MUSIT. Museum für Stadt- und Industriegeschichte, Troisdorf

Im Rhein-Sieg-Kreis ist Troisdorf, verglichen mit anderen Kommunen, die Stadt des Gewerbes und der Industrie – das gilt nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die vergangenen zwei Jahrhunderte. Das „MUSIT. Museum für Stadt und Industriegeschichte“ präsentiert wichtige Facetten dieser vielfältigen Historie. Dabei geht es – so das Selbstverständnis des von der Stadt getragenen Hauses – um das komplexe Zusammenspiel von technischen, architektonischen, sozialen und strukturellen Aspekten der Entwicklung einer Industriestadt.

Das moderne Museumsgebäude liegt auf dem Gelände der ehemaligen Burg Wissem, direkt gegenüber dem Troisdorfer Kinderbuchmuseum in der alten Burg und umgeben von einem reizvollen Parkgelände – Industrie und Natur sind hier kein Widerspruch, sondern ergänzen einander.

Die beiden Unterseiten einer eisernen Balkonplatte, aus einem Musterbuch der Köln-Kalker Mannstaedt-Werke von 1909. Zwei Jahre später übernahm das renommierte Faconeisen-Walzwerk die Troisdorfer Friedrich-Wilhelms-Hütte.

Troisdorfs Geschichte kann als exemplarisch gelten für die schnelle und alle Lebensbereiche verändernde Entwicklung vieler agrarischer Landgemeinden zu industriell geprägten Kommunen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.  Diesen Prozess zeichnet die Dauerausstellung des MUSIT in fünf chronologisch aufeinander aufbauenden Themenbereichen nach: „Ackern um 1800“ beschreibt das Leben und das Wirtschaften auf dem Lande vor dem eigentlichen Beginn der Industrialisierung. Durchgreifende Veränderungen zeichneten sich – in Troisdorf wie andernorts – erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ab. Der lokale Fortschritt wird beispielhaft repräsentiert durch den Anschluss Troisdorfs an die Eisenbahn im Jahr 1861, der die Mobilität von Menschen und Gütern revolutionierte. Jetzt galt das Motto „Arbeiter gesucht“ für die neuen gewerblich-industriellen Großbetriebe wie etwa die bereits 1825 gegründete Eisenhütte an der Sieg. Sie war nach der Übernahme durch den Kölner Industriellen Johann Jakob Langen 1843 als Friedrich-Wilhelms-Hütte zumindest zeitweilig wirtschaftlich so erfolgreich, dass sie zahlreichen Arbeitern Lohn und Brot und einem ganzen Stadtteil den Namen gab.

Blick in die Ausstellung; in der linken Vitrine werden Objekte zur Geschichte der 1863 gegründeten Kaffeerösterei Schmitz-Mertens präsentiert, die noch heute in fünfter Generation im Familienbesitz ist.

„Häkelspitze und Pickelhaube“ – so der die Industrie ein wenig ausblendende Titel der nächsten Ausstellungsetappe – stehen für die rasante Entwicklung Troisdorfs zur Industriestadt im Kaiserreich bis zum Ersten Weltkrieg. Von besonderer Bedeutung war beispielsweise die Ansiedlung der 1885 gegründeten Rheinisch-Westfälischen-Sprengstoff-AG. Die Zwischenkriegszeit brachte nach einem ersten Aufschwung nicht nur Wirtschaftskrise und Inflation – „Gutschein über 50 Millionen“ –, sondern wenige Jahre später die nationalsozialistische Machtergreifung, Gleichschaltung, Kriegswirtschaft und Krieg. Das Kapitel „Wundertüte Troisdorf“ skizziert zum Abschluss die wirtschaftliche, aber auch die gesellschaftliche Entwicklung nach 1945 – beispielsweise wäre ohne die Arbeitsmigranten vor allem aus dem südlichen Europa der ökonomische Aufschwung im Land des „Wirtschaftswunders“ kaum möglich gewesen.

Die prachtvolle Tür aus Profilen der Troisdorfer Mannstaedt-Werke ist das optische Highlight im Eingangsbereich des Museums. Es handelte sich um eine vereinfachte Version des sogenannten „Haremstors“, das auf der Pariser Weltausstellung 1889 gezeigt worden war.

Eine besondere Rolle im Troisdorfer Wirtschaftsleben spielen bis heute Kunststoff und Plastik – seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden und werden hier immer wieder neue künstliche Materialien entwickelt und im industriellen Maßstab produziert. So hatte etwa die Rheinisch-Westfälische Kunststoff-AG hier bereits 1905 das Zelluloid erfunden. Auch dieser spezielle Aspekt der Troisdorfer Industriegeschichte – sozusagen ein überregionales Alleinstellungsmerkmal – wird in der Ausstellung ausführlich thematisiert.

So vielfältig kann Kunststoff sein…

Dank der überlegten Kombination von (leicht verständlichen) Texten, einer Fülle von historischen Fotos und ausgewählten Exponaten bietet das Museum einen hervorragenden Überblick über die Troisdorfer Stadt- und Industriegeschichte, aber auch vertiefende Informationen zu einzelnen Unternehmen, zu interessanten historischen Persönlichkeiten und zum gesellschaftlichen Wandel. Besonders hervorzuheben sind die Hörstationen, an denen fiktive Personen aus ihrem Leben und ihrer (Arbeits-)Welt erzählen – lebendiger lässt sich die (industrielle) Vergangenheit den großen wie den kleinen Museumsgästen kaum vermitteln.

Weitere Informationen in Text und Bild zur lokalen Industrie- und Sozialgeschichte bietet ein Spaziergang auf dem 4,5 Kilometer langen Troisdorfer „IndustriePfad“, der direkt am MUSIT endet.

Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025

Adresse: Burgallee 3, 53840 Troisdorf

Weitere Informationen:

Einen guten Überblick über die ständige Ausstellung und damit über die Geschichte der Stadt und ihrer Industrie bietet der YouTube-Beitrag des MUSIT:   https://www.youtube.com/watch?v=8IIMxDdSwVs

www.troisdorf.de/de/natur-kultur/musit/

Museum für Stadt- und Industriegeschichte Troisdorf (Hg.): Geschichte(n) einer Stadt, Troisdorf 2020 (Ausstellungskatalog)

https://www.industriestadtpark.de/industriepfad