
Am Haltepunkt Sechtem zwischen Bonn und Köln sind zwei Bauwerke aus der Frühgeschichte der Strecke erhalten. Das Stationsgebäude und der Güterschuppen wurden 1848/49 erbaut. Die Güterhalle ist gut erhalten, das Empfangsgebäude hingegen durch Umbauten verunstaltet.
Als in den frühen 1840er Jahren die Bahnstrecke Köln-Bonn geplant wurde, waren die Anrainer von der Vision des neuen Verkehrsmittels nicht begeistert. Sechtemer Bürger mutmaßten, dass die Eisenbahn nur dem „reichen Stande“ vorbehalten bleibe und konnten sich nicht vorstellen, dass der arme „Landmann vom Vorgebirge“ sich eine Bahnfahrt überhaupt leisten könne. Auch der Sechtemer Bürgermeister wollte die Bahn nicht in der Nähe des Dorfes haben. Er befürchtete, dass der Funkenflug die Strohdächer entzünden könnte und dass vorbeidonnernde Züge den Einsturz von Fachwerkhäusern verursachen könnten. Den Bedenken aus Sechtem wurde Rechnung getragen und die Bahnstrecke verlief ab 1844 etwas abseits des historischen Dorfkerns.

Der Güterschuppen Sechtem auf der östlichen Seite der Gleise gilt in der Fachliteratur als das älteste noch erhaltene Gütergebäude im Rheinland und als ältester Bahnhochbau an der Bahnlinie Köln-Bonn, die 1844 eröffnet wurde. Die Güterhalle wurde 1848/49 erbaut und erhielt nach Norden später eine kleine Erweiterung im ursprünglichen Stil. Der Anbau ist durch hellere Ziegel gut von dem Ursprungsbau zu unterscheiden. Bis in die 1960er Jahre wurde das Gebäude als Güterschuppen genutzt, später noch als Lagerhalle, verfiel dann aber zusehends. Nach Ankauf durch die Stadt, die das Areal erworben hatte, um die Unterführung und einen Park and Ride-Parkplatz zu realisieren, stand zunächst der Abriss zur Debatte, der allerdings durch einen Einspruch des LVR-Amtes für Denkmalpflege verhindert wurde. 2002 ging das Gebäude dann in den Besitz des Eisenbahn-Amateur-Clubs Bonn/ Sechtem über. Seit 2008 ist es ein eingetragenes Denkmal. Der Eisenbahn-Modellbauverein hat es inzwischen liebevoll renoviert und hier inzwischen sein Domizil gefunden.
Der eigentliche Güterbahnhof befand sich früher in der Nähe der Rheinischen Konservenfabrik Seidel nördlich des Güterschuppens. Dort gab es vor dem Ersten Weltkrieg eine 400 Meter lange Laderampe. Sie erlaubte das unkomplizierte Verladen der Erzeugnisse der Region von Fuhrwerken in die Güterwagen und wurde stark frequentiert. Es fuhren damals Eilzüge mit Gemüselieferungen von Roisdorf direkt ins Ruhrgebiet. Die Güterverladung Sechtem verlor mit der Einrichtung der Gemüse- und Obstversteigerunghalle in Roisdorf in den 1920er Jahren an Bedeutung. Der Betrieb des Güterbahnhofs wurde 1992 ganz eingestellt und das Ladegleis aufgeben.

Zur Kategorie Verunstaltung durch Modernisierung zählt das Stationsgebäude Sechtem, das seine ursprüngliche Anmutung verloren hat. Es wurde bereits 1849 in einer Einwohnerliste erwähnt und ist damit ebenso wie die Güterhalle zu den ältesten Bahngebäuden an der Strecke zu zählen.


Wer genau hinschaut, kann bis heute den H-förmigen Grundriss des klassizistischen Empfangsgebäudes erkennen. Die ursprüngliche Architektur ist noch auf Fotos vom Ende der 1950er Jahre nachvollziehbar. An- und Umbauten haben danach das charakteristische Aussehen und den symmetrischen Grundriss verändert. Die umlaufenden Friese, die die Stockwerke gliederten, und sämtliche Zierelemente sind beseitigt. Schlecht gegliederte und asymmetrische Fenster und Anbauten vervollständigen das Bild einer misslungenen Modernisierung.

Die inzwischen abgerissenen Gebäude der Rheinischen Konservenfabrik Seidel, Aufnahme 2025.
Vom Bahnsteig aus war über Jahrzehnte das Firmengelände der ehemaligen Rheinischen Konservenfabrik Seidel zu sehen. Die Firma mit Wurzeln in Köln wurde 1925 in Sechtem angesiedelt. Die Backsteinfassaden des Verwaltungsgebäudes und der Produktionshallen zur Bahn hin repräsentierten die typische Industrie-Architektur jener Zeit. Die Lage mitten im Gemüse- und Obstbaugebiet, direkt am Bahnhof und in der Nähe der städtischen Zentren an Rhein und Ruhr war günstig. Verarbeitet wurden vor allem Stangenbohnen, aber auch Gurken, Zwiebeln, Erdbeeren und andere Früchte der Region, die zunächst in Fässern und Konserven, ab den 1960er Jahren aber vor allem in Gläsern ausgeliefert wurden.

Die Firma beschäftigte in den 1960er und 1970er Jahren 150-180 Mitarbeitende. 2025 wurde die Produktion in Sechtem eingestellt, weil die Nachfrage nach Gemüse- und Obstkonserven deutlich nachließ und der Druck der Großabnehmer stieg, Niedrigstpreise zu gewähren. 2026 erfolgte der Abriss der Produktionsgebäude.
Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025
Adresse: Güterhalle: Keldenicher Straße, Bornheim-Sechtem; Empfangsgebäude: Bahnhofsstraße, Bornheim-Sechtem,
Weitere Informationen
Eisenbahn-Amateur-Club Bonn/Sechtem – Website, https://www.ebac-bonn.de/
Kuhl, Lutz: Eisenbahn-Archäologie im Rheinland – Nur ein alter Schuppen. In: MIBA – Miniaturbahnen 8/2001, S. 64/65
Schmoeckel, Reinhard / Kemp, Klaus: Hundertfünfzig Jahre Eisenbahn in Bonn. Bonn 1994
Vorzepf, Heinz: Sechtemer Dorfchronik,
Band 3. o.O. 2008, S. 208-225;
Band 5. Bornheim 2016, S. 130-138

