
Im Norden Troisdorfs sind zwei imposante Villen erhalten, die kurz vor dem Ersten Weltkrieg für die Gebrüder Karl und Ludwig Mannstaedt gebaut worden waren. Die Bauherren waren seit 1912 die geschäftsführenden Vorstände der Eisenhütte und des Walzwerkes bei Troisdorf – und die Söhne des Werksgründers Louis Mannstaedt.
Vater Louis Mannstaedt hatte sich als ausgesprochener Spezialist für Walzwerktechnik profiliert. 1864-66 war er unter anderem in der Friedrichs-Wilhelm-Hütte bei Troisdorf tätig. Als die Maschinenbau-Anstalt Humbolt 1872 in Köln-Kalk ein Walzwerk gründete, wurde Mannstaedt als Werksleiter engagiert. Mannnstaedt übernahm 1884 das Werk in Köln als Eigentümer. Die Firma entwickelte eine umfangreiche Produktpallette von Spezialprofilen und war damit ausgesprochen erfolgreich. Ab 1907 zog sich Louis Mannstaedt aus der Führung des Werkes langsam zurück und beteiligte seine Söhne an der Betriebsleitung. Das Unternehmen war so erfolgreich, dass in Kalk bald nicht mehr genügend Platz für die erforderliche Expansion war.
1911 fusionierten die Kölner Mannstaedt-Werke mit der Sieg-Rheinischen Hütten-AG in Troisdorf und verlegten das gesamte Walzwerk von Kalk nach Agger. Die dortigen Betriebsanlagen wurden erweitert und modernisiert. 1912 übergab der damals bereits 73 Jahre alte Louis Mannstaedt die Firmenleitung an seine beiden Söhne Ludwig und Carl, die damals 32 und 45 Jahre alt waren. Der Vater verstarb bereits im folgenden Jahr.

Die Mannstaedts wollten offenbar nicht mehr – wie noch Emil Langen Mitte des 19. Jahrhundert in der Villa Langen – direkt an der Hütte wohnen, sondern erwarben in deutlicher Distanz zum Werk, im grünen Norden Troisdorfs, unterhalb des Ravensbergs ein größeres Waldstück, dass in einen Park umgestaltet wurde. Dort wurden 1911/12 drei repräsentative Villen errichtet, zwei für die Söhne und eine kleinere für den Vater. Die Villen lagen in einem großen Park, in dem es sogar einen Badeteich und Badehäuschen mit einem säulengestützten Vorbau gab.

Die rotgedeckte Villa auf der linken Seite (Hausnummer 12) gehörte dem kaufmännischen Vorstand Ludwig Mannstaedt (1880-1949). Architekt war Karl Doflein, der sich mit Kirchen- und Villenbauten, aber auch öffentlichen Bauten einen Namen gemacht hatte.


Die Villa auf der rechten Seite (Hausnummer 25) wurde von Carl Mannstaedt (1867-1942), dem technischen Vorstand, bewohnt. Architekt war hier Camillo Friedrich, Gesellschafter des Kölner Architekturbüros „Ziesel & Friedrich“, das auf den Wohnungs- und Villenbau spezialisiert war.


Historische Außen- und Innenansicht der Villa Louis Mannstaedt, Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA), 530-3-25-01, 530-3-25-16
Für den Vater wurde eine dritte, kleinere Villa nach Plänen von D. & K. Schulze aus Dortmund erbaut, die auch die Rote Kolonie und Bauten für die Beamten-Siedlung entworfen hatten. Diese Villa ist nicht mehr in der ursprünglichen Form erhalten.
Alle drei Villen setzten sich mit ihrem reduzierten Dekor deutlich von den überladenen, historistischen Villen ab, die um die Jahrhundertwende andernorts gebaut wurden. Die Architektur verbindet auf moderne Weise Schlichtheit mit traditionellen Bauformen und ist typisch für die Reformarchitektur jener Zeit. Zwischen den Arbeiterkolonien, der Beamtensiedlung und den Unternehmervillen des Mannstaedt-Imperiums bestehen daher stilistische Parallelen, wenngleich die Gebäude in der Dimensionierung natürlich gravierende Unterschiede aufweisen.
Die Familie Mannstaedt begann 1931 Teile des Areals als Baugrundstücke zu verkaufen. Damit verwandelte sich der weitläufige Mannstaedt-Park allmählich in ein gehobenes Wohnviertel.

An der Parkstraße 5 lassen sich noch ein Fragment des ehemaligen Eingangstores sowie das ehemalige Pförtnerhaus entdecken. Die frühere Ausdehnung des Mannstaedt-Parks – von der Einfahrt bis hin zu den höher gelegenen Villen – ist dadurch noch gut nachvollziehbar.
Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025
Adressen: Parkstraße 12 und 25, Troisdorf
Weitere Informationen:
Dederichs, Matthias: 1911 – vor 80 Jahren kam Louis Mannstaedt nach Troisdorf. In: Troisdorfer Jahreshefte 1991, S. 30-42
Museum für Stadt- und Industriegeschichte Troisdorf (Hg.): Stahl mit Profil. 200 Jahre Mannstaedt, Troisdorf 2025
Schmitz, Johannes: Audiowalk- Mannstaedt-Villen / Durch die Troisdorfer Innenstadt,
https://de.guidemate.com/station/Mannstaedt-Villen-530dc729e4b0c331efbb2d9c?selectedGuideLocale=de-DE

