
Dicht besiedelte und dynamisch wachsende Ballungsräume sind auf eine verlässliche, quantitativ ausreichende und qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung, aber auch von Gewerbe und Industrie mit Trink- beziehungsweise Brauchwasser angewiesen. Das galt besonders nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg auch für die Bundeshauptstadt Bonn und die umliegende Region.
1953 gründeten daher die Städte Bonn und Siegburg, der Landkreis Bonn und der Siegkreis sowie die Siegburger Zellwollewerke Phrix – als bedeutender industrieller Wasserverbraucher – den Wahnbachtalsperrenverband (WTV). Er sollte durch den Bau und den anschließenden Betrieb der Wahnbachtalsperre in Siegburg-Seligenthal die Trink- und Nutzwasserversorgung der Mitglieder des Zweckverbandes sicherstellen.

Der Startschuss für die Baumaßnahme erfolgte im Jahr 1954; die Arbeiten waren von Beginn an hochgradig mechanisiert. Über zwanzig Dampfbagger, mehrere Planierraupen und zahlreiche Großraumkipper waren damit beschäftigt, die gewaltigen Erd- und Gesteinsmassen zu bewegen. Trotzdem wirkten zeitweilig über 800 Beschäftigte an dem großen Werk mit. Im Frühjahr 1958 ging die Talsperre nach vierjähriger Bauzeit in Betrieb.
Der Staudamm, der aus einer Schüttung aus Grauwacke und einer äußeren Abdichtung durch Asphaltbeton besteht, ist circa 360 Meter lang und 7,55 Meter breit; er hat eine Höhe von 52,50 Metern. Bei höchstem Stau beträgt die Wasserfläche 200 Hektar, bei einem Stauinhalt von 41,3 Millionen Kubikmetern. Hauptzufluss ist der namengebende Wahnbach. In der Tiefe des Stausees verschwanden die ehemalige Wahnbachtalstraße sowie die baulichen Überreste einiger ehemaligen Gebäude, wie etwa der “Luttermühle“ und des beliebten Gasthauses „Wahnbachtaler Schweiz“. Die Liegenschaften wurden vor Beginn der Baumaßnahme weitgehend abgerissen, ihre Eigentümer wurden umgesiedelt und finanziell entschädigt.
Zum 50jährigen Jubiläum 2008 wurde der Damm grundlegend saniert, um den aktuellen Sicherheitsbestimmungen Rechnung zu tragen. Die technisch aufwändige Maßnahme machte eine weitgehende Entleerung der Talsperre erforderlich: Tausende von Ausflüglern aus der Region erlebten ein Wahnbachtal, wie sie es nie zuvor gesehen hatten. Selbst bauliche Relikte wie Brücken und Gebäudefundamente hatten unter Wasser dem Zahn der Zeit widerstanden.

Heute deckt die Talsperre etwa die Hälfte des Trinkwasserbedarfs in der Region Bonn, Rhein/ Sieg und Ahrweiler. Mitten im Stausee erhebt sich der schlanke Betonturm, in dem das Seewasser entnommen wird, um es in das Versorgungsnetz einzuspeisen. Nicht zuletzt dient die Talsperre durch ihre potenzielle Speicherfunktion auch dem Hochwasserschutz. Gegen Ende der 2010er Jahre wurde sie gemäß den aktuellen technischen Standards baulich saniert.

Dank ihrer Lage unweit der Rheinschiene und inmitten bewaldeter Höhenzüge ist die Wahnbachtalsperre ein beliebtes Ausflugsziel. Um die Wasserqualität nicht zu beeinträchtigen, ist allerdings die touristische Nutzung stark beschränkt – so sind etwa Freizeitaktivitäten wie Schwimmen und Wassersport untersagt. Unweit des Staudamms informieren verschiedene Text- und Bildtafeln über die Geschichte, die Technik und die Funktion des Stauwerks. Ein eigens angelegter „Talsperrenweg“ bietet weitere Eindrücke und Informationen.
Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025
Adresse:
Seligenthaler Straße 120 a, 53721 Siegburg
Weitere Informationen:
https://www.wahnbach.de/die-wahnbachtalsperre.html
„Wahnbachtalsperre“. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www..kuladig.de/ Objektansicht/ O-116682-20150227-246
https://de.wikipedia.org/wiki/Wahnbachtalsperre

