
Das Kraftwerk Unkelmühle an der Sieg bei Windeck ist in zweierlei Hinsicht ein ökologisches Vorzeigeprojekt: Zum einen nutzt es die Energie des Wassers zur umweltfreundlichen Stromerzeugung, und zum anderen ist die gesamte Anlage vor wenigen Jahren nach modernsten Erkenntnissen baulich so modifiziert worden, dass sie für flussauf- beziehungsweise flussabwärts wandernde Fische kein – zuvor häufig tödliches – Hindernis mehr darstellt.
Der Name Unkelmühle ist sehr viel älter als das moderne Kraftwerk. Er ist um 1600 zum ersten Mal schriftlich belegt; allerdings hatte es schon früher eine Mahlmühle am selben Standort gegeben. Unter verschiedenen Eigentümern lief der Mahlbetrieb bis Anfang der 1920er Jahre: Ab 1921 trat mit dem Wasserkraftwerk eine seinerzeit ausgesprochen innovative Technik an die Stelle der traditionellen Mühle mit ihrer jahrhundertelangen handwerklichen Tradition. Trotz der positiven Standortfaktoren an der wasserreichen Sieg und verschiedener vergleichbarer Planungen, die Wasserkraft zu nutzen, ist die Unkelmühle bis heute die einzige Anlage ihrer Art in der Region geblieben.

Bauherr des Kraftwerks und des dazu gehörigen Stauwehrs war der Eitorfer Maschinenbau-Unternehmer Clemens August Hegeling, der mit dem an der Sieg erzeugten Strom die industrielle Produktion von Fahrrädern und Schreibmaschinen auf den modernen Elektroantrieb umstellte. Nach der Aufgabe des Fabrikbetriebs war die Wasserkraftwerk Eitorf AG bis 1965 Eigentümer der Anlage. Aktuell wird das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Kraftwerk von der RWE Generation SE betrieben. Die drei Francis-Turbinen verfügen insgesamt über eine installierte Leistung von 420 Kilowatt, unter günstigen Voraussetzungen ausreichend für die Stromversorgung von etwa 500 Haushalten.

Wasserkraftanlagen an Fließgewässern wie der Sieg sind zweifellos eine umweltfreundliche Art der Energiegewinnung. Für Fische bilden sie allerdings aufgrund der besonderen Gegebenheiten – wie etwa den notwendigen Stauwehren und Turbinenanlagen – in der Regel eine nur schwer zu überwindende Barriere. Dies gilt vor allem für Wanderfischarten wie den Lachs, den Aal und die Meerforelle, die im Laufe ihres Lebens weite Strecken zurücklegen. Aus ökologischer Sicht gilt es also, das jeweilige Gewässer durch geeignete Maßnahmen für Fische möglichst „barrierefrei“ zu gestalten.

Vor diesem Hintergrund vereinbarten das Land NRW und der RWE -Konzern 2009, die Unkelmühle im Rahmen eines Pilotprojekts baulich und technisch aufwändig umzubauen, um Fischschutz und Energieerzeugung in Einklang zu bringen. 2011 begannen die Bauarbeiten, 2014 war die Pilotanlage fertiggestellt. 2019 konnte der Regelbetrieb aufgenommen werden.

Umfangreiche Untersuchungen haben seither erwiesen, dass sich dank der innovativen Maßnahmen die Zahl der Fische, die die Unkelmühle unbeschadet passieren, deutlich erhöht hat. Aus Sicht der Projektträger hat sich damit gezeigt, dass bei der Nutzung der Wasserkraft an heimischen Fließgewässern ökologische Zielsetzungen nicht im Widerspruch zu ökonomischen Interessen stehen müssen.
Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025
Adresse:
Unkelmühle, 51570 Windeck
Weitere Informationen:
Pilotanlage Fischschutz und Fischabstieg. Wasserkraftanlage Unkelmühle. Hg.: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 2019
Johann Paul: Kraftwerkspläne an der Sieg nach dem Ersten Weltkrieg. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises. 2006. Siegburg 2005. S. 148-156
Julia König: „Unkelmühle an der Sieg“. In: KuLaDig. Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladiåg.de/Objektansicht/KLD-345961

