Kulturbetrieb Drehwerk, Wachtberg-Adendorf

Was mag ein Drehwerk in Adendorf sein? Natürlich eine Töpferscheibe! Aber zugleich könnten damit auch die rotierenden Filmspulen eines Projektors gemeint sein. Denn auf dem Gelände einer ehemaligen Adendorfer Töpferei ist heute ein Programmkino, eine Kleinkunstbühne und ein Restaurant zu finden.

Gegründet wurde die Töpferei von Peter Braun. Die Töpferfamilie Johan Peter Söndgen übernahm diesen Betrieb und führte ihn bis 2001. In den 1930er Jahren arbeiteten dort dreißig, 1959 zwölf und 1978 noch sechs Beschäftigte. 1959 wurden „Kunsthandwerkliches Steinzeug …, Blumenübertöpfe, Krüge jeder Art, Milchkannen, Vasen, Steinzeugtöpfe, Schüsseln usw“ hergestellt. Die Firma vermarktete ihre Waren zeitweise auch als Eifel-Keramik.

Die Töpferei, die zunächst vor allem graublaue Gebrauchskeramik herstellte, setzte ab Ende der 1970er – wie viele Adendorfer Tonwarenhersteller – stärker auf Zierkeramik. Eine Spezialität der Töpferei Söndgen waren kölschbraune Waren. Ein Katalog aus der Zeit um 1960 zeigt zum Beispiel Bodenvasen, Bowlengefäße, Likörkrüge und Likörbecher in kölschbraun. Man verkaufte in die gesamte Republik, aber vor Ort zum Beispiel an Niederländer, die auf einer Bustour den Drachenfels und den Töpferort Adendorf besuchten.

Eingang Drehwerk Adendorf – der ehemalige Werkstattbereich nach dem Umbau zum Kulturbetrieb.

In den Schaufenstern der ehemaligen Töpferei, die früher dazu dienten, den Töpferort-Besuchern die Ware zu präsentieren, findet man heute Filmplakate oder historische Filmvorführtechnik. Das kinobegeisterte Ehepaar Knorr übernahm 2003 das Ensemble und richtete sich im Erdgeschoss der ehemaligen Töpfereiräume zunächst eine Werbeagentur ein.

Historische Filmrollen im Schaufenster.

Nach der Renovierung des Wohnhauses an der Straße wurden die 2007 die rückwärtigen Fabrikationsräume der ehemaligen Töpferei so umgebaut, dass dort ein kleiner Kino- und Veranstaltungs-Saal und Gastronomie Platz fanden. Seit diesem Zeitpunkt ist das Drehwerk ein Treffpunkt für Kulturfreunde in Wachtberg.

Letztes Zeugnis der Tonwarenherstellung: Tonpresse vor dem Drehwerk.

Das Programmkino wurde mehrfach für sein Programm jenseits des Mainstreams ausgezeichnet. Und wer noch auf der Suche nach Töpfereitechnik ist, findet vor dem Wohnhaus eine ehemalige Tonpresse.

Text und Fotos: Detlef Stender

Adresse: Töpferstraße 17-19, Wachtberg-Adendorf

Weitere Informationen:

Euler, Margit: Adendorfer Steinzeug. Töpfereibetriebe und ihre Erzeugnisse: Gebrauchsgeschirr und Zierkeramik, Siegburg 2017, S. 112-121

Kulturbetrieb Drehwerk 17/19 – Website: https://drehwerk-1719.de/