergräben und Wasserflächen, Schleusen und Dämmen. Das Mahlwerk wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts durch ein Wasserrad angetrieben und später auf Motorbetrieb umgestellt. Die Mühlentechnik der Firma, die 1972 geschlossen wurde, ist erhalten. Durch bürgerschaftliches Engagement wurde die Mühle wieder in Betrieb genommen und kann nun funktionsfähig besichtigt werden.
Die Firma Orgelbau Klais ist seit 1882 in der Bonner Nordstadt ansässig. Sie baut und restauriert seit vier Generationen mit höchstem Qualitätsanspruch Orgeln – und hat auch international großes Renommee. In Zeiten, in denen Gewerbebetriebe fast nur noch in gesichtslosen Industriegebieten am Stadtrand produzieren, ist es eine Besonderheit, dass die Firma nach wie vor an ihrem ursprünglichen Stammsitz an der Kölnstraße, im historisch gewachsenen städtischen Umfeld arbeitet. Die neugotische Werkstattfassade erinnert – sicherlich nicht ganz zufällig – ein wenig an Kirchenarchitektur.
Voraussetzungen für die industrielle Produktion von Tapeten im heutigen Sinne waren ein Rollendruckverfahren und Maschinen, die in der Lage waren, lange Papierbahnen herzustellen. Durch die Kombination der beiden Techniken war erstmals in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine massenhafte Produktion von Papiertapeten als Rollenware möglich.
Soennecken dürfte als Firma für Schreibwaren und Bürobedarf jedem ein Begriff sein. Vielleicht nicht so bekannt ist die Tatsache, dass auch dieses große deutsche Unternehmen fast ein Jahrhundert lang in Bonn ansässig war. Hier erschuf der Gründer und Namensgeber Friedrich Soennecken, ein einfallsreicher Erfindergeist mit Sinn fürs Geschäft und die Bedürfnisse der Zeit, eine ganze Branche neu.
1890 nahm das „Thonwerk Witterschlick, Servais & Co“ die Produktion von Tonröhren, Steinzeug und feuerfester Keramik auf. Die Firma betrieb seit 1885 bereits eine Tongrube. Über dem tief in der Erde liegenden, besonders wertvollen Blauton, der damals bevorzugt abgebaut wurde, standen andere, magerere Tonschichten an. Deren Transport lohnte sich weniger, aber eine Verarbeitung vor Ort sehr wohl. Die Nähe zu den Tongruben, aber auch zu den großen städtischen Zentren des Rheinlands erschien reizvoll. Daher kam es zur Gründung der Fabrik in Witterschlick, die schnell zu einem Großbetrieb heranwachsen sollte und bis heute das Ortsbild bestimmt.
Adendorf brennt – hieß es früher. In zahlreichen Töpferöfen wurden seit Mitte des 18. Jahrhunderts graublaue Steinzeug-Gefäße gebrannt. Obwohl zunächst jedes Stück auf der Scheibe handgedreht wurde, gelang es den Adendorfer Töpfern, große Mengen herzustellen. Die größeren Betriebe nannten sich stolz Steinzeug-Fabriken – und legten Wert darauf, als Industrie- und nicht als Handwerksbetriebe bezeichnet zu werden. Insgesamt konnten im kleinen Adendorf 47 Produktionsstandorte nachgewiesen werden. In den 1960er und 1970er Jahren begann der Niedergang der Steinzeugindustrie. Heute gibt es noch drei Handwerksbetriebe und den Adendorfer „Töpferpfad“, der zu historischen Stätten der Tonverarbeitung führt.
Die Firma Weck wurde 1900 im badischen Öflingen gegründet. Seit 1950 produziert sie in Bonn-Duisdorf die berühmten Weck-Gläser. Drei Betriebe des Unternehmens in Ostdeutschland waren in der frühen Nachkriegszeit enteignet worden. Die gesamte Produktion wurde daraufhin nach Duisdorf verlagert. Auch wenn das „Einwecken“ nicht mehr gang und gäbe ist, hat sich die Fabrik doch gehalten und produziert nach wie vor in Bonn Gläser im großem Umfang.
Industrie im größeren Maßstab spielte in der Kernstadt Königswinter nur am Rande eine Rolle. Die lokal dominierenden Branchen Steinabbau, Backofenbau und Bootsbau waren eher kleinteilig-handwerklich geprägt. Eine Ausnahme waren seit den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg die unweit des Bahnhofs gelegenen Lemmerzwerke, heute Maxion Wheels Werke GmbH. Das weltweit agierende Unternehmen produziert Stahl- und Aluräder für die Fahrzeugindustrie. Es zählt zu den größten Arbeitgebern in der Region.
Zement als Bindemittel bei der Herstellung von Beton ist aus dem Baubetrieb nicht mehr wegzudenken. Der heute verwendete Zement basiert auf einem Verfahren, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England entwickelt wurde: Im Prinzip werden Kalkstein und Tonmiteinander vermalen, zu Ziegeln geformt, gebrannt und schließlich erneut gemahlen. Der entscheidende Schritt zur Entwicklung des Portland-Zements – der heute gebräuchlichsten Zementart, die sich durch ihre hohe Festigkeit auszeichnet – wurde schließlich durch die Sinterung der verschiedenen Ausgangsstoffe erreicht.
Die Backsteingebäude in dem Karree Immenburg-, Jonas-Cahn-, Nideggen- und Hein-Moeller-Straße, die heute weitgehend das Signet der Firma EATON tragen, gehörten bis 2008 zur Firma Klöckner-Moeller.
Einer der wenigen (noch) gut erhaltenen Fabrikkomplexe Bonns ist im Norden der Stadt zu entdecken: die Gebäude der einstmals bedeutenden Bonner Fahnenfabrik. Das Gelände mit zwei großen Fabrikhallen und einem weithin sichtbaren Schornstein soll in zukünftig eine neue Nutzung erfahren, die das Ensemble grundlegend verändern wird.
Rund um den Bahnhof Mehlem entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts ein reges Industriegebiet – etwas was in Godesberg nicht gab und dort auch unerwünscht war. Die meisten dieser Betriebe rund um die Drachenburgstraße existieren nicht mehr. Heute arbeiten hier aber noch die Nachfolge-Firmen der Ringsdorff-Werke, SGL Carbon und GKN Sinter Metals. Dieser großflächige Firmenkomplex mit sehenswerter Architektur aus dem 20. Jahrhundert gehört heute zu den größten industriellen Arbeitgebern in Bonn.
Etwas abseits der Wohnbebauung etablierte sich nordwestlich der Endenicher Straße und im Umfeld des Güterbahnhofs seit den 1870er Jahren ein kleineres Industriegebiet. Das Gelände an der Grenze zu der bis 1904 selbstständigen Gemeinde Poppelsdorf gehörte in weiten Bereichen der Stadt. Erschlossen wurde es über die Viktoria-, Immenburg- und Karlstraße. Die Entwässerung erfolgte über den sogenannten Kielgraben, einen Abwasserkanal, der über den Dransdorfer- und Rheindorfer Bach mit dem Rhein verbunden war.
Der Übergang von handwerklich geprägten Bäckereien zur industriellen Herstellung von Backwaren erfolgt erstmals um die Wende vom 19. zum 20. Jh. Erst durch die Erfindung des von außen beheizbaren Dampfbackofens, der den bis dahin verwendeten Steinbackofen ablöste, wurde eine kontinuierliche Beschickung der Öfen mit Backwaren möglich, ohne dass der Backraum jedes Mal wieder neu befeuert werden musste. In Verbindung mit der Einführung elektrisch betriebenen Knet- und Rührgeräten wurde so erst eine massenhafte Produktion von Backwaren möglich.
Mit der Anlage der neuen Hafenanlage 1924 änderten sich auf einen Schlag die Verhältnisse im bis dahin beschaulichen Graurheindorf im Norden Bonns. Am Kai wuchsen zwei für die dörflichen Verhältnisse gigantische Gebäude aus dem Boden. 1927 begann dort die „Bonner Weizenmühle Carl Auer” Getreide zu mahlen. Dieses wurde meist per Schiff angeliefert. 1930 zerkleinerten die Mahlgänge pro Tag ca. 100 Tonnen!
In der Bonner Südstadt in der Königstraße 78 findet sich das letzte bauliche Zeugnis der ehemaligen Kaffeerösterei Zuntz. Die architektonisch auffällige Fassade erzählt vom ehemaligen Industriestandort Bonn-Poppelsdorf, von der Blütezeit eines Bonner Unternehmens, das fast anderthalb Jahrhunderte lang hier ansässig war, und vom jüdischen Leben in Bonn.