Eine Mühle bei Eschmar fand bereits Anfang des 16. Jahrhundert Erwähnung. Das aktuelle Mühlenensemble ersetzte ab 1884 die älteren Mühlengebäude. Es ist gut erhalten und wurde um 2008 zur Wohnnutzung umgebaut. Der Mühlengraben, einst die Kraftquelle, fließt wie eh und je durch das Gebäudeensemble und sorgt heute für eine attraktive Wohnlage.
An der Mündung der Agger in die Sieg entwickelte sich seit den 1830er Jahren die Friedrich-Wilhelms-Hütte, die verschiedenartige Metallprodukte herstellte. Der Betrieb wurde 1911 von dem „Façoneisen-Walzwerk L. Mannstaedt“ übernommen, das damals sein komplettes Werk von Köln nach Troisdorf verlegte.
Im Rhein-Sieg-Kreis ist Troisdorf, verglichen mit anderen Kommunen, die Stadt des Gewerbes und der Industrie – das gilt nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die vergangenen zwei Jahrhunderte. Das „MUSIT. Museum für Stadt und Industriegeschichte“ präsentiert wichtige Facetten dieser vielfältigen Historie. Dabei geht es – so das Selbstverständnis des von der Stadt getragenen Hauses – um das komplexe Zusammenspiel von technischen, architektonischen, sozialen und strukturellen Aspekten der Entwicklung einer Industriestadt.
Der Sieglarer Mühlengraben verläuft von den Mannstaedt-Werken bei Troisdorf parallel zur Sieg und begleitet diese fast acht Kilometer bis zur Mündung bei Bergheim. Der künstlich angelegte Mühlenkanal war ab Ende des 13. Jahrhunderts geschaffen worden. Zuvor hatte die Abtei in Siegburg die Mühlenrechte für das Gebiet erworben. In Sieglar und bei Eschmar gab es bereits seit dem Spätmittelalter Mühlen, die im Besitz der Mönche waren. Im Jahr 1879 wurde die alteingesessene Sieglarer Mühle, eine Getreide- und Ölmühle, im zeitgenössischen Fabrikbaustil deutlich erweitert und ergänzt. Das Gebäudeensemble aus dieser Zeit ist bis heute erhalten und wird mittlerweile als Wohngebäude genutzt.
In einem ländlichen Gebiet nördlich von Niederkassel gründete der Stinnes-Konzern 1912 ein neues Chemiewerk , die „Deutsche Wildermannwerke GmbH“. Die örtliche Bevölkerung in Lülsdorf und Ranzel war von einer Beschäftigung in der Chemiefabrik nicht begeistert und bevorzugte weiterhin die Arbeit in der Landwirtschaft. Folglich mussten Arbeitskräfte aus dem weiteren Umfeld angeworben werden. Für die neue Belegschaft baute man gegenüber dem Chemiewerk eine Werkssiedlung für Angestellte und Arbeiter. Das gesamte Ensemble ist gut erhalten und besitzt viele Grün- und Freiflächen. Die Gebäude aus der Zeit zwischen 1913 und 1950 repräsentieren Stileinflüsse aus verschiedenen Epochen – und überzeugen trotzdem als architektonische und städtebauliche Einheit.
In dem kleinen Ort Bergheim an der Sieg kann man ein Stück Weltkulturerbe erleben: Die Flussfischerei, wie sie bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein an der Mündung der Sieg in den Rhein betrieben wurde, wurde 2016 als immaterielles kulturelles Erbe anerkannt und in das Bundesweite Verzeichnis für Immaterielles Kulturerbe aufgenommen. In dem 2010 eröffneten Fischereimuseum Bergheim an der Sieg werden auf über 500 m² Ausstellungsfläche die alten Traditionen und Handwerkstechniken für die Gäste wieder lebendig.
In Troisdorf-Oberlar ist der geschlossene Baubestand einer Werkssiedlung der Sieg-Rheinischen Hütten AG erhalten – aus der Zeit vor der Errichtung der Roten und Schwarzen Kolonie. In der Elisabethstraße entstanden 16 Doppelhäuser ähnlichen Typs, die durch eine vielseitige Fassadengestaltung auffallen. Die freistehenden Gebäude mit separaten Eingängen und Gärten für jede Wohnpartei stehen für einen Gegenentwurf zum Massenwohnungsbau des 19. Jahrhunderts. Später kamen im Bereich der Landgrafenstraße Mehrwohnungshäuser hinzu, die einfacher gestaltet waren.
Unmittelbar vor den Werkstoren der späteren Mannstaedt-Werke entstand ab den 1890er Jahren ein neues Viertel, zunächst mit Verwaltungs- und Versorgungsbauten, ab 1912 auch mit Wohngebäuden für leitende Mitarbeiter, die sogenannten „Fabrikbeamten“. Daher stammt der Begriff „Beamten-Kolonie“. Das Ensemble wurde als erste der drei Siedlungen in Troisdorf unter Schutz gestellt, bietet anspruchsvollen Werkswohnungsbau, viele unterschiedliche Architekturen und ist insgesamt gut erhalten.
Aufgrund der Übernahme der Friedrich-Wilhelms-Hütte durch die Mannstaedt-Werke und die Verlagerung des kompletten Walzwerkes von Köln-Deutz an die Sieg 1913 entstand dort großer Wohnraumbedarf. Daher ließ das Unternehmen eine neue Siedlung errichten, um die Facharbeiter und deren Familien aus Köln in der Nähe des neuen Werkes unterzubringen. Die dorfähnliche Anlage orientiert sich am Ideal der malerischen Gartenstadt, weist eine abwechslungsreiche Architektur, umfangreiche Grünflächen und zwei individuell gestaltete Plätze auf. Die Siedlung ist nahezu vollständig erhalten und inzwischen wieder in einem sehenswerten Zustand.
Die ursprünglich „Neu Menden“ genannte Kolonie entstand in kurzer Zeit ab 1912 als Werkssiedlung der Mannstaedt-Werke, die kurz zuvor ein Walzwerk von Köln in die Nähe von Troisdorf an die Sieg umgesiedelt hatten. Sie bot anfänglich in knapp 70 Gebäuden 163 Wohneinheiten mit Wohnflächen von 50 bis 63 Quadratmetern. Die Schwarze Kolonie, so genannt wegen der schwarzen Dachziegel, beeindruckt bis heute durch eine „dörfliche“ Anmutung, einen geschlossen Baubestand, abwechslungsreiche Hausformen und zahlreiche Grünelemente.
Um 1900 bestand in dem aufstrebenden Industriestandort Troisdorf dringender Bedarf für eine geregelte und saubere Wasserversorgung. Die Troisdorfer Sprengstoffwerke sagten 1901 dem Bürgermeister zu, jährlich 120.000 Kubikmeter Wasser von einem neu zu errichtenden Wasserwerk abzunehmen, was dessen Realisierung beförderte. Ein kurz zuvor wegen Typhus geschlossener Brunnen verdeutlichte, wie wichtig eine kommunale Wasserversorgung mit gesicherter Qualität war. 1904 nahm das neue Wasserwerk nahe der Agger den Betrieb auf. Das Gebäudeensemble ist bis heute erhalten – inklusive eines Teils des Maschinenparks.
Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es Dutzende von Transformatoren-Türmen, die teils noch in Betrieb sind, teils aber schon ihre angestammte Funktion verloren haben. Am Ortsrand von Mondorf steht ein authentisch erhaltener Trafoturm, der noch in Funktion ist. Ihn zeichnet aus, dass er von Ortsbewohnern dokumentiert worden und gut erhalten ist. Es gibt sogar einen Bastelbogen, mit dessen Hilfe man ihn nachbauen und zu Hause ins Regal stellen kann.
Im Norden Troisdorfs sind zwei imposante Villen erhalten, die kurz vor dem Ersten Weltkrieg für die Gebrüder Karl und Ludwig Mannstaedt gebaut worden waren. Die Bauherren waren seit 1912 die geschäftsführenden Vorstände der Eisenhütte und des Walzwerkes bei Troisdorf – und die Söhne des Werksgründers Louis Mannstaedt.
Die herrschaftliche Villa Langen, unmittelbar an der Friedrich-Wilhelms-Hütte gelegen, wurde um 1860 errichtet. Der Neubau ergänzte einen bereits vorher bestehenden Rundturm. Das Anwesen diente von 1844 bis 1868 Emil Langen, dem Generaldirektor des Werkes, und seiner Familie als Wohnsitz. Später wurde das Gebäude unter anderem als Verwaltung genutzt. Die abwechslungsreiche und effektvolle Architektur ist bis heute gut erhalten.
Wie sinnvoll der Einsatz von Fähren trotz einer wachsenden Zahl an Straßenbrücken auch heute noch sein kann, zeigt sich am Beispiel der Fährverbindung zwischen Niederkassel-Mondorf und Bonn-Graurheindorf. Obwohl sie in Sichtweite der Friedrich-Ebert-Brücke zwischen Bonn-Beuel und dem linksrheinischen Bonn verkehrt, ziehen viele Autofahrer vor allem im Berufsverkehr die geruhsame Fährfahrt über den Rhein dem notorischen Stau auf der Autobahn 565 vor.