Windmühlen-Türme in Villip und Fritzdorf, Wachtberg

Im Drachenfelser Ländchen sind zwei mächtige Windmühlenstümpfe erhalten. Der Betrieb der Mühlen wurde bereits um 1900 eingestellt und die Windmühlenflügel sind abgängig. Trotzdem sind beide Türme dank ihrer Lage und Größe markante Landmarken.   

Die Windmühle in Villip (Foto oben, Süd-Ansicht) ließ die Herrschaft der Burg Gudenau um 1780 errichten. Ziel war unterem anderem, bei Trockenheit und Wassermangel Aufträge der nahegelegenen Broicher Mühle zu übernehmen. Bei Windstille sprang hingegen die wasserbetriebene Mühle ein und unterstützte die Windmühle. Beide Mühlen wurden von der Müllerfamilie Bedorf betrieben und waren seit 1834 auch in ihrem Besitz. Die Windmühle in Villip arbeitete bis in die Zeit um 1900. Die Betriebsaufgabe hängt möglicherweise mit der Tatsache zusammen, dass die Broicher Wassermühle zur Ergänzung des Antriebs 1910 einen Elektromotor erhielt, der Zeiten des Wassermangels einfacher überbrücken konnte.

Gebäude der ehemaligen Windmühle Villip, Nordwest-Ansicht.

Die Windmühlenflügel sind leider nicht mehr erhalten, auch Mühlengetriebe und die Mahlwerke fehlen. Übrig geblieben ist der stattliche und weithin sichtbare Windmühlenturm, der aus Blaubasaltblöcken und -platten errichtet wurde. Er ist fünfgeschossig, 20 Meter hoch und weist am Fuß einen Durchmesser von 13 Metern auf. Es wird vermutet, dass es sich um eine Galerieholländermühle gehandelt habe, die in einigen Meter Höhe eine rund umlaufende Galerie zur Bedienung besaß, über der sich die Flügel drehten.

Hofansicht Windmühle bei Villip.

An den Turm grenzt eine große und gut erhaltene vierflügelige Hofanlage an. Hier wurden unter anderem die Mühlenwagen und Zugpferde für den Transport des Mahlgutes untergebracht, hier gab es Lager- und Wohnräume, eine Unterkunft für den Mühlenknecht und eine große Stallanlage für den landwirtschaftlichen Betrieb. Das Rondell in der Mitte machte es möglich, dass Fuhrwerke mit Getreide oder Mehl im Kreis ein- und ausfahren konnten.

Nach der Aufgabe des Mühlbetriebs wurde das die Gebäude als Kinderheim, in den 1950er Jahren auch als Kindergarten genutzt. Von 1969 bis 1985 logierte in der Windmühle die „Galerie – der Turm“. Inzwischen wird das historische Gebäude privat genutzt. Im Erdgeschoss des Mühlenturms gibt es einen 70 Quadratmeter großen, vollständig runden Raum, in dem sporadisch private Veranstaltungen stattfinden.

Die Fritzdorfer Windmühle wurde deutlich später, nämlich 1842 von einem aus Westfalen eingewanderten Müller errichtet. Zum Bau konnte er Material einer verfallenen Burg verwenden. Gemahlen wurde Getreide aus den nahegelegenen Dörfern bis hin zur Ahr. Später kam auch eine Ölmühle hinzu. Die Mühle liegt exponiert auf einem 259 Meter hohen Hügel, was ihr nicht nur guten Wind sicherte, sondern auch einen weiten Ausblick über das Drachenfelser Ländchen bis hin zum Kölner Dom einbrachte.

Windmühle Fritzdorf nach 1900. Gut zu sehen sind die großen Flügel und links der Mühlensterz oder -Mühlensteert, mit dem die Mühle in den Wind gerichtet wurde. Wikimedia Commons.

Der Turm ist mit 19 Metern Höhe und 9,50 Metern Durchmesser etwas kleiner als sein Pendant in Villip. Es handelte sich um den Typus eines Erdholländers: die Flügel reichten fast bis an die Erde.  Im Erdgeschoss befand sich die Ölmühle, im ersten Obergeschoss die Getreidemühle und im dritten Geschoss das vorgeschaltete Mühlengetriebe. Zur Mühle gehörten früher ein Wohnhaus mit Stall und Scheune, das nicht erhalten ist.

Die eigentliche Nutzungszeit war relativ kurz:  Der Mühlenbetrieb kam 1895 zum Erliegen, weil die Abhängigkeit vom Wind den Betrieb anfällig machte. Neue Wassermühlen an der Ahr erwiesen sich als harte Konkurrenz. Vom Fritzdorfer Müller ist die Klage überliefert: „Hab ich Wind, so habe ich kein Korn, und habe ich Korn, so habe ich keinen Wind.“ Er verlor um 1900 den Besitz der Mühle, das Wohnhaus wurde bereits 1909 abgebrochen. Zwischen 1909 und 1911 wurde der Mahlbetrieb kurzzeitig noch einmal aufgenommen, dann aber endgültig eingestellt. Das Gebäude erlebte anschließend verschiedene Besitzer, die jedoch alle nicht in den „nutzlosen“ Turm investierten, so dass dieser zunehmend verfiel und die Flügel abhanden kamen.

Turm der ehemaligen Windmühle bei Fritzdorf.

Auf Grund der exponierten Lage war der dahin dämmernde Windmühlenstumpf zu einem traurigen Wahrzeichen von Fritzdorf geworden. Schließlich kaufte die Gemeinde 1956 den Turm. 1979 konnte schließlich mit einem neuen Dach und der Sanierung des Mauerwerks die Sicherung und Restaurierung abgeschlossen werden. Dabei wurden auch die Geschossböden und die entsprechenden Treppen wieder hergestellt. Seitdem wird die Mühle für private Feste und Feiern vermietet – eine perfekte Nutzung angesichts der Einsamkeit, Weite und wunderbaren Lage.

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adressen: Windmühle Villip: An der Windmühle 1, Wachtberg-Villip, Windmühle Fritzdorf: Windmühlenstraße südlich von Wachtberg-Fritzdorf

Weitere Informationen:

Berchem, Adolf: Die Windmühlen der Gemeinde Wachtberg. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 1992, S. 64-69

Hausmanns, Barbara: Rickeracke, Rickeracke! Geht die Mühle mit Geknacke. Eine kursorische Geschichte der Wachtberger Mühlen: In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2011, S. 68-74