Altes Wasserwerk, Troisdorf

Um 1900 bestand in dem aufstrebenden Industriestandort Troisdorf dringender Bedarf für eine geregelte und saubere Wasserversorgung.  Die Troisdorfer Sprengstoffwerke sagten 1901 dem Bürgermeister zu, jährlich 120.000 Kubikmeter Wasser von einem neu zu errichtenden Wasserwerk abzunehmen, was dessen Realisierung beförderte. Ein kurz zuvor wegen Typhus geschlossener Brunnen verdeutlichte, wie wichtig eine kommunale Wasserversorgung mit gesicherter Qualität war. 1904 nahm das neue Wasserwerk nahe der Agger den Betrieb auf. Das Gebäudeensemble ist bis heute erhalten – inklusive eines Teils des Maschinenparks.  

Die Gebäudehülle entstand in moderner Skelettbauweise. Die schlichten, verputzten Fassaden wurden zeittypisch durch historisierende Gestaltungselemente belebt: Hohe Zwillings- oder Drillingfenster mit Rundbögen, sowie dekorative Zierklinker-Elemente gliederten die Ansicht und verliehen dem Bauwerk eine würdige Ausstrahlung.

Hochbehälter des Wasserwerkes Troisdorf aus dem Jahr 1903 am Telegrafenberg.

Das Wasser wurde in rund 11-14 Metern Tiefe aus Grundwasserbrunnen in der benachbarten Aggerniederung entnommen. Leistungsstarke Gasmotoren betrieben zwei Pumpen, die das Wasser in das Leitungsnetz und in einen 3,5 Kilometer entfernten Hochbehälter unterhalb des Telegrafenbergs beförderten, damit stets genügend Druck in den 30 Kilometer langen Leitungen anstand. Der Wasser-Hochbehälter ist heute Bestandteil eines ausgeschilderten Geschichtspfades, der im Waldgebiet oberhalb des heutigen „TroParks“ verläuft.

Das neue Wasserwerk versorgte 83 Hydranten und 700 Haushalte mit Wasser – und natürlich die Sprengstoffwerke, die direkt unter dem Hochbehälter lagen. Das Gas für die Motoren lieferte ein stadteigenes Gaswerk. Der Gasbehälter stand auf dem Gelände der heutigen Stadtwerke.

Das erste Gebäude des Wasserwerks, um 1910. Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2011, S. 134.
Das ehemalige Wasserwerk Troisdorf in Aggernähe. Im Vergleich zur historischen Ansicht wird deutlich, dass das Gebäude im Dachbereich deutlich begradigt und der Eingang verlegt wurde. Im vorderen Gebäude von 1903 sind die historischen Maschinen erhalten, im hinteren Bereich ist das Familienzentrum angesiedelt.

1912 wurde die Pumpenkapazität erhöht. 1915 folgte eine bauliche Erweiterung mit der Installation von drei elektrisch betriebenen Pumpen. Zu Zeiten der Kriegsproduktion während des Ersten Weltkriegs verbrauchte das Sprengstoffwerk riesige Wassermengen, was sowohl den Grundwasserstand gefährdete als auch die Technik des Wasserwerks stark beanspruchte. 1938 und 1970 erfolgten technische Erneuerungen, sodass die Versorgung aus dem alten Wasserwerk bis 1977 in Betrieb bleiben konnte – und dann stillgelegt wurde.

Die Stadtwerke verkauften das in die Jahre gekommene Gebäudeensemble an einen privaten Eigentümer. Dieser nahm 2009 die Restaurierung des – inzwischen als technisches Denkmal eingetragenen – Gebäudeensembles in Angriff. In dem ältesten Gebäudeteil von 1903 gelang es, die Antriebsmaschinen und Pumpen aus den wesentlichen Ausrüstungsphasen der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg sowie von 1938 und 1970 zu erhalten und auch die Atmosphäre der Arbeitsräume zu bewahren. Zwei große Gasmotoren sind durch die Tür an der Rückseite des Gebäudes von außen sichtbar. Zu bestimmten Anlässen ist auch eine Besichtigung dieses Raumes möglich, der ganz der historischen Technik gewidmet bleibt.

Wohlbehaltene Wasserwerkstechnik: 1: Gasmotor von 1912, 2: Wasserbehälter 3: Liegende Doppel-Kolbenpumpe von 1903.

Im straßenseitigen Gebäudeteil wurden hingegen die Maschinen entfernt und Räume für ein Familienzentrum hergerichtet. Hier erinnern noch eine Kranbahn an der Decke und rote Kacheln an die ehemalige Nutzung.

Drei Maschinen-Generationen:  hinten Doppelpumpe von 1912, in der Mitte das Schwungrad des Gasmotors von 1938 und im Vordergrund eine leistungsstarke elektrische Kreisel-Pumpe von 1970.

Für eine Kindertagesstätte wurde hinter dem Wasserwerk ein Anbau errichtet, der so gestaltet ist, dass der Eindruck des historischen Gebäudeensembles kaum beeinträchtigt wird.

Pumpe mit Motor im Außengelände.

Im Außengelände erinnert eine historische Pumpe an die ehemalige Nutzung des Geländes. Insgesamt gelang mit diesem Kompromiss zwischen Bewahrung und Umnutzung eine würdige Erhaltung der Anlage mit erfreulichem Substanzerhalt.  

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adresse: Altes Wasserwerk: Am Wasserwerk 17, Troisdorf; Hochbehälter: im Wald zwischen TroPark und Telegraphenberg, Nähe Mauspfad, Troisdorf

Weitere Informationen:

Andres-Péruche, Yvonne: Das Brunnenzeitalter ging zu Ende. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2011, S 132-135; ähnlich in: Troisdorfer Jahreshefte 2013, S. 4-9

Schulte, Albert: 80 Jahre Troisdorfer Wasserwerk 1983. In: Troisdorfer Jahreshefte 1983, S. 71-79

TroPark: IndustrieStadtpark mit Station 4 / Hochbehälter, online: https://www.industriestadtpark.de/industriepfad/