Quarzsand- und Kiesabbau bei Alfter-Witterschlick

Die Kiesgruben bei Witterschlick, gelegen am Rand des dunklen Kottenforstes, überraschen weißem Sand und türkisblauem Wasser. Dort wird besonders reiner und heller Quarzsand abgebaut. Daher leuchtet das Wasser der Abbauseen wie an einem karibischen Strand. In der Nähe von Volmershoven liegt ein großer Baggersee der Quarzwerke Witterschlick, aus dem Sand und Kies geschöpft werden. Im Norden der 45 Hektar großen Fläche bietet ein Aussichtsturm einen guten Überblick über eine rekultivierte Wasserfläche des Baggersees.  Einen eindrucksvollen Anblick bietet auch die benachbarte, 62 Hektar große Kiesgrube Flerzheim, in der ebenfalls Quarzsand und Quarzkies gewonnen werden. Sie ist bereits während der aktiven Nutzung zum Naturschutzgebiet erklärt worden.  

Seit 1969 wurde zwischen Witterschlick und Buschhoven durch das Quarzwerk Witterschlick Quarzsand gewonnen. Abgebaut wird  das Material unter Wasser. Dadurch entsteht der türkisblaue Baggersee, der bis zu 40 Meter tief ist.

Der See des Quarzwerks Witterschlick 2013 mit den Abbau-Einrichtungen. Rechts die Anlagen zur Verarbeitung und Aufbereitungen der Kiese und des Sandes an der Schmalen Allee. Oben der bereits rekultivierte Bereich. Foto: ToLo46 via Wikimedia Commons, CC-BY-SA-4.0

Die Verarbeitung geschieht direkt vor Ort: Waschen, Trocknen, Sieben, Sortieren und Verpacken. Die Sande und Kiese werden für ganz unterschiedliche Zwecke regional verwandt: als Filterkies in der Trinkwasseraufbereitung, im Landschaftsbau, für Terrarien und Aquarien, als Zuschlagsstoff für Baumaterialien, als Untergrund für Sportplätze und auch als besonders sauberer Sand für Kinderspielplätze und Sandkisten.

Aufbereitungsanlagen der Quarzwerke Witterschlick an der Schmalen Allee.

Das ursprüngliche Quarzwerk Witterschlick ging 2003 in Konkurs; 2008 wurde es von der Quarzwerke-Gruppe in Frechen übernommen. Seit 2014 gibt es eine Genehmigung für die Ausweitung der Abbaufläche nach Süden, die mit Umweltschutzauflagen verbunden ist. Der Abbau ist bis zum Jahr 2063 gestattet. Diese Regelung stellt einen Kompromiss zwischen ökonomischen Interessen und Naturschutz dar. Dadurch kann auch in Zukunft Quarzsand und -Kiesin der Region ortsnah bereitgestellt werden, während der Abbau in anderen Gebieten – etwa in der Quarzsandgrube Brenig – bereits beendet wurde und die Förderung bei Flerzheim bald auslaufen wird.

Im Norden des großen Baggersees existiert bereits ein Bereich, in dem nicht mehr gebaggert und der von Quarzwerken naturfreundlich gestaltet wird. Ein Aussichtsturm gibt Einblick in einen Teil des Naturschutzbereiches und der Wasserflächen. Dort informieren die Quarzwerke über die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, die sie zur Kompensation der Eingriffe in die Natur realisieren : Aufforstungen, neue Wege und künstlich angelegte Laichgebiete für den Springfrosch sowie Rückzugsgebiete für die Wechselkröte, die sich in der Dünen- und Steinhaldenlandschaft des Kiesabbaus angesiedelt hat.

Aussichtsturm der Quarzwerke Witterschlick und winterlicher Blick vom Turm auf die Wasserfläche. Im Vordergrund sind Flachwasserzonen erkennbar.

Unweit der Quarzwerke liegt zwischen Buschhoven und Flerzheim eine weitere türkis leuchtende Abbaufläche für Sand und Kies. Schon in den 1970er Jahren existierten dort diverse kleinere Kiesgruben. Übrig blieb davon die große  Kiesgrube Flerzheim, in der das Kieswerk Rheinbach in einer inzwischen seenartigen Landschaft seit 1980 Quarzsand, Quarzkies und Betonkies gewinnt. Der Quarzsand wird als Untergrund für Spiel- oder Sportplätze verwandt, aber auch für die Herstellung von Platten oder Gehwegsteinen, der Betonkies für Fertigbauteile und Transportbeton. Das Kieswerk betreibt auf dem Gelände eine große Wasch- und Siebanlage sowie eine Brecher-Anlage für die Herstellung von Quarz-Splitt. Die Kieswerke bemühten sich ab 2003 vergeblich, die Grube um 23 Hektar nach Norden zu erweitern. Die Abbaufläche wäre damit bis auf 400-500 Meter an den Ortsrand von Buschhoven herangerückt. Der geplante Ausbau scheiterte 2016 schließlich vor Gericht und steht nicht mehr zur Debatte.

Einblick von Südwest in die Kiesgrube Flerzheim.

Bereits in den 1990er Jahren erregte die vom Kiesabbau geschaffene Landschaft auf Grund der besonderen Artenvielfalt das Interesse des Naturschutzes. Das weitläufige Gelände wird zwar weiter gewerblich genutzt, ist aber seit 1998 zugleich als Biotop und Naturschutzfläche ausgewiesen. Das Kieswerk bewirtschaftet es noch auf zehn von insgesamt 62 Hektar. Die durch den Kiesabbau entstehenden Wasserflächen und Absetzteiche sollen langfristig als „Seenlandschaft mit Röhrichtbeständen“ weiter existieren. Ziel der Naturschutzbemühungen ist es, auf Dauer ein „großflächig zusammenhängendes Feuchtgebiet“ zu bewahren.

In der Luftansicht der Kiesgrube Flerzheim (2018) sind die zahlreichen Wasserflächen, Erdbewegungen und Flachwasserbereiche gut zu erkennen. Foto: ToLo46, via Wikimedia Commons, CC-BY-SA-4.0.

Tatsächlich befördern solche strukturreichen Flächen die Artenvielfalt – gerade im Vergleich zur Monotonie der angrenzenden Agrarflächen. Das Naturschutzgebiet Kiesgrube Flerzheim dient bereits als Rastgebiet für Wasservögel und bietet seltenen Arten Schutz: Im Fokus stehen etwa Rebhuhn, Schwarzkehlchen, Feldlerche, Feldschwirl, Wechselkröte und die Eselsdistel und viele andere seltene und bedrohte Pflanzenarten. In den steilen Abbruchkanten nisteten bereits Uferschwalben – und sogar die seltenen Bienenfresser sind hier schon gesichtet worden. Der Betrieb ist bis zum Jahr 2029 genehmigt.

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adressen: Quarzwerke Witterschlick: Schmale Allee 40, 53347 Alfter-Witterschlick;
Info- und Aussichtsturm der Quarzwerke Witterschlick: Waldweg am Nordrand der Grube (nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar);  
Kiesgrube und Naturschutzgebiet Flerzheim: am besten vom Zaun am Nordrand der Grube einzusehen (nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar).

Weitere Informationen:

Berthold Heizmann / Dagmar Hänel / LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte: Aus Sand gebaut. Quarzsand – Ein rheinischer Rohstoff, Bonn 2011, https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Aus_Sand_gebaut._Quarzsand_-_Ein_rheinischer_Rohstoff.webm

Landesamt für Natur- und Umwelt- und Verbraucherschutz NRW: Naturschutzgebiet Kiesgrube Flerzheim, https://nsg.naturschutzinformationen.nrw.de/nsg/de/fachinfo/gebiete/gesamt/SU-064

Quarzwerke GmbH: Standort Witterschlick – Quarzwerke, Film 2024 auf YouTube, https://www.youtube.com/watch?v=M57UMu-Ca3M

Trenkle, Trenkle, Klaus: Steine und Erden. Rohstoffe aus Witterschlick. Gewinnung, Veredelung, Verarbeitung., Alfter-Witterschlick 2015, https://epflicht.ulb.uni-bonn.de/download/pdf/260753?originalFilename=true