Bahnhof und Stellwerkmuseum, Alfter-Witterschlick

In Witterschlick steht der „jüngste“ der historischen Bahnhöfe an der Bahnlinie Euskirchen-Bonn. Er wurde erst 1903, also 23 Jahre nach der Eröffnung der Strecke 1880 eingerichtet. Grund für den verspäteten Bahnhofsanschluss waren die wertvollen Tonvorkommen in der Nähe, die ab den 1880er Jahre ausgebeutet wurden. Der Bahnhof ist samt Stellwerk und Güterschuppen erfreulich gut erhalten. Die historische Technik zur Steuerung der Weichen und Signale kann inzwischen als „Stellwerksmuseum Witterschlick“ zu besonderen Anlässen besichtigt werden.

Just im Jahr 1880, als die Strecke zwischen Euskirchen und Bonn eröffnet wurde, die Züge aber Witterschlick ohne Halt passierten, wurden dort wertvolle Blautonvorkommen entdeckt. Sowohl die diversen Tongruben als auch die Tonwerke Witterschlick hatten reges Interesse an einem Bahnanschluss. Es sollen damals pro Jahr ca. 6.000 Wagenladungen mit Ton angefallen sein, die zuvor mühsam zum den Bahnhof Kottenforst gekarrt werden mussten.

Bahnhof Witterschlick mit Stellwerk und Güterschuppen.

Verschiedene Bittgesuche aus Witterschlick und von einem eigens gegründeten Eisenbahn-Komitee stießen schließlich auf offene Ohren. Um 1900 begann die zuständige Eisenbahndirektion mit der Planung eines eigenen Bahnhofs mit Güterabfertigung in Witterschlick, der schließlich 1903 Realität wurde. Die Hanglage, die Steigungsverhältnisse und der Geländeuntergrund waren allerdings nicht einfach zu meistern. Es musste sogar ein Bach verlegt werden, was durch die Tonwerke finanziert wurde. Es kam später immer wieder zu Bewegungen im tonhaltigen Untergrund, was in den 1920er Jahren den Bau einer Stützmauer gegenüber dem Bahnhofsgebäude erforderlich machte. 1950 machte ein Hangrutsch eines der beiden Gleise auf Dauer unpassierbar. Der schwierige Grund hat dazu geführt, dass der Streckenabschnitt zwischen Witterschlick und Meckenheim bis heute nur eingleisig ausgebaut ist.

Das hell geputzte Empfangsgebäude präsentiert sich deutlich moderner als die älteren Bahnhöfe in Rheinbach oder Meckenheim. Der Industrieort bekam einen ansehnlichen Bau mit hohem Walmdach, Segmentbogenfenstern, geschickt eingesetztem Klinkersteindekor und gut gegliederten Proportionen. 1910 kam für das Stellwerk ein kleiner Vorbau am Stationsgebäude hinzu. Güterschuppen und Stellwerk entstanden ursprünglich in Fachwerkbauweise mit Klinkerausfachungen, die erst später überputzt wurden. An den Güterschuppen wurde eine kleine „Lampisten-Bude“ angebaut, in der die feuergefährlichen Brennstoffe für Signallaternen aufbewahrt und von den Bahnarbeitern kleinere Reparaturen durchgeführt wurden.

Seiten- und Rückansicht des liebevoll renovierten Bahnhofsensembles.

Das Stationsgebäude und der Güterschuppen, seit 2001 eingetragenes Denkmal, sind so fachkundig erhalten, weil sie 2004 in das Eigentum des damaligen Fahrdienstleiters des Bahnhofs Witterschlick, Albert Söhngen, übergingen. Der Güterschuppen bekam eine neue Funktion  als Veranstaltungsort und Trauzimmer. Das Stellwerk in Witterschlick ging 2011 außer Betrieb –  die Steuerung der Weichen und Signale erfolgte ab diesem Zeitpunkt über eine elektronische Steuerung aus Euskirchen.

Der ehemalige Fahrdienstleiter erläutert im Stellwerksmuseum seine frühere Tätigkeit.

Im Gegensatz zu anderen Bahnhöfen an der Strecke blieb aber die Technik zur Steuerung der Weichen, Signale und Schranken in Witterschlick erhalten – sie wird seit 2013 als Stellwerksmuseum zu besonderen Anlässen „in Funktion“ präsentiert. Denn im Betriebsraum ist neben der historischen Technik eine Modellbahnanlage entstanden, die die Situation rund um den Bahnhof Witterschlick simuliert. Mit den großen Hebeln werden jetzt die Signale und Weichen der kleinen Modellanlage gesteuert.

Modellbahnanlange, historische Stellwerkstechnik und der rekonstruierte Arbeitsplatz des Fahrdienstleiters im Stellwerksmuseum.

Ergänzt wird das Stellwerksmuseum durch den ehemaligen Fahrkartenschalter. An den Museumstagen sind neben dem Fahrdienstleiter noch weitere Bahnbedienstete in historischen Uniformen zu erleben. Wer dann in Witterschlick aussteigt, begibt sich in eine andere Zeit. 

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adresse: Servaisstraße 34, 53347 Alfter. Das Museum ist auf Anfrage und zu bestimmten öffentlichen Terminen zu besichtigen.

Weitere Informationen

Heinzel, Michael: Eisenbahnen im Eifel-Vorland: Bördebahn – Erfttalbahn – Voreifelbahn, Bonn 2022

Ingenfeld, Stefan/ Söhngen, Albert: Beschreibung Bahnhof Witterschlick. Alfter-Witterschlick 2016

Website Stellwerksmuseum Witterschlick, https://bahnhof-witterschlick.com/leistungen/stellwerksmuseum/

Trenkle, Klaus: Der Bahnhof von Witterschlick – eine Materialsammlung, Alfter-Witterschlick 2010.

Trenkle, Klaus: Der Bahnhof von Witterschlick. Sonderausgabe, Alfter-Witterschlick 2013