
Rätselhafte Mauerreste mitten im Grünen, Maschinenfundamente im Nirgendwo, ein verwunschener Teich – im Tal des Trimbachs bei Windeck-Dattenfeld liegt ein geradezu klassischer „lost place“ der Industriegeschichte. Von Anfang der 1870er Jahre bis 1918 produzierte hier die Pulvermühle Elisenthal das in Steinbrüchen und Bergwerken als Sprengmittel dienende Schwarzpulver.
Gründer und erster Eigentümer des Betriebes, der zu den größten Pulvermühlen im Bergischen Land zählte, war der Kölner Industrielle Everhard Schülgen. 1909 wurden im Trimbachtal circa 130.000 Kilogramm Schwarzpulver hergestellt. Nach einer wechselvollen Geschichte kam das Ende für die Pulverherstellung nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund einschlägiger Bestimmungen des Versailler Vertrags. In den Jahren zuvor war in Elisenthal auch Pulver für militärische Zwecke produziert worden.
Die Fabrikationsgebäude wurden bis auf wenige Überreste abgerissen, die Maschinen verkauft. Sie waren von Beginn an vom Wasser des Trimbachs angetrieben worden, später in trockeneren Zeiten unterstützt durch eine Dampfmaschine. Den innerbetrieblichen Transport auf dem langgestreckten Fabrikareal hatte eine Pferdebahn bewältigt.

Schwarzpulver, das sich aus den Elementen Holzkohle, Salpetersäure und Schwefel zusammensetzt, ist ein äußerst gefährlicher, weil hochexplosiver Stoff. Daher wurden Pulvermühlen grundsätzlich weitab von jeglicher Bebauung angelegt, um bei Betriebsunfällen die unvermeidlichen Schäden möglichst gering zu halten.

Die Produktionsanlagen waren ganz auf größtmögliche Sicherheit ausgelegt. So besaßen etwa besonders gefährdete Gebäude nur drei massive Steinwände (siehe erstes Foto), während die vierte Wand vergleichsweise leicht ausgeführt war und das Dach aus einer leichten Holzkonstruktion bestand. Das sollte dazu beitragen, dass sich bei einer Explosion die Druckwelle nicht in alle Richtungen ausbreiten konnte. Außerdem waren die Gebäude von einem Damm zum Schutz der näheren Umgebung vor einer möglichen Explosionswelle umgeben. An den Relikten der Pulvermühle Elisenthal lässt sich diese spezielle Bauweise gut nachvollziehen. Eigens angelegte Teiche – in Elisenthal gab es gleich drei – dienten in trockeneren Zeiten als Reservoir für den Antrieb der Wasserräder. Sie sorgten darüber hinaus im Fall des Falles dafür, dass genügend Löschwasser zur Verfügung stand.

Für die bis zu 30 Beschäftigten galten rigide Sicherheitsvorschriften. Trotzdem kam es in den Jahren 1913 und 1915 zu insgesamt drei Explosionen, die große Schäden anrichteten und mehrere Arbeiter das Leben kosteten.
Im Rahmen der Regionale 2010 wurden das seit Jahrzehnten brach liegende Gelände der Pulvermühle, das die Natur mittlerweile zurückerobert hatte, sowie deren bauliche Überreste für den Tourismus erschlossen. Ein 1,2 Kilometer langer Rundweg verbindet das Erlebnis der reizvollen bergischen Landschaft mit einem Einblick in die Geschichte der Pulverfabrikation, einem einst im Bergischen Land bedeutenden Wirtschaftszweig – mit Arbeitsplätzen nur für mutige Männer.
Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025
Adresse: Ein geeigneter Ausgangspunkt für eine Wanderung in das Trimbachtal ist der Parkplatz Pulvermühle, Zur Pulvermühle 2, 51570 Windeck-Dattenfeld
Weitere Informationen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pulvermühle_Elisenthal
„Pulvermühle im Elisenthal“. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-26545-20111207-4
Schröder, Willi: Pulvermühle im Elisenthal. Windeck 1998

