
Die Obere Mühle in Meckenheim existierte wohl bereits um 1400. Um 1660 gehörten zum Mühlenanwesen neben dem Hauptgebäude mit Mahlwerk zwei Brücken, Wiesen und Weiden sowie ein System von Wassergräben und Wasserflächen, Schleusen und Dämmen. Das Mahlwerk wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts durch ein Wasserrad angetrieben und später auf Motorbetrieb umgestellt. Die Mühlentechnik der Firma, die 1972 geschlossen wurde, ist erhalten. Durch bürgerschaftliches Engagement wurde die Mühle wieder in Betrieb genommen und kann nun funktionsfähig besichtigt werden.
Das mittelschlächtige Mühlrad mit einem Durchmesser von über drei Metern wurde mit Wasser aus einem Mühlengraben angetrieben, der ungefähr einen Kilometer oberhalb der Anlage bei der Burg Münchhausen abzweigte. Er führte bei der Mühle zunächst in ein komplexes Grabensystem und erst danach in einen kleinem Mühlenteich, aus dem der Zufluss der Mühle gespeist wurde. Dieses ungewöhnliche Oberwasser ist nicht mehr erhalten. Allerdings ist gegenüber der Mühle noch der Abfluss des Mühlengrabens zu erkennen, der zügig in die Swist zurückführt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam die Mühle in den Besitz der Familie Hufschlag, deren Name bis heute das Hauptgebäude ziert. Ein Brand vernichtete 1908 das eigentliche Mühlengebäude und einen Teil des Wohnhauses. 1912 erfolgte der Wiederaufbau, bei dem anstelle des Wasserrades eine Turbine installiert wurde, um die Wasserkraft möglichst effektiv zu nutzen. Die Turbine hatte eine Leistung von 12 PS. Als weitere Kraftquelle wurde im selben Jahr ein 30-PS-Gasmotor installiert. 1921 kam es zu einer Aufstockung des Mühlengebäudes, das damals seine heutige Form erhielt. Die heutige Mühlentechnik stammt ebenfalls aus jener Zeit.
1938 löste ein Dieselmotor den alten Gasmotor ab. Ein Dynamo sorgte für Lichtstrom. Während des Zweiten Weltkriegs führte der Mangel an Dieselkraftstoff in den Jahren 1943/44 dazu, dass die Mühle einen Elektromotor erhielt und mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden wurde.
Die Produktion wurde 1972 eingestellt, weil die Mühle nicht mehr mit größeren Betrieben konkurrieren konnte. In der Endphase stellte man Roggen- und Gerstenschrot, Roggenmehl, Schwarzbrot, Suppengetreide und Viehfutter her. Die technische Einrichtung des letzten Betriebsjahres blieb glücklicherweise im Mühlengebäude erhalten.

Die Obere Mühle kam 1992 in den Besitz der Stadt Meckenheim, die das Wohnhaus zwischenzeitlich als Unterkunft für Obdachlose nutzte. Es wurden verschiedene Nutzungskonzepte erwogen. Gegenstand der Diskussion waren unter anderem die Optionen Abriss, Weiterverkauf, Nutzung als Café sowie eine Ergänzung durch Neubauten. Bereits 1987 war allerdings der Eintrag der Mühle in das Denkmalverzeichnis erfolgt; 1997 wurde die Unterschutzstellung auf das gesamte Ensemble mit Wohn- und Lagerhaus ausgedehnt.

2003 gründete sich der Verein „Pro Obere Mühle Meckenheim“ mit dem Ziel, die Mühle als kulturelles Erbe zu erhalten, in Stand zu setzten und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zu Beginn stand eine aufwändige Sicherung und Sanierung der Gebäudesubstanz des Denkmals, die zwischen 2007 und 2011 durch die Stadt Meckenheim durchgeführt wurde. Nachdem im Jahr 2015 schließlich ein Nutzungsvertrag zwischen der Stadt und dem Verein abgeschlossen wurde, begann der Verein mit der Instandsetzung und Wiederinbetriebnahme der Mühlentechnik, die im Jahr 2017 erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Ein ganzes Jahr lang arbeitete dafür ein Mühlenspezialist an der Technik. Seitdem läuft sie wieder, allerdings ohne Getreide.

Zentrales Antriebselement war und ist der Elektromotor von 1944, der 2016 und 2021 von Hochwassern der Swist stark in Mitleidenschaft genommen wurde. Glücklicherweise gelang jedoch in beiden Fällen die Reparatur und Wiederinbetriebnahme. Der Motor treibt aus dem Untergeschoss ein kompliziertes Transmissionssystem bis hinauf ins zweite Obergeschoss an. Der Materialtransport ist nach dem System der „Amerikanischen Mühle“ weitgehend automatisiert, was dem Müller erheblich Arbeit ersparte. Für die horizontale Bewegung sorgen Schneckengetriebe, die das Material seitwärts bewegen. Rotierende Gurte mit kleinen Bechern sorgen für den vertikalen Transport.

Sackabfüllung vom zweiten ins erste Obergeschoss.
Verblüffend ist, dass ein Großteil der Maschinerie dazu dient, das Getreide zu reinigen, zu sortieren und zu transportieren. Der eigentliche Mahlprozess im Erdgeschoss ist nur das kurze Ende einer langen Kette von Verarbeitungsschritten, die zuvor im ersten und zweiten Obergeschoss stattfinden.
Die Mühlentechnik wird für Gruppen auf Anfrage und an besonderen Tagen, wie dem Tag des offenen Denkmals und dem Mühlentag zu Pfingsten, öffentlich vorgeführt.
Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025
Adresse: Obere Mühle 8a, Meckenheim
Weitere Informationen:
Krüger, Irene: Die Obere Mühle in Meckenheim. Abhandlung zur Historie und Baugeschichte, PDF 2007, https://meckenheimer-muehle.de/geschichte/geschichte110.php
Menne, Rolf: Mühlen in Meckenheim, Mühlen in Swistbachtal, Meckenheim 2004
Pro Obere Mühle Meckenheim e.V. – Website: https://meckenheimer-muehle.de/
Sönnert, Ingrid: Mühlen im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Eine Übersicht. In: Arndt, Claudia Maria / Habel, Bernd (Hg.): Mühlenbann, Wasserad & Mahlstein. Zur Geschichte der Mühlen im Rhein-Sieg-Kreis und seiner Umgebung. Siegburg 2016, S. 45-62

