
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte auch in Deutschland allmählich die Mechanisierung der Landwirtschaft ein. Immer mehr bäuerliche Tätigkeiten erforderten nun nicht länger den ermüdenden Einsatz menschlicher oder tierischer Kräfte, sondern konnten von jüngst entwickelten Maschinen übernommen werden. Damit entstanden Unternehmen, die speziell diesen neuen Markt bedienten.

Zu den bedeutenden Firmen der neuen Branche im Rheinland gehörte die „Joseph Meys & Comp. GmbH Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen“, gegründet 1881 von dem Hennefer Unternehmer Joseph Meys (1853-1922). Er war zuvor als Betriebsingenieur in der ersten von Carl Reuther, dem späteren Inhaber der Hennefer Chronos-Werke, gegründeten Maschinenbaufirma tätig gewesen.

Die Produktpalette des Unternehmens war von Beginn an vielfältig: Das Angebot an Mäh-, Dresch- und Häckselmaschinen sowie Rübenschneidern und Jauchepumpen wurde im Laufe der folgenden Jahrzehnte immer wieder erweitert, orientiert an den Bedürfnissen des Marktes. 1913 arbeiteten in den weitläufigen Fabrikhallen bereits über 200 Beschäftigte. Ein besonderer Schwerpunkt der Produktion waren seit 1925 Maschinen für die Milchwirtschaft, wie beispielsweise Separatoren (Zentrifugen) für die Entrahmung.

Anfang der 1950er Jahre gab man die Fertigung von Maschinen für den Agrarbereich auf. Stattdessen wurden Anlagen vor allem für die chemische Industrie produziert. 1976 wurde der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen komplett eingestellt, 1988 dann endgültig liquidiert.

Von der wirtschaftlichen Prosperität des Unternehmens und dem Selbstverständnis seines Gründers und Eigentümers zeugt die anspruchsvolle Backstein-Architektur der Fabrikanlage und der benachbarten Unternehmervilla mit Kutscherhaus von 1896. Der repräsentative Anspruch ist noch deutlicher ablesbar an dem massiven, von Zinnen- und Türmchen gekrönten Eckturm zur Bahnlinie hin, aber auch an einem Detail wie den Terracotta-Adlern, die über dem zweistöckigen Verwaltungsgebäude Wache halten.

Seit 1989 ist die ehemalige Industrieanlage im Besitz der Stadt Hennef. Nach einer denkmalgerechten Sanierung der Gebäude, welche die architektonischen Strukturen und Details schön herausarbeitet, sind hier das Stadtarchiv und die Stadtbibliothek, die städtische Feuer- und Rettungswache und ein Veranstaltungssaal untergebracht. Die Meys-Fabrik kann damit – ebenso wie die baulichen Relikte der ehemaligen Chronos-Werke nahe dem Bahnhof – als ein hervorragendes Zeugnis der ehemals blühenden Hennefer Maschinenbauindustrie gelten. Diese hatte einen wesentlichen Anteil daran, dass seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der beschaulichen Landgemeinde an der Sieg eine aufstrebende, industriell geprägte Kleinstadt wurde.

Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025
Adresse: Beethovenstraße 21, 53773 Hennef
Weitere Informationen:
Fischer, Helmut: Joseph Meys (1853-1922), der Gründer der „Joseph Meys & Comp. GmbH Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen“ und sein Werk. In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Hennef. Neue Folge 6. Hennef 2012, S. 85-126
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