Das Thema Erzbergbau in Nordrhein-Westfalen ist vor allem mit der bis ins Mittelalter zurückreichenden Montangeschichte des westfälischen Siegerlandes verbunden. Erzgruben und -bergwerke gab es aber auch in benachbarten Regionen, wie etwa im Bergischen Land oder im Westerwald. Selbst der Rhein-Sieg-Kreis war einst zumindest östlich des Rheins vielerorts von Bergbauaktivitäten geprägt. Von dieser vielfältigen Montanlandschaft sind nur mehr wenige Spuren erhalten.
Die Stadt Hennef, die aus etwa hundert einzelnen Ortschaften und Weilern besteht, kann auf eine lange und interessante Industriegeschichte zurückblicken. Entscheidender Faktor für die Entwicklung des lokalen Gewerbes und der Industrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Bau der Siegtalbahn – sie machte die Bevölkerung mobil und erleichterte den örtlichen Betrieben den Empfang und den Versand von Rohstoffen und Gütern aller Art.
Lange vor dem motorisierten Individualverkehr erschloss seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisenbahn das streckenweise enge und windungsreiche Tal der Sieg zwischen den Städten Siegburg und Siegen. Damit gewann auch die kleine Gemeinde Schladern, heute ein Ortsteil der Gemeinde Windeck, einen besseren Zugang für Menschen und Güter zum westfälischen Siegerland im Osten und zum Rheintal im Westen.
Jede Stadt ist stolz, wenn sie ein Alleinstellungsmerkmal besitzt, das sie von anderen unterscheidet. In Hennef ist es die Erfindung der Chronos-Waage, der ersten eichfähigen automatischen Waage weltweit, die den Unterschied macht: 1882 hatten die Inhaber der „Maschinenfabrik C. Reuther & Reisert“ die neue Technik patentieren lassen. Sie begründeten damit eine neue Ära in der Geschichte des Wiegens.
Das Schlagwort Globalisierung war noch vollkommen unbekannt, als in der kleinen Gemeinde Schladern an der Sieg, in der tiefsten rheinpreußischen Provinz, ein englisches Unternehmen begann, Kupferrohre für den internationalen Markt zu produzieren. Die lokalen Standortfaktoren waren günstig: Die Wasserkraft des Flusses ließ sich für die Energiegewinnung nutzen, und seit Anfang der 1860er Jahre verband die Siegtaleisenbahn die Rheinschiene mit dem benachbarten Siegerland.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte auch in Deutschland allmählich die Mechanisierung der Landwirtschaft ein. Immer mehr bäuerliche Tätigkeiten erforderten nun nicht länger den ermüdenden Einsatz menschlicher oder tierischer Kräfte, sondern konnten von jüngst entwickelten Maschinen übernommen werden. Damit entstanden Unternehmen, die speziell diesen neuen Markt bedienten.
Rätselhafte Mauerreste mitten im Grünen, Maschinenfundamente im Nirgendwo, ein verwunschener Teich – im Tal des Trimbachs bei Windeck-Dattenfeld liegt ein geradezu klassischer „lost place“ der Industriegeschichte. Von Anfang der 1870er Jahre bis 1918 produzierte hier die Pulvermühle Elisenthal das in Steinbrüchen und Bergwerken als Sprengmittel dienende Schwarzpulver.
In den 1950/60er Jahren dürften die meisten Bahnreisenden mit dem Begriff „Schoeller Wolle“ vertraut gewesen sein: Kaum ein Bahnhof zwischen Nordsee und Alpen, an dem nicht die bunten Emailschilder für die Handstrickgarne des renommierten Eitorfer Unternehmens warben. Die Spinnerei an der Sieg war über Jahrzehnte einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der strukturschwachen Region, bis die allgemeine Krise der deutschen Textilindustrie auch sie erfasste.
Eine Zugfahrt von Köln nach Siegen oder Gießen ist immer ein interessantestes Erlebnis. Dies gilt vor allem für den Streckenabschnitt entlang der Sieg von der Stadt Hennef bis zu der Gemeinde Windeck-Au an der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Im landschaftlich reizvollen Flusstal ist die Eisenbahn – wie der rote S-Bahn-Zug auf der eingleisigen Bogenbrücke bei Hennef-Blankenberg (Foto: EveryPicture, via Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0) – zum selbstverständlichen Element der Kulturlandschaft zwischen Bergischem Land im Norden und Westerwald im Süden geworden.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Eitorf eine bescheidene Landgemeinde an der oberen Sieg. Allerdings gewann selbst in dieser agrarisch geprägten Region, weit entfernt von den größeren gewerblichen Zentren am Rhein oder im Siegerland, die Industrialisierung allmählich an Bedeutung. Bauliche Zeugen dieser Entwicklung sind zwei repräsentative Unternehmervillen, die ebenso gut am Rhein oder an der Ruhr stehen könnten: die Villa Gauhe (siehe Foto) und die Villa Boge.
Das Kraftwerk Unkelmühle an der Sieg bei Windeck ist in zweierlei Hinsicht ein ökologisches Vorzeigeprojekt: Zum einen nutzt es die Energie des Wassers zur umweltfreundlichen Stromerzeugung, und zum anderen ist die gesamte Anlage vor wenigen Jahren nach modernsten Erkenntnissen baulich so modifiziert worden, dass sie für flussauf- beziehungsweise flussabwärts wandernde Fische kein – zuvor häufig tödliches – Hindernis mehr darstellt.