Kulturzentrum „kabelmetal“, Windeck-Schladern

Das Schlagwort Globalisierung war noch vollkommen unbekannt, als in der kleinen Gemeinde Schladern an der Sieg, in der tiefsten rheinpreußischen Provinz, ein englisches Unternehmen begann, Kupferrohre für den internationalen Markt zu produzieren. Die lokalen Standortfaktoren waren günstig: Die Wasserkraft des Flusses ließ sich für die Energiegewinnung nutzen, und seit Anfang der 1860er Jahre verband die Siegtaleisenbahn die Rheinschiene mit dem benachbarten Siegerland.

Ein Unternehmen, fast größer als das nahe Dorf: Die undatierte historische Ansichtskarte, die den Blick weit ins Bergische Land hinein lenkt, verdeutlicht die Dimensionen der ehemaligen Fabrikanlage. Im Mittelpunkt des Fotos ist der Bahnhof Schladern zu erkennen, rechts die Eisenbahnbrücke über die Sieg. Ansichtskarte. Sammlung Markus Krause.


Im Oktober 1891 gründete das englische Unternehmen „Elmore`s Patent Copper Depositing Company“ die deutsche Tochtergesellschaft „Elmore`s Metall-Actien-Gesellschaft“. Sitz der Firma war Köln. Für die Fertigungsanlagen war kurz zuvor ein größeres Areal am Sieg-Wasserfall in Schladern erworben worden. Strom für den Antrieb der Maschinen stand von vornherein ausreichend zur Verfügung, da der Vorbesitzer des Areals für eine letztlich nicht in Betrieb gegangene Papierfabrik bereits eine leistungsfähige Turbinenanlage installiert hatte, die über eine mehr als 80 Meter lange Rohrleitung das an dieser Stelle besonders starke Gefälle des Flusses nutzte.

Luftbild des Werkes; im Vordergrund die „dreischiffige“ Versandhalle, darüber der Siegwasserfall. Die Brücke über den Fluss verband die beiden Werksteile, die heute unterschiedlich gewerblich genutzt werden. Foto: Wolkenkratzer, 2013, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Das neue Unternehmen verfügte über eine breite Produktpalette. Schwerpunkt des Angebotes waren vor allem nahtlose Kupferrohre in unterschiedlichen Dimensionen, mit Durchmessern von zwei bis zu 2.500 Millimetern. Auf den seinerzeit beliebten Weltausstellungen – wie denjenigen in Antwerpen 1894 und Paris 1900 – fanden sie internationale Anerkennung. Daneben spielten auch die Verkupferung von unterschiedlichsten metallischen Werkstücken wie zum Beispiel Eisenröhren oder Pumpenkolben sowie die Herstellung von Druckwalzen für die Textilindustrie eine wichtige Rolle.

Die architektonisch durch Lisenen und Rundbogenfenster klar gegliederte Rückfront der Versandhalle aus dem Jahr 1909 spiegelt noch den ursprünglichen Zustand wider; neben den Gebäuden im Hintergrund führt die 1910 errichtete Brücke zum ehemaligen Werksbereich am linken Ufer der Sieg.

Entscheidend für das Wachstum des Unternehmens waren die positiven Produktionsbedingungen. Die Turbinen des werkseigenen Wasserkraftwerks versorgten den Betrieb mit Strom. Dass derBahnhof Schladern nicht weit entfernt lag, erleichterte den Transport der Rohmaterialien und den Versand der fertigen Produkte; ab 1911 verfügten die Fabrikanlagen sogar über einen eigenen Gleisanschluss an die Siegtalbahn.

Im Ersten Weltkrieg diente die Versandhalle des Unternehmens als Reservelazarett. Ansichtskarte, Ansichtskarte. Sammlung Markus Krause.

In den Jahren des Ersten und des Zweiten Weltkriegs wurde das Unternehmen als ausländisches Eigentum unter staatliche Verwaltung gestellt. 1969 endete die „englische“ Epoche des Werkes: Es wurde von dem deutschen Konkurrenten „Kabel- und Metallwerke Gutehoffnungshütte AG“ aus Hannover – kurz „kabelmetal“ – übernommen. Gegen Ende der 1980er Jahre waren immerhin noch über 300 Personen in Schladern beschäftigt. Doch bereits wenige Jahre später kam das Ende für den Standort, 1995 wurde die Produktion eingestellt.

Das repräsentative Verwaltungsgebäude des Unternehmens auf dem linken Ufer der Sieg stammt von 1892.

Heute sind große Teile der historischen Werksanlagen beiderseits der Sieg an Gewerbebetriebe vermietet. Die 1909 errichtete Versandhalle fand mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW eine neue öffentliche Nutzung als Bürger- und Kulturzentrum „kabelmetal“. Vielfältige touristische Informationen bietet direkt nebenan der Neubau des „Besucherzentrums der Naturregion Sieg“.
Touristisch attraktiv ist auch der Siegwasserfall am Rande des Werksareals. Er war eine direkte Folge des Baus der Siegtalbahn, als nämlich eine weite Schleife des Flusses durch einen kurzen, geradlinigen Durchschnitt des Geländes komplett abgebunden worden war – damit war die notwendige Fallhöhe von mehreren Metern für den Betrieb der werkseigenen Turbinen entstanden.

Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025

Adresse: Schönecker Weg 5, 51570 Windeck

Weitere Informationen:

Patt, Heinz: Das Elmore`s Werk in Schladern – Aus der Geschichte des Unternehmens 1893-1950. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 1998, S.135ff.

https://de.wikipedia.org/wiki/Elmore%E2%80%99s_Werk_(Schladern)

https://www.kabelmetal.net/index.php/about-us/geschichte

https://www.windeck-im-wandel.de/infothek/schladern/kabelmetal-von-der-kupferrohrfabrik-zur-kulturstaette

https://www.windeck-im-wandel.de/karte