Bahnhof Windeck-Schladern

Lange vor dem motorisierten Individualverkehr erschloss seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisenbahn das streckenweise enge und windungsreiche Tal der Sieg zwischen den Städten Siegburg und Siegen. Damit gewann auch die kleine Gemeinde Schladern, heute ein Ortsteil der Gemeinde Windeck, einen besseren Zugang für Menschen und Güter zum westfälischen Siegerland im Osten und zum Rheintal im Westen.

Die Siegtalstrecke sollte vor allem das industriell aufstrebende Ruhrgebiet mit seinen reichen Kohlevorkommen mit der Region um Siegen und Gießen verbinden, in der der Erzbergbau und das eisenverarbeitende Gewerbe dominierten. Für den Bau und den Betrieb der Bahn war in Abstimmung mit dem preußischen Staat die private Cöln-Mindener Eisenbahngesellschaft verantwortlich. In den Jahren 1858 bis 1861 konnte die die neue Verbindung abschnittsweise eröffnet werden.
1880 übernahm der preußische Staat die Bahn. Ab Siegburg folgt sie weitgehend dem Lauf des Flusses. Die schwierige Topografie hatte den Bau erschwert und die Kosten steigen lassen. So waren vielerorts Geländeeinschnitte beziehungsweise Dämme angelegt und zahlreiche Brücken und Tunnel gebaut worden.

Ein Güterzug passiert 1975 das noch nicht sanierte Empfangsgebäude des Bahnhofs. Foto: Peter Schiffer, Bildarchiv Eisenbahnstiftung Joachim Schmidt.

Unter den Bahnhöfen der Siegstrecke ist das das 1860 in Betrieb genommene Empfangsgebäude in Schladern ein architektonischer Solitär: Die repräsentative historistische Gestaltung mit steilen Dächern und Treppengiebeln überstieg wohl bei weitem die traditionellen Ansprüche einer bescheidenen Landgemeinde. Vermutlich wollte man stilistisch an die anspruchsvolle Architektur des etwa gleichzeitig erbauten (und im Zweiten Weltkrieg zerstörten) Schlosses Windeck anknüpfen. Zu Recht steht das Stationsgebäude daher seit 1989 unter Denkmalschutz.

Der ursprüngliche Charakter des Gebäudes ist dank einer sorgfältigen Sanierung äußerlich weitgehend unverändert erhalten. Dagegen ist die historische Raumaufteilung im Erdgeschoss heute nicht mehr nachzuvollziehen: Rechts von der kleinen Eingangshalle lag das Büro des „Eisenbahn-Inspektors“ mit dem Billetschalter, dahinter die Gepäckaufbewahrung Geradeaus ging es in den vergleichsweise kleinen Wartesaal für die (wenigen) Reisenden der 1. und der 2. Klasse. Sehr viel größer war der links anschließende, die ganze Breite des Gebäudes einnehmende Warteraum für die Fahrgäste der 3. und 4. Klasse. Im Obergeschoss lagen – wie bei vielen ländlichen Empfangsgebäuden üblich – die Wohnräume des Stationsvorstehers.
2014 wurde Schladern zum „NRW-Wanderbahnhof“ ernannt – ein Besuch am Wochenende zeigt, dass dieser Ehrentitel nicht unverdient ist. Eine Bäckereifiliale versorgt anstelle einer traditionellen Bahnhofsgastronomie die hungrigen und durstigen Touristen, die mit dem Zug anreisen.

Dank Berufspendlern an Wochentagen und Wander- bzw. Radlergruppen vor allem an Sonn- und Feiertagen weist der Bahnhof Schladern beachtliche Fahrgastzahlen auf.

Wichtig war der Schladerner Bahnhof ursprünglich allerdings nicht nur für den Personenverkehr, denn vor dem Siegeszug des Lastkraftwagens ab den 1950der/1960er Jahren spielte die Bahn auch in Schladern die entscheidende Rolle beim Transport von Agrar- und Industriegütern aus der Region. Die entsprechenden Gleise und Anlagen sind allerdings – ebenso wie der 1911 eingerichtete Gleisanschluss des an der Sieg gelegenen Unternehmens Kabelmetal – im Zeichen der Rationalisierung aller Funktionsbereiche der Deutschen (Bundes-)Bahn längst verschwunden.

Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025

Adresse:
Waldbröler Straße 3, 51570 Windeck-Schladern

Weitere Informationen:


Strack, Klaus: 150 Jahre Eisenbahn im Siegtal. Nümbrecht 2010


Eisenbahnclub Rhein-Sieg (Hg.): Eisenbahn im Siegtal. Bd. 1. Siegburg 1993


https://de.wikipedia.org/wiki/Siegstrecke