Broicher Mühle, Wachtberg-Villip

Die Broicher Mühle oder Obere Mühle in Villip wurde bereits 886 erstmals erwähnt – und ist damit über 1.100 Jahre alt. Seit dem 17. Jahrhundert bewirtschaftet die Familie Bedorf den Betrieb – anfangs als Pächter, ab 1834 dann als Eigentümer. Das Anwesen wird daher auch Bedorf-Mühle genannt. Bemerkenswert ist, dass die Mühle weiterhin in Betrieb ist und dort nach wie vor Getreide mithilfe von Wasserkraft gemahlen wird.

Die Mühle war Eigentum der Herren von Burg Gudenau und bis 1791 die Bannmühle des Drachenfelser Ländchens. Das bedeutete, dass die Untertanen der Herrschaft im Gebiet zwischen Merl, Pech, Ließem, Berkum und Werthoven ihr Getreide in der Villiper Mühle mahlen lassen mussten. Der Grundherr hatte im Gegenzug die Verpflichtung, die Mühle in Stand zu halten.

Wasserrad der Broicher Mühle.

Zum historischen Ensemble gehört auch ein hinter der Mühle liegender Mühlteich, der von einem Mühlenbach gespeist wird. Etwa 900 Meter vor der Mühle wird der Wassergraben auf Höhe der Burg Gudenau vom Arzdorfer Bach abgeleitet.

Ein oberschlächtiges Wasserrad treibt die Mahlwerke an. Das Wasser strömt von oben auf das mächtige Wasserrad mit 5,6 Meter Durchmesser. Gemahlen wird bis heute mit Wasserkraft. Da Bach und Mühlengraben nicht immer zuverlässig genügend Wasser führten, kam 1910 ein ergänzender Elektromotor hinzu. Früher wich man bei sommerlicher Trockenheit auf die Windmühle in Villip aus, die ebenfalls von der Müllerfamilie Bedorf betrieben wurde. Der Müller soll Mitte des 19. Jahrhunderts ein Dutzend Esel besessen haben, mit denen er das Mehl von Villip aus an seine Kunden bis nach Bonn auslieferte.

Noch heute werden in der Broicher Mühle Roggen, Weizen und Dinkel gemahlen, aber auch alte Getreidesorten wie Emmer, Einkorn und Kamut. Im Mühlenladen können die Kunden Vollkornmehl und Vollkornschrot aus eigener Herstellung kaufen. Ein Teil des Mehls, insbesondere Roggenmehl, wird an regionale Bäckereien geliefert, die daraus das traditionelle Rheinische Schwarzbrot herstellen.

Weitere, ehemalige Wassermühlen am Godesberger Bach: die Pecher Mühle, die Ölmühle bei Villip und die Wattendorfer Mühle.

Die intensive Nutzung der Wasserkraft kann man daran erkennen, dass früher unterhalb der Broicher Mühle auf einer Strecke von gut neun Kilometern am Godesberger Bach noch acht weitere Mühlen arbeiteten.

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adresse: Im Bruch 32, Wachtberg-Villip

Weitere Informationen:

Berchem, Adolf / Velten, Josef: Die Wassermühlen in der Gemeinde Wachtberg. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 1988, S. 177-185

Broicher Mühle / Mühlenladen–Website https://www.muehle-bedorf.de/

Dietz, Josef: Die Villiper Mühlen. In: Godesberger Heimatblätter, 1972, S. 101-102

Sönnert, Ingrid: Mühlen im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Eine Übersicht. In: Arndt, Claudia Maria / Habel, Bernd (Hg.): Mühlenbann Wasserrad & Mahlstein. Zur Geschichte der Mühlen im Rhein-Sieg-Kreis und seiner Umgebung. Siegburg 2016, S. 45-62

Villiper Mühle mit Mühlteich und Mühlengraben” In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-9913-20110421-6