Landmaschinenfabrik Meys, Hennef

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte auch in Deutschland allmählich die Mechanisierung der Landwirtschaft ein. Immer mehr bäuerliche Tätigkeiten erforderten nun nicht länger den ermüdenden Einsatz menschlicher oder tierischer Kräfte, sondern konnten von jüngst entwickelten Maschinen übernommen werden. Damit entstanden Unternehmen, die speziell diesen neuen Markt bedienten.

Das ehemalige Verwaltungsgebäude an der Theodor-Heuss-Straße, von Terracotta-Adlern bekrönt. Rechterhand schließt sich ein größerer Shedhallen-Komplex an, der heute von der Feuerwehr genutzt wird.

Zu den bedeutenden Firmen der neuen Branche im Rheinland gehörte die „Joseph Meys & Comp. GmbH Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen“, gegründet 1881 von dem Hennefer Unternehmer Joseph Meys (1853-1922). Er war zuvor als Betriebsingenieur in der ersten von Carl Reuther, dem späteren Inhaber der Hennefer Chronos-Werke, gegründeten Maschinenbaufirma tätig gewesen.

Die Ansicht der Fabrik von der Beethovenstraße aus stammt aus dem Jahr 1907; rechts im Bild die Unternehmervilla, links der Beginn des Shedhallenkomplexes. Die Schornsteine sind heute längst abgerissen. Foto: Stadtarchiv Hennef (ebenso Bild 1: Firmenbriefkopf aus den Jahren um 1900).

Die Produktpalette des Unternehmens war von Beginn an vielfältig: Das Angebot an Mäh-, Dresch- und Häckselmaschinen sowie Rübenschneidern und Jauchepumpen wurde im Laufe der folgenden Jahrzehnte immer wieder erweitert, orientiert an den Bedürfnissen des Marktes. 1913 arbeiteten in den weitläufigen Fabrikhallen bereits über 200 Beschäftigte. Ein besonderer Schwerpunkt der Produktion waren seit 1925 Maschinen für die Milchwirtschaft, wie beispielsweise Separatoren (Zentrifugen) für die Entrahmung.

Das stattliche, architektonisch partiell veränderte Fabrikgebäude an der Theodor-Heuss-Straße beherbergt nach dem Umbau heute unter anderem eine Einrichtung für betreutes Wohnen.

Anfang der 1950er Jahre gab man die Fertigung von Maschinen für den Agrarbereich auf. Stattdessen wurden Anlagen vor allem für die chemische Industrie produziert. 1976 wurde der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen komplett eingestellt, 1988 dann endgültig liquidiert.

Die Unternehmervilla ist im Gegensatz zu den ehemaligen Fabrikgebäuden heute in privater Hand.

Von der wirtschaftlichen Prosperität des Unternehmens und dem Selbstverständnis seines Gründers und Eigentümers zeugt die anspruchsvolle Backstein-Architektur der Fabrikanlage und der benachbarten Unternehmervilla mit Kutscherhaus von 1896. Der repräsentative Anspruch ist noch deutlicher ablesbar an dem massiven, von Zinnen- und Türmchen gekrönten Eckturm zur Bahnlinie hin, aber auch an einem Detail wie den Terracotta-Adlern, die über dem zweistöckigen Verwaltungsgebäude Wache halten.

Der massive „Burgturm“ dominiert die Ansicht der Fabrik im Südosten. Direkt neben dem Fabrikareal verläuft die Siegtalbahn von Köln über Troisdorf nach Siegen bzw. Gießen.

Seit 1989 ist die ehemalige Industrieanlage im Besitz der Stadt Hennef. Nach einer denkmalgerechten Sanierung der Gebäude, welche die architektonischen Strukturen und Details schön herausarbeitet, sind hier das Stadtarchiv und die Stadtbibliothek, die städtische Feuer- und Rettungswache und ein Veranstaltungssaal untergebracht. Die Meys-Fabrik kann damit – ebenso wie die baulichen Relikte der ehemaligen Chronos-Werke nahe dem Bahnhof – als ein hervorragendes Zeugnis der ehemals blühenden Hennefer Maschinenbauindustrie gelten. Diese hatte einen wesentlichen Anteil daran, dass seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der beschaulichen Landgemeinde an der Sieg eine aufstrebende, industriell geprägte Kleinstadt wurde.

Blick in den Eingangsbereich der städtischen Kulturinstitutionen im ehemaligen Shedhallenkomplex.

Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025

Adresse: Beethovenstraße 21, 53773 Hennef

Weitere Informationen:

Fischer, Helmut: Joseph Meys (1853-1922), der Gründer der „Joseph Meys & Comp. GmbH Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen“ und sein Werk. In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Hennef. Neue Folge 6. Hennef 2012, S. 85-126

https://landtechnik-historisch.de/historische-landmaschinen-von-a-bis-z