Rheinfähre Königswinter-Niederdollendorf – Bonn-Bad Godesberg

Vom Königswinterer Stadtgebiet aus führen gleich zwei Fährverbindungen über den Rhein. Die nördliche verknüpft Niederdollendorf mit dem Bonner Stadtteil Bad Godesberg. Die 1972 eingeweihte Konrad-Adenauer-Brücke, die nächstgelegene der drei Bonner Rheinbrücken, brachte für den traditionsreichen Fährbetrieb zwar ökonomische Einbußen mit sich, erwies sich auf Dauer aber nicht als existenzbedrohende Konkurrenz. Eine weithin einmalige technikhistorische Besonderheit war ab 1908 der Einsatz einer elektrischen Fähre. Nach dem zwischenzeitlichen (traditionellen) Einsatz von Dieselmotoren ist der Fährbetrieb seit 2025 erneut elektrifiziert.

Wie ihr Pendant zwischen Königswinter und Mehlem kann die Niederdollendorfer Fähre auf eine lange Geschichte zurückblicken, die bis ins späte Mittelalter zurückreicht. Wie vor dem Einsatz von Gierponten und dampfgetriebenen Fähren üblich, wurden im Querverkehr über den Rhein in der Regel Nachen und Kähne eingesetzt, die gerudert oder gesegelt wurden. Einen deutlichen Fortschritt im Personenverkehr bedeutete um 1900 der Einsatz von Motorbooten, die auf Königswinterer Kleinwerften gebaut worden waren.

Ihrer Zeit technisch weit voraus: Feierlicher Stapellauf der Elektrofähre auf der Duisburger Berninghaus-Werft im Juni 1908. Foto: Wikimedia Commons. Public Domain.

Einen wahren Quantensprung in Bezug auf Tragfähigkeit und Effektivität brachte ab 1908 die technologisch höchst innovative elektrische Fähre, eine 30 Meter lange Konstruktion der renommierten Duisburger Werft Ewald Berninghaus. Erst jetzt konnten auch Fahrzeuge übergesetzt werden. Zwei 50-PS-Gleichstrommotoren sorgten für den Antrieb; die Energie lieferten Akkumulatoren, die ein häufiges Nachladen bei den Zwischenstopps an der linksrheinischen Anlegestelle erforderten. Den Strom bezog die Fährgesellschaft von dem kurz zuvor in Betrieb gegangenen Godesberger Elektrizitätswerk.

Zeitgenössische Ansichtskarte der elektrischen Fähre. Sammlung Markus Krause.

Die eigens für den Bau und Betrieb des Schiffes gegründete Aktiengesellschaft „Elektrische Fähre Godesberg-Nieder-Dollendorf AG“ war mit dieser fortschrittlichen Entwicklung ihrer Zeit weit voraus – im Schiffbau regierte seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch unumschränkt die Dampfmaschine. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Elektrofähre – die heute sicherlich ein technisches Denkmal ersten Ranges wäre – von deutschen Truppen versenkt.

Nach einem Zwischenspiel mit verschiedenen kleineren Motorbooten ging als Nachfolger der Elektrofähre 1952 die „St. Christophorus“ in Betrieb, nunmehr technisch ganz konventionell durch einen Dieselmotor angetrieben. Mitte der 1960er Jahre komplettierten die „Konrad Adenauer“, ausgestattet mit drei Mercedes-Motoren, und die „Christophorus II“ die kleine Flotte. Weltweite Beachtung fand der Dollendorfer Fährbetrieb 1967, als der Sarg Konrad Adenauers, des ersten Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung an Bord der Niederdollendorfer Fähre den Rhein überquerte.

Die „Konrad Adenauer”, hier noch vor der “Elektrifizierung”, am Niederdollendorfer Ufer; im Hintergrund ist am anderen Ufer das historische Gebäude der sogenannten “Bastei”, der ehemaligen Anlegestelle der “Köln-Düsseldorfer” Schifffahrtsgesellschaft, zu erkennen.

Nachdem die „Christophorus II“ 2015 verkauft worden war, versehen nun die „Konrad Adenauer“ und ein „neues“ Fährschiff mit dem traditionellen Namen „Christophorus“ den Fährverkehr. Letzteres war 1966 in Trier als Peilschiff des Wasser- und Schifffahrtsamtes gebaut worden; für die neue Verwendung wurde es auf der Lux-Werft in Niederkassel-Mondorf umgebaut. Es verfügt über vier Deutz-Motoren mit zusammen 440 kW und kann bis zu 600 Personen aufnehmen.

Die auf Elektroantrieb umgestellte “Konrad Adenauer” am Niederdollendorfer Anleger. Der grüne Stecker an der Bordwand weist auf die moderne emissionsfreie Technik hin. Das vorige Foto zeigt die Fähre vor dem Umbau auf Elektroantrieb.

2025 hieß es zwischen Niederdollendorf und Bad Godesberg: zurück zu den Anfängen. Das renommierte Unternehmen “LUX-Werft und Schifffahrt GmbH” in Niederkassel-Mondorf, Pächterin des Fährbetriebs, ersetzte die Dieselmotoren der „Konrad Adenauer“ durch drei Elektromotoren mit jeweils 190 PS – eine innovative, zeitgemäße und auf dem Rhein bislang einmalige Antriebstechnik, die nicht nur der Umwelt zugutekommt, sondern auch die Fahrgäste vor Motorlärm und Dieselabgasen verschont. Für den notwendigen Nachschub an „grünem“ Ökostrom für die Akkumulatoren sorgen zwei feste Stromanschlüsse am linksrheinischen Ufer.

Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025

Adresse: Anlegestelle rechtsrheinisch: Fährstraße, 53639 Königswinter-Niederdollendorf; Anlegestelle rechtsrheinisch: Von-Sandt-Ufer 902, 53173 Bonn-Bad Godesberg

Weitere Informationen:

www.rheinfaehre-godesberg.de

https://virtuellesbrueckenhofmuseum.de/vmuseum/historie/abfrage_sql.php?serie=F%C3%A4hre%20Bad%20Godesberg%20-%20Niederdollendorf

„Rheinfähre Bad Godesberg“. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-281083

Berres, Frieder: 2000 Jahre Schiffahrt am Siebengebirge. Sankt Augustin 1999 (Königswinter in Geschichte und Gegenwart, Heft 6)

Hofmann, Gustav: Über die Fähren im Raum Bonn und Bad Godesberg.
Teil 1. In: Godesberger Heimatblätter (Jahresheft 2005 des Vereins für Heimatpflege). Heft 43, S. 9-36;
Teil 2: Godesberger Heimatblätter (Jahresheft 2006), Heft 44, S. 17-39

Stern, Volkhard: Mit der Fähre nach Königswinter. In: Godesberger Heimatblätter 52 (2014), S.158-172