Fabrikgebäude Aggerhütte, Lohmar-Honrath

Im idyllischen Aggertal zwischen Lohmar und Overath überrascht etwas abseits der Landstraße ein bemerkenswertes Fabrikgebäude. Vor dessen Bau waren in Aggerhütte Metallerze verarbeitet worden. Die Bauten aus dieser Ära existieren allerdings nicht mehr. 1903 entstand auf dem Gelände das markante Fabrikgebäude, das bis heute Bestand hat, für eine Knochenmühle.  

Bereits für 1793 ist die Verhüttung von Kupfererzen an diesem Standort belegt. Die Honrather Hütte wurde bald wieder aufgegeben und verfiel. 1853 folgte eine große Erzaufbereitungsanlage für die benachbarten Gruben Aurora, St. Georg und Volta, in der die Erze gereinigt wurden, wozu man das Wasser des hier der Agger zufließenden Kombachs nutzte. Die Abfuhr des Erzmaterials mit Pferdefuhrwerken an den Rhein erwies sich aber zu aufwändig, sodass der Betrieb schon bald wieder eingestellt wurde.

1903 folgte eine  Anlage, in der Knochen verarbeitet wurden, eine Knochenmühle. Zu diesem Zweck wurde das bis heute erhaltene Bauwerk mit gelben und roten Klinkern errichtet. Die beiden rechten Fensterachsen der Hauptfassade werden von einem hohen, in Basilika-Form ausgeführten Aufbau bekrönt. Diese Bauform ist vor allem aus dem Kirchenbau bekannt: ein erhöhtes „Mittelschiff“ wird von zwei niedrigeren „Seitenschiffen“ flankiert.

Fabrikgebäude Aggerhütte.

Obwohl dort längst keine Erze mehr verarbeitet wurden, blieb der Name „Aggerhütte“ als Ortsbezeichnung erhalten. Im sogenannten Extraktionswerk wurden dann im großen Umfang Knochen entfettet, gemahlen und zu Düngemitteln verarbeitet. Das anfallende Öl fand Verwendung in der Seifenfabriktion. Außerdem stellte die „Knochen-Möll“ sogenannten „Poudrettedünger“ her. Dazu wurden Knochenmehl, Fäkalien, die in geschlossenen Güterwagen angefahren wurden, und Moorerde gemischt und getrocknet. Hilfreich war, dass es seit 1884 einen Bahnanschluss über die Aggertalbahn gab. Der organische Dünger wurde jedoch zunehmend durch Dünger aus Chemiefabriken ersetzt.

Nach der Einstellung der Folienproduktion dient das Gelände als Gewerbepark.

1940 erfolgte die Betriebsstilllegung und eine Umnutzung zur Rüstungsproduktion. Nach dem Krieg standen die Gebäude leer, bis 1968 eine Foliendruckerei einzog. Das Ensemble ist inzwischen als Denkmal eingetragen, dient nicht mehr zu industriellen Produktion, sondern bietet als Gewerbepark Lagerräume und Flächen für verschiedene kleinere Unternehmen an.

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adresse: Aggerhütte 110, Lohmar

Weitere Informationen:

Generalanzeiger 8.1.2023: So sieht es in der alten Aggerhütte in Lohmar aus, https://ga.de/region/sieg-und-rhein/mehr-von-sieg-und-rhein/so-sieht-es-in-der-alten-aggerhuette-in-lohmar-aus_aid-43960319

KuLaDig: „Aggerhütte”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital: http://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-266635

Stadt Lohmar: Fabrikgebäude Aggerhütte, online: https://www.lohmar.de/erlebnisfaktoren-natur-und-sport-freizeit-und-tourismus/tourismus/sehenswertes/fabrikgebaeude-aggerhuette/