Transformatoren-Turm, Niederkassel-Mondorf

Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es Dutzende von Transformatoren-Türmen, die teils noch in Betrieb sind, teils aber schon ihre angestammte Funktion verloren haben. Am Ortsrand von Mondorf steht ein authentisch erhaltener Trafoturm, der noch in Funktion ist. Ihn zeichnet aus, dass er von Ortsbewohnern dokumentiert worden und gut erhalten ist. Es gibt sogar einen Bastelbogen, mit dessen Hilfe man ihn nachbauen und zu Hause ins Regal stellen kann.

Transformatoren- oder kurz Trafotürme finden sich noch an vielen Stellen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Im ländlichen Raum fallen sie besonders in Auge – ganz besonders in der ebenen Köln-Bonner Bucht. Sie künden auch dort, wo es nur wenige bauliche Zeugnisse der Industrialisierung gibt, vom Beginn eines neuen Zeitalters.

Vielfalt der Transformatoren-Türme im Rhein-Sieg-Kreis: Türme in Troisdorf-Sieglar, Meckenheim, Meckenheim-Merl, Witterschlick, Niederkassel und Bonn-Duisdorf.

Mondorf wurde um 1905 an das Stromnetz angeschlossen. Die Elektrizität stammte vom Elektrizitätswerk Berggeist in Brühl, das Strom aus Braunkohle erzeugte und das rechtsrheinische Gebiet über Kabel versorgte, die unter dem Rhein hindurch verlegt wurden. Die gesamte Region erhielt in den Jahren nach 1900 Zugang zur Stromversorgung. Die meisten Trafotürme stammen aber aus einer späteren Zeit.

Der schlichte Mondorfer Turm steht mitsamt den elektrischen Freileitungen noch offen und unverbaut am Ortsrand und vermittelt einen guten Eindruck, wie zahlreiche Trafotürme früher ausgesehen haben. Der Transformator in dem gut neun Meter hohen Bau wandelt den Hochspannungsstrom, der in Mondorf mit 110 Kilovolt vom Elektrizitätswerk in Ranzel angeliefert wird, in eine Spannung von 400 Volt um, damit er an circa 120 Haushalte per Niederspannungsleitung weitergeleitet werden kann.

Der Bastelbogen des Trafoturms in Mondorf mit 42 Einzelteilen wurde von den „Mondorfer Kallboys“, einem Kegelclub, ertüftelt. Der Name nimmt Bezug auf die „Kalle“, die Rinne neben der Kegelbahn, in der die Kegelkugel möglichst nicht landen sollte. Die Kallboys beschäftigen sich aber nicht nur mit rollenden Kugeln und deren Abwegen, sondern haben auf ihrer Website etliche Modellbaubögen und Informationen mit Bezug zur Regionalgeschichte ins Netz gestellt.  Dort kann man alles über die Geschichte der Elektrifizierung in Mondorf nachlesen. Unter anderem wird dieser Trafoturm vorgestellt, der 1957 erbaut wurde und seitdem keinerlei Verschlimmbesserungen durch Modernisierungsmaßnahmen erfahren hat.

Original und Bastelbogen-Modell des Mondorfer Transformatoren-Turms. Foto des Modells: Holger Moskopp.

Die Trafotürme verteilen den Strom über die Freileitungen von Mast zu Mast und von Abnehmer zu Abnehmer. Das Prinzip dieser „Reihenschaltung“ hat allerdings den Nachteil, dass es bei Leitungsschäden zu Versorgungsausfällen für viele Abnehmer kommen kann. Daher wird die Stromversorgung zunehmend unterirdisch geführt. Die Transformatoren-Türme mit Freileitungen verlieren an Bedeutung und werden durch unscheinbare, kaum brusthohe Transformatorenkästen ersetzt.

Besonders gelungen ist die Umwandlung der Trafotürme in Swisttal-Ludendorf und in Alfter-Gielsdorf. Sie erhielten eine neue Funktion als Artenschutzturm – unter Beibehaltung des ursprüngliches Erscheinungsbildes.

Glücklicherweise bleiben aber die meisten Transformatoren-Türme als Landmarke und Zeugnis der Industriekultur erhalten – und werden oft neuen Zwecken zugeführt. Einige dienen inzwischen als „Artenschutz-Turm“. Naturschutzorganisationen erwerben die Türme und rüsten sie mit Nistmöglichkeiten aus. Fledermäuse, Schwalben, Mauersegler, Schleiereulen oder Turmfalken profitieren besonders von den künstlich geschaffen Brutplätzen an und in den Trafotürmen.

Die „Turmstation Kundigunde“ in Bonn-Mehlem ist einer der wenigen ehemaligen Trafotürme, die bewohnt sind.

Eine Besonderheit ist ein Trafoturm in Mehlem, der zu Wohnzwecken umgebaut wurde. Dies war möglich, weil es dort schon zu Betriebszeiten einen Anbau gab, der für zusätzliche Nutzfläche sorgt. In den üblichen Türmen mit ihren etwa neun Quadratmetern Grundfläche ließe sich nur schwerlich wohnen.

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adresse: Mondorfer Trafoturm – Hafenstraße, gegenüber Hausnummer 17;  Turmstation Kunigunde – Kunigundenstr. 42, Bonn-Mehlem

Weitere Informationen:

Mondorfer Kallboys: Bastelbogen – Transformatorenhäuschen Hafenstraße, https://www.kallboys.de/mondorfer-geschichten/181-mondorfs-trafohaeuschen-wie-der-strom-nach-mondorf-kam

Turmstation Kunigunde – Website, https://turmstation-kunigunde.de/ueber-kunigunde/

Turmtransformation, Website, Daten und Karte Trafotürmen in Deutschland, https://www.turmtransformation.de/