Bahnhof Hennef

Die Stadt Hennef, die aus etwa hundert einzelnen Ortschaften und Weilern besteht, kann auf eine lange und interessante Industriegeschichte zurückblicken. Entscheidender Faktor für die Entwicklung des lokalen Gewerbes und der Industrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Bau der Siegtalbahn – sie machte die Bevölkerung mobil und erleichterte den örtlichen Betrieben den Empfang und den Versand von Rohstoffen und Gütern aller Art.

Die neue Bahnlinie führte von (Köln-)Deutz über Troisdorf und Siegburg ostwärts nach Gießen beziehungsweise ab Betzdorf alternativ nach Siegen. Die Siegtalbahn sollte in erster Linie das Ruhrgebiet mit seinen ergiebigen Kohlegruben mit dem Siegerland verbinden, das über reiche Erzvorkommen und ein florierendes Eisengewerbe verfügte. Bau und Betrieb der Bahn übernahm bis zum Übergang an den preußischen Staat im Jahr 1880 die private Cöln-Mindener Eisenbahngesellschaft.

Ansicht und Grundrisse des 1860 eröffneten zweistöckigen Empfangsgebäudes. Repro: Stadtarchiv Hennef.

Anfang 1859 fuhr der erste Zug von Deutz nach Hennef; 1861 war die gesamte Strecke bis Siegen in Betrieb. Das zweistöckige, spätklassizistisch anmutende Bahnhofsgebäude war seit 1860 das repräsentative Eingangstor zur Stadt. Der Zugang lag in dem übergiebelten Mittelrisalit des äußerlich streng symmetrischen Baus. Die wenigen wohlhabenderen Reisenden der 1. beziehungsweise 2. Klasse genossen die Vorteile eines komfortablen Wartesaales; für die Menge der weniger betuchten Fahrgäste der seinerzeit noch üblichen 3. beziehungsweise 4. Klasse stand ein zwar etwas größerer, dafür aber bescheidenerer Warteraum zur Verfügung. Im Erdgeschoss fanden sich auch die „Billet-Ausgabe“ und die „Gepäck-Expedition“. Im Obergeschoss lag die Wohnung des „Bahnhofs-Inspektors“ (und ggf. seiner Familie).

Ein stolzer Beamter der Königlich-Preußischen-Eisenbahn: Bahnhofsvorsteher Johann Strawe 1902 bei seiner Arbeit am Stellwerk. Foto: Stadtarchiv Hennef.

Um 1900 machten der wirtschaftlich-industrielle Aufschwung der Stadt und der damit zunehmende Verkehr eine großzügige Neukonzeption des Bahnhofs notwendig. Das Empfangsgebäudes erhielt einen repräsentativen Anbau nach Osten – mit einer zweistöckigen Rundbogenverglasung an der Frontseite – sowie eine bescheidenere funktionale Erweiterung im Westen für den Güterverkehr. (Hier ist in einem Nebenraum eine original erhaltene automatische Waage der ehemaligen Hennefer Chronos-Werke ausgestellt, deren Produkte die Stadt einst zumindest in der Welt des industriellen Wägens und Wiegens bekannt gemacht haben.)

Nach Aufgabe des Bahnhofsbetriebes und einer grundlegenden Sanierung werden die stark veränderten Räume im Erdgeschoss heute als Gasthaus genutzt. Im Sommer erwartet eine Außengastronomie die Reisenden und das heimische Publikum.

Die einst umfangreichen Abfertigungsanlagen für den Güterverkehr – wie Laderampen, Lagerschuppen oder Rangiergleise – waren bis zum Siegeszug des Lastwagens von den prosperierenden Hennefer Gewerbe- und Industriebetrieben – etwa den großen Maschinenbaufabriken Steimel, Meys oder Chronos – rege frequentiert worden. Im Zuge des Ausbaus und der Modernisierung der Bahnstrecke für den S-Bahn-Betrieb wurden die Güteranlagen Ende der 1980er Jahre beseitigt. Heute sind Güterzüge auf der Siegtalbahn ein seltenes Ereignis.

Die Gleisseite des Empfangsgebäudes mit dem seit der Modernisierung der Strecke nicht mehr genutzten Hausbahnsteig.

Ab 1862 genoss Hennef die Vorteile eines – wenn auch bescheidenen – kleinstädtischen Bahnknotens: Die schmalspurige Bröltalbahn nahm den Betrieb zwischen Hennef und Ruppichteroth im Bergischen Land auf, und zwar zunächst als Pferdeeisenbahn, wenig später mit Dampflokomotiven. 1870 wurde die Strecke bis Waldbröl weitergeführt. Später kamen die Verbindungen von Hennef nach (Bonn-)Beuel und nach Asbach im Westerwald hinzu. Die Bröltalbahn gilt als erste Schmalspurbahn des öffentlichen Verkehrs in Deutschland. An die ehemaligen Betriebsanlagen auf dem Bahnhofsvorplatz erinnern heute ein etwas verloren wirkendes Schienenstück und eine Gedenktafel.

Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025

Adresse: Bahnhofstraße 13, 53773 Hennef

Weitere Informationen:

Strack, Klaus: 150 Jahre Eisenbahn im Siegtal. Nümbrecht 2010

Eisenbahnclub Rhein-Sieg (Hg.): Eisenbahn im Siegtal. Bd. 1. Siegburg 1993