Eschmarer Mühle, Troisdorf-Eschmar

Eine Mühle bei Eschmar fand bereits Anfang des 16. Jahrhundert Erwähnung. Das aktuelle Mühlenensemble ersetzte ab 1884 die älteren Mühlengebäude. Es ist gut erhalten und wurde um 2008 zur Wohnnutzung umgebaut. Der Mühlengraben, einst die Kraftquelle, fließt wie eh und je durch das Gebäudeensemble und sorgt heute für eine attraktive Wohnlage.

Die Eschmarer Mühle war – wie auch die Mühle in Sieglar – lange im Besitz der der Abtei Siegburg. Vermutlich hat diese auch den Mühlengraben anlegen lassen, um die beiden Mühlen verlässlich mit Wasserkraft zu versorgen. 1774 kam die Eschmarer Mühle in den Besitz des Landesherren, des Herzog von Berg, der die alte Mühle renovierte und modernisierte. Für diese Zeit gibt es Hinweise auf drei Mahlgänge und die Existenz einer Einrichtung zum Mahlen von Ölsaaten. 1798 kam ein Wohnhaus für den Müller hinzu. In jener Zeit gab es einen Bach, der das Wehr samt Gefälle an der Mühle umging und möglicherweise auch als Fischtreppe diente. Der Mühlengraben war jedenfalls für sein Fischreichtum und sein sauberes Wasser bekannt.

Gemälde der Mühle im Zustand der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit Wehr, Schütz zur Steuerung des Wasserzuflusses und und Wohnhaus im Hintergrund. Aus: Brodeßer 1981, S. 43.

1824 erwarb Johann Wilhelm Windgassen, der geistige Vater der Friedrich-Wilhelms-Hütte, Mühlgraben und Mühlen. 1843 geriet Windgassen in finanzielle Bredouille, und die Mühlen wurden versteigert. Die Eschmarer Mühle kam seinerzeit an Emil Langen, den neuen Eigentümer der Friedrichs-Wilhelms-Hütte. Da er aber nur den Mühlengraben auf Höhe der Hütte wirklich benötigte, verkaufte er die Sieglarer und Eschmarer Mühlen bereits 1854 wieder – und zwar an den Sieglarer Gutsbesitzer Johann Bouserath.

Historische Darstellung der Mühle, nach 1884. Rechts ist das Wohnhaus mit Wirtschaftsgebäuden sichtbar. Sammlung Steuer-Metzger, Troisdorf.

Die Familie Bouserath betrieb auch die Eschmarer Mühle. Im Jahr 1884 entschied sich Theodor Bouserath, der die Mühle 1870 von seinem Vater übertragen bekommen hatte, für den Bau eines imposanten Mühlengebäudes als Hochbau im Fabrikbaustil.

Die Eschmarer Mühle nach dem Umbau zur Wohnnutzung.

Dabei kamen die regionaltypischen braunroten Ziegelsteine, Rundbogenfenster, Lisenen zur Gliederung der Fassade sowie Zierfriese zum Einsatz. Das unterschlächtige Mühlrad und das Mahlwerk wurden 1885 von der Friedrichs-Wilhelms-Hütte geliefert.

Süd-Ansicht vom Mühlengraben. Das Wasserrad befindet sich in einem separaten Radhaus (mit grüner Tür), rechts davon der überbaute Durchlauf des Mühlgewässers.   

Im Jahr 1892 erhielt das Gebäude nach Norden hin eine Erweiterung, ein zusätzliches Silo. Heute präsentieren sich die beiden Gebäudeteile als architektonische Einheit.  Nur die Jahreszahlen verweisen auf die beiden Bauphasen. Aus der gleichen Zeit stammt große Wohnhaus gebenüber dem Mühlengebäude. Auf der gegenüberliegenden Seite des Mühlengrabens befinden sich weitere Gebäude, die zuletzt als Silo und Stall dienten.

Situation der Eschmarer Mühle vor dem Umbau (2001) und danach (2023). Der ehemalige Sackaufzug und der Dachaufbau wurden in der Gebäudeform erhalten. Foto 2001: Oliver Wegen, via Wikimedia Commons, public domain.

Die Mühle verarbeitete bis in die Zeit um 1990 Getreide zu Mehl, Tierfutter und Saatgut. Ihre technische Einrichtung wurde in den 1960er Jahren zum Teil modernisiert. Das Mühlrad und Teile der Mühlentechnik sind erhalten.

Dokumentation des Zustands in der Eschmarer Mühle 2008: 1: Mühlrad, 2: Antriebsräder für das Mahlwerk, 3: Schrotgang zur Mahlen des Getreides (Bauzeit um 1885). Fotos: Petra Steuer-Metzger, www.kunstlicht-lichtkunst.de

Das Ensemble wurde im Jahr 2008 umfassend umgebaut und für Wohnzwecke nutzbar gemacht. Wie bei der Sieglarer Mühle wurden zum Mühlengraben hin Balkone ergänzt, die aber den Gesamteindruck nur unwesentlich beeinträchtigen. Das Mühlen-Ensemble ist weiterhin mit seiner kompletten Kubatur und seiner idyllischen Lage am Mühlengraben erlebbar. Glücklicherweise hat die Troisdorfer Fotografin Petra Steuer-Metzger den Zustand der verbliebenen Mühlentechnik vor dem Umbau dokumentiert.

Walzenstuhl zur Zerkleinerung von Getreide. Foto: Petra Steuer-Metzer (2008).

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adresse: Eschmarer Mühle, Straße zur Mühle 2-4, 53844 Troisdorf-Eschmar

Weitere Informationen:

Brodeßer, Heinrich: Eschmar, ein rheinisches Bauerndorf. Bergische Zeit. In: Troisdorfer Jahreshefte 1981, S. 32-52

Demel, Paul / Mohr, Gabriele / Volker Schüler: Eschmarer Mühle, Besichtigungsprotokoll 2007, Duisburg 2016, Eschmarer Mühle.pdf

Rheinisches Mühlen-Dokumentationszentrum e.V. (RMDZ): Eschmarer Mühle, https://rmdz.de/node/492, weiteres Material  zur Mühle : online

Steuer-Metzger, Petra: Eschmarer Mühle – Fotodokumentation 2008 und 2009, https://www.kunstlicht-lichtkunst.de/projekt-muehle.html