Sieglarer Mühle mit Mühlengraben, Troisdorf-Sieglar

Der Sieglarer Mühlengraben verläuft von den Mannstaedt-Werken bei Troisdorf parallel zur Sieg und begleitet diese fast acht Kilometer bis zur Mündung bei Bergheim. Der künstlich angelegte Mühlenkanal war ab Ende des 13. Jahrhunderts geschaffen worden. Zuvor hatte die Abtei in Siegburg die Mühlenrechte für das Gebiet erworben. In Sieglar und bei Eschmar gab es bereits seit dem Spätmittelalter Mühlen, die im Besitz der Mönche waren. Im Jahr 1879 wurde die alteingesessene Sieglarer Mühle, eine Getreide- und Ölmühle, im zeitgenössischen Fabrikbaustil deutlich erweitert und ergänzt. Das Gebäudeensemble aus dieser Zeit ist bis heute erhalten und wird mittlerweile als Wohngebäude genutzt.

Der Mühlengraben durchquert die Siegaue westlich des eigentlichen Flusslaufes.

Damit wasserbetriebene Mühlen in der Siegaue arbeiten konnten, war ein künstliches Gewässer erforderlich, da die Sieg und Agger früher oft ihre Flussläufe veränderten und mäanderten. Zudem führten sie nur unregelmäßig Wasser. Der Mühlgraben zweigte von der Agger kurz vor deren Mündung in die Sieg ab. Das Aggerwehr staut dort das Wasser auf, wodurch der Zufluss in den Mühlengraben reguliert und dessen Wasserstand relativ konstant gehalten werden kann.

Ölgemälde der Sieglarer Mühle, vor der Erweiterung in der zweiten Hälfte der 19. Jahrhunderts. Das frühere Mühlengebäude rechts ist bis heute erhalten. Unbekannter Künstler, Exponat in der Ausstellung „200 Jahre Mannstaedt“ im MUSIT (2025).

Anfänglich fließt der Graben durch das Gelände der Friedrich-Wilhelms-Hütte, deren Gründer Windgassen sich 1824 das Gewässer sicherte, um mit der Wasserkraft die Gebläse des geplanten Hochofens zu betreiben. Auch die beiden Mühlen bei Sieglar und Eschmar waren eine Zeitlang Eigentum der Hütte. 1854 kamen sie in den Besitz des Gutsbesitzers Johann Bouserath, der zuvor die Sieglarer Mühle bereits gepachtet hatte. Später übernahmen zwei seiner Söhne jeweils eine der Mühlen.

Sieglarer Mühle, älterer Baubestand. Rechts das Mühlengebäude, dahinter die Remise für Pferde und Wagen.

Die Sieglarer Mühle fand um 1400 erstmals urkundliche Erwähnung. Bei der Übernahme 1824 entstand eine Beschreibung der Anlage: „Fruchtmühle mit zwei unterschlägigen Mahlgängen, einer Öl- und Gerstenmühle, unten in Stein, oben Holz gebaut.“ Früher befand sich oberhalb der Mühle noch ein aufgestauter Mühlenteich, der auch als Fischteich genutzt wurde. Die Straßenbezeichnung „Wehrwasser“ verweist noch heute darauf.

Hochbau der Sieglarer Mühle von 1879. Postkarte um 1900, Privatbesitz.

Die Mühle in Sieglar wurde 1879 um einen fünfgeschossigen, mächtigen Hochbau mit sechs Fensterachsen erweitert. Die hochragende Architektur mit Segmentbogenfenstern, Lisenen, schön ausgeformten Mauerankern und Zierfriesen erinnert an klassische Industriehochbauten des 19. Jahrhunderts – und zeigt Parallelen zur den Hochbauten in der Stadtmühle Siegburg und der Eschmarer Mühle. Auf der anderen Seite des Mühlgrabens blieben das ältere Mühlengebäude und die Remise erhalten.

Sieglarer Mühle mit Stauwehr und geöffnetem Überlauf, rechts der Einlauf mit Rechen zur Turbine, die sich in dem kleinen Vorbau befand.

Direkt gegenüber dem neuen Mühlengebäude entstand ebenfalls 1879 ein neues Wohnhaus für den Müller. 1937 erhielt die Mühle einen Silo-Anbau, der später weiter aufgestockt wurde. Die unterschiedlichen Bauphasen sind heute noch gut erkennbar.

Wohnhaus , Ansicht von der Mühlenstraße.

Die Sieglarer Mühle arbeitete bis 1986. Das gesamte Gebäudeensemble blieb – allerdings ohne das eigentliche Mühlentechnik – in seinem äußeren Erscheinungsbild gut erhalten und wurde in Wohnraum umgegewandelt.

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adresse:  Mühlenstraße 2 und 13, Troisdorf-Sieglar

 

Weitere Informationen:

 Andres, Yvonne:  Der Mühlengraben. In: Troisdorfer Jahreshefte, 2009, S. 36-45

KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital Mühlengraben Troisdorf https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-264352

Rheinisches Mühlen-Dokumentationszentrum e.V. (RMDZ): Sieglarer Mühle
https://rmdz.de/node/491

Schulte, Albert: Der Mühlengraben zwischen Friedrich-Wilhelms-Hütte und Bergheim. In: Troisdorfer Jahreshefte, 1974, S. 107-123