
In Hersel sind wesentliche Bauten der ehemaligen Germania Brauerei erhalten. Die Firma produzierte von 1864 bis 1990 und war einst eine der bedeutendsten Brauereien des südlichen Rheinlands. Nach der Stilllegung wurden die ehemaligen Produktionsgebäude in Wohnungen verwandelt. Das Ensemble ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein ehemaliges Industrieareal unprätentiös in eine neue Nutzung überführt werden kann – und dabei das bauliche Erbe erhalten bleibt.
Johann Theodor Claren gründete 1864 in Hersel die „Bairische Brauerei Johann Theodor Claren“, in der er das damals im Rheinland noch ungewöhnliche untergärige Bier braute. Zwei Dampfmaschinen und eine Eismaschine zur Kälteerzeugung brachten den Betrieb Ende des Jahrhunderts auf den neuesten technischen Stand. Die moderne Kühltechnik verbesserte sowohl den Gärprozess als auch die Lagermöglichkeiten. Ende des 19. Jahrhunderts konnte die Brauerei zudem auch Bier in Flaschen abfüllen und überregional verkaufen – statt wie zuvor nur in offenen Gefäßen oder Fässern. Die neue Technik hatte allerdings ihren Preis. 1899 wurde der Familienbetrieb in die „Germania Aktiengesellschaft“ mit einem Grundkapital von 250.000 Mark verwandelt.
In der Folgezeit wurde das Betriebsgelände weiter ausgedehnt, ein neues Sudhaus errichtet, Keller für Gärung und Lagerung, Schuppen und Ställe für die Fuhrwerke und Pferde geschaffen. Dort war Platz für bis zu 20 Zugtiere, was auf eine rege Auslieferung schließen lässt. Hinzu kamen Einrichtungen für Bierfiltrierung und für die Befüllung von Transportfässern. Auch die Elektrifizierung wurde vorangetrieben.

Die Zwischenkriegszeit wurde zu einer Expansionsphase: 1922 übernahm die Germania Brauerei die 1875 gegründete „Sieg-Rheinische Brauerei“ aus Wissen an der Sieg. 1923 kamen die „Brauerei Joseph Breuer Söhne“ aus Siegburg und 1926 „Kronenbrauerei Fusshöller & Co.“ aus Eitorf hinzu. Da die Produktion an den verschiedenen Standorten nicht profitabel war, wurde die Bierherstellung in Eitorf im Jahr 1926 und in Siegburg im Jahr 1931 eingestellt und stattdessen auf die Standorte Hersel und Wissen konzentriert.
In der Nachkriegszeit profitierte die Brauerei vom Wirtschaftsaufschwung und investierte abermals in neue Technik. Da der Flaschenbierabsatz zunahm, betraf die Modernisierung vor allem die Anlagen zur Befüllung, Reinigung und Etikettierung von Flaschen. Die Brauerei versorgte ein großes Absatzgebiet links- und rechtsrheinisch zwischen Bad Honnef und dem Bonner Raum im Süden bis nach Köln und Düsseldorf im Norden sowie im Bergischen Land, im Siegerland, an der Sieg und im Westerwald.
Zu Beginn der 1960er Jahre nahm die Brauerei erstmalig obergäriges Bier ins Sortiment auf. Es gab nun neben den bereits eingeführten Sorten auch Germania Kölsch und Germania Alt. Ende der 1960er Jahre arbeiteten an die 200 Beschäftigte in Hersel und Wissen. Ein Mehrheitsanteil des Aktienbesitzes ging 1969 an eine saarländische Brauerei in Neunkirchen. Nachdem vor allem im Saarland die Umsätze nachließen, folgte 1978 die Entscheidung, die Produktion in Wissen und in Neunkirchen einzustellen. Die Brauerei in Hersel florierte aber, sodass die Kapazität der Gär- und Lagertanks erheblich erweitert wurde. Produziert wurden in Hersel damals gut 200.000 Hektoliter – ähnlich wie zu den besten Zeiten Ende der 1960er Jahre. 500 Gaststätten der Region boten damals Germania Bier an.






Fotografische Dokumentation des Betriebsgeländes im Jahr der Schließung 1990. Stadtarchiv Bornheim, StAB 22T – Bildbestand Sepp Trümpener
Ende der 1980er Jahre sank allerdings allgemein die Nachfrage. Billigbiere machten alteingesessenen Brauereien mit Qualitätsanspruch das Leben schwer. Dem Brauerei-Großkonzern „Brau und Brunnen“ aus Dortmund gelang es 1989 überraschend, den verstreuten Aktienbesitz der Germania Brauerei aufzukaufen. Zunächst hieß es, dass die Standorte der frisch erworbenen rheinischen Brauereien in Hersel, Bonn und Mühlheim erhalten bleiben und mit einem neuen Konzept weitergeführt werden sollten.

Eine „Bestandsaufnahme“ in Hersel offenbarte nach Auffassung von „Brau und Brunnen“ vermeintlich große technische Mängel und einen Investitionsbedarf von zehn Millionen Mark. Zu der Modernisierung kam es nicht. Die Produktion der Germania Produkte wurde kurzerhand in die Kurfürsten-Brauerei nach Bonn verlegt, die der Dortmunder Konzern ebenfalls gekauft hatte. 1990 wurde die Bierherstellung in Hersel eingestellt und der Betrieb geschlossen.


Die Gebäude auf dem 9.400 Quadratmeter großen Industrieareal wurden nicht abgerissen, sondern an einen Investor veräußert. Dieser entwickelte zwar ambitionierte Pläne für die Nutzung, setzte diese jedoch nicht um. Es folgten Zwangsversteigerungen und Besitzerwechsel. Etwa zehn Jahre nach der Schließung wurden in den Gebäuden des Sudhauses und der Flaschenabfüllung der früheren Brauerei insgesamt 58 großzügige Eigentumswohnungen geschaffen und verkauft, deren Flächen zwischen 90 und 280 Quadratmetern liegen.

In einem weiteren Bauabschnitt konnten die ehemaligen Verwaltungsgebäude an der Herseler Landstraße in kleine Wohnungen von 30 bis 50 Quadratmetern verwandelt werden.
Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025
Adresse: Bayerstraße, Ecke Rheinstraße, Bornheim-Hersel
Weitere Informationen:
Großmann, Stefan: Sieg-Rheinische Germania Brauerei AG, Hersel bei Bonn, Hersel 2022
Großmann, Stefan: Sieg-Rheinische Germania Brauerei AG, Hersel/Wissen – Über 100 Jahre Braukunst. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2019, S. 102-122

