Bahnhof Meckenheim und die Voreifel-Bahn

Der Bahnhof Meckenheim wurde 1880 zeitgleich mit dem Bau der Strecke zwischen Euskirchen und Bonn errichtet. Die neue Verbindung über Meckenheim entwickelte sich sowohl im Nahverkehr als auch im Fernverkehr gut.  Es gab zwischenzeitlich sogar Schnellzüge zwischen Aachen und Bonn über Düren und Euskirchen. Auch als Güterstrecke hatte die Strecke Bedeutung, weil sie unter Umgehung des Bahnknotens Köln eine Verbindung von Aachen an den Rhein bot. In den autoverrückten 1970 und 1980er Jahren verlor die Voreifelbahn zwischen Euskirchen und Bonn an Bedeutung. In den 1990er Jahren begann dann eine Renaissance der Bahnstrecke als Nahverkehrsverbindung.

Bereits seit 1864 wurde Euskirchen über Düren an die Eisenbahnstrecke Aachen-Köln angebunden. Seit den 1870er Jahren gab es Pläne, eine Bahnstrecke zwischen Euskirchen und Bonn zu bauen. Eine Abzweigung ins Ahrtal sollte Aachen schnell mit der linksrheinischen Strecke verbinden und Engpässe in Köln und Bonn umgehen. Der Ausbau von Meckenheim in Richtung Ahrtal war zwar Bestandteil der Baukonzession, wurde letztlich aber doch verworfen, weil der steile Abstieg ins Ahrtal zu aufwändig und zu teuer erschien. Der deutliche Schlenker der Streckenführung zum „Trennungsbahnhof“ Meckenheim blieb aber in den Plänen der Streckenführung festgeschrieben.

Eine Postkarte aus der Zeit um 1900 zeigt das Empfangsgebäude in seinen ursprünglichen Proportionen. Links wird am kleinen Güterschuppen gearbeitet. Privatbesitz.

Die Bahnverbindung zwischen Bonn und Euskirchen konnte schließlich 1880 eröffnet werden. Sie war zunächst als untergeordnete, lediglich eingleisige „Secundairbahn“ ausgelegt, die drei Mal am Tag mit einem einzigen Zug bedient wurde. Die Strecke wurde aber so gut angenommen, dass sie bereits 1890 zur „Vollbahn“ mit fünf Zugpaaren erweitert wurde. Sie erhielt bald den Namen „Voreifel-Bahn“, weil sie durch die Voreifelregion, mit Rübenfeldern, Apfel- und Baumschulplantagen, und schließlich durch das weitläufige Waldgebiet Kottenforst von Euskirchen nach Bonn führt.

Bahnhof Meckenheim, Straßenseite.

Der Meckenheimer Bahnhof stellt eine spiegelbildliche Variation seines Pendants in Rheinbach dar. Der Entwurf stammte von dem Eisenbahninspektor Johannes Richter. Das Meckenheimer Empfangsgebäude ist an sich gut erhalten. Obwohl eingetragenes Baudenkmal, erhielt das Erdgeschoss im Nordosten 2019 allerdings einen großflächigen Anbau mit 140 Quadratmetern Fläche für eine gastronomische Nutzung. Dadurch wird das Gebäude seiner ursprünglichen Anmutung und Proportion beraubt, die eher in die Höhe statt in die Breite strebte. Immerhin sind die Fassaden und historischen Wände erhalten. In einem Gastraum steht sogar noch eine originale gusseiserne Stütze.

Stütze aus der Bauzeit im heutigen Restaurantbereich.

Anfang der 1920er Jahre baute die französische Besatzungsmacht die Strecke von Düren bis Bonn zweigleisig aus, um eine leistungsfähigere Verbindung aus dem Westen an den Rhein zu schaffen und den in der britischen Besatzungszone liegenden Hauptbahnhof Köln zu umgehen. Auch während der amerikanischen Besatzungszeit erlangte die West-Ost-Verbindung zwischen März 1945 bis Mai 1946, als die Strecke von Aachen nach Köln unbefahrbar war, eine zentrale Bedeutung als Verbindung zwischen der Kanalküste in Richtung Koblenz und weiter nach Süddeutschland.

Kohlentransporte aus dem Aachener Revier wurden bis 1956 über Düren und die Voreifelbahn in südliche und östliche Richtungen durchgeführt. Nach dem Ende dieser Massengütertransporte reduzierte die Bahn die Strecke aus Kostengründen auf ein Gleis. Trotzdem konnte man bis 1950 bis 1978 von Bonn über Euskirchen im „Eilzug“ direkt nach Düren und Aachen fahren.

Die Fassade zur Bahnseite mit der historischen Überdachung ist gut erhalten, aber durch einen Sichtschutz zum Bahnsteig optisch verstellt.

Obwohl sich Meckenheim und die umliegenden Gemeinden in den 1960er und 1970er Jahren zum Wohnort vieler Beschäftigter der Bundeshauptstadt entwickelten, nahm der Personenverkehr auf der Voreifelbahn ab.  Ursachen dafür waren die wachsende Verfügbarkeit und Beliebtheit des Automobils sowie ein unzureichender Fahrplan. Auch der Güterverkehr schrumpfte erheblich. Die Tongruben in Witterschlick stellten 1993 den Tontransport auf LKWs um. 1972 wurde zwar noch ein Industriegleis zum neuen Industriepark Meckenheim eingerichtet, doch fuhren die letzten Güterzüge  2014 auf dieser Strecke. Seitdem findet auf der Voreifelbahn nur mehr Personenverkehr statt.

Ab 1979 probierte die Bahn einen Halbstundentakt auf der Strecke aus, der sich bewährte und seit 1995 sogar zu einem Viertelstundentakt zwischen Rheinbach und Bonn ausgebaut wurde. Ein Preis für die Verdichtung des Regionalverkehrs war allerdings, dass der durchgängige Eilzug nach Düren 1979 eingestellt werden musste. Die Betriebszeiten am Abend und in der Nacht wurden um die Jahrtausendwende deutlich erweitert, womit die Verbindung wieder zu einer ernsthaften Alternative des Automobilverkehrs avancierte. Im Vergleich zu den 3.000 Fahrgästen pro Tag im Jahr 1978 wurden 2005 schon 13.000 und 2010 bereits circa 20.000 Passagiere gezählt.

Der ehemalige Silo-Turm am Bahnhof Meckenheim ist inzwischen zu Büroräumen umgebaut worden.

Im Jahr 2013 wurden Bauarbeiten aufgenommen, um die Strecke abschnittsweise wieder zweigleisig auszubauen. Als zusätzliche Haltepunkte (ohne Bahnhofsgebäude) kamen Bonn-Endenich Nord, Bonn-Helmholtzstraße, Alfter-Impekoven und Rheinbach Römerkanal hinzu – sowie bereits 1996 Meckenheim-Industriepark. Der Fahrplan wurde weiter verdichtet und die Voreifelbahn in eine S-Bahnstrecke umgewandelt. Damit wurde der Vorrang des Nah- und Pendelverkehrs betont – auf Kosten eines schnellen Fernverkehrs. Für die Zukunft geplant sind die Elektrifizierung der Strecke, eine weitere Verdichtung des Taktes, weitere Haltestellen in Witterschlick-Heidgen und Rheinbach-Oberdrees und eventuell sogar eine Verlängerung der S-Bahn über Bonn hinaus bis Mehlem.

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adresse: Bahnhofstraße 32, Meckenheim

Weitere Informationen:

Heilmann, Frank: 130 Jahre Strecke Bonn-Euskirchen, Witterschlick 2010, in: Trenkle, Klaus: Der Bahnhof von Witterschlick, Witterschlick 2013, S. 42-52

Heinzel, Michael: Eisenbahnen im Eifel-Vorland. Bördebahn, Erfttalbahn, Voreifelbahn. Bonn 2022

Strell, Axel: Website Bahnhof-Odendorf – Voreifelbahn: https://www.bahnhof-odendorf.de/voreifelbahn-2.html

Perillieux, Winand, Leven, Hans-Joachim, Schwarz, Bernd: Eisenbahnen in Euskirchen. Zwischen Eifel, Börde und Ville. Nordhorn 1991

Sönnert, Ingrid: „Sah Züge schwinden, Züge nahn…“ – Die Eisenbahn kommt nach Meckenheim, Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2014, online https://www.meckenheim.de/cms117/stadtportrait_touristik/stadtgeschichte/kleine_geschichten/artikel/35444/

Wikipedia: Johannes Richter (Architekt), https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Richter_(Architekt)