Wartehalle der „Siebengebirgsbahn“, Bad Honnef

Hervorragende Architektur muss nicht spektakulär und auffällig sein, sie muss es auch nicht darauf anlegen, ihr Umfeld durch ihre pure Präsenz zu dominieren. Qualität bemisst sich nach anderen Kriterien, wie etwa der baulichen Umsetzung einer schlüssigen Idee, aber auch einem überzeugenden Zusammenspiel der einzelnen gestalterischen Elemente. Die ehemalige Wartehalle an der Endhaltestelle der „Siebengebirgsbahn“ in Bad Honnef steht in diesem Sinne für gebaute Eleganz im bescheidenen Maßstab.

Bereits 1913 hatte der erste Zug der heutigen “Elektrischen Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises“ (SSB) – umgangssprachlich „Siebengebirgsbahn“ genannt – von Bonn aus Königswinter erreicht, bis zur Eröffnung der Südbrücke mit dem Umweg über Bonn-Beuel. Nach längeren Planungen und finanziellen Diskussionen – vor allem um eine Teilübernahme der Baukosten durch die Stadt – ging 1925 die Verlängerung der Strecke nach Honnef – seit 1960 Bad Honnef – in Betrieb. Sie führte direkt am Ufer des Rheins entlang mit grandiosem Blick auf die Weinberge, den Drachenfels und das Siebengebirge. Die Bahn verband die Gemeinden am Fluss mit der Stadt Bonn, und sie trug wesentlich zum weiteren Aufschwung des Tourismus in der Region bei.

Große Glasfronten statt massivem Mauerwerk – hier muss das Warten auf die nächste Bahn ein Vergnügen gewesen sein.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Ausflugsverkehr wieder an Fahrt gewann, genügte der alte Wellblechwarteraum nicht mehr den gestiegenen Ansprüchen im selbsternannten „Nizza am Rhein“: Die 1949/50 komplett neu errichtete Wartehalle bot den Fahrgästen einen weitaus angenehmeren Aufenthalt. Der Entwurf des schlichten Gebäudes stammte von dem renommierten Bonner Architekten Wilhelm Denninger (1899-1973), der sich in den Folgejahren in der jungen Bundeshauptstadt vor allem mit Büro-, Verwaltungs- und Geschäftshäusern, aber auch mit verschiedenen Wohngebäuden einen Namen machen sollte.

Die Honnefer Wartehalle bezieht sich deutlich auf Ideen und Prinzipien des „Neuen Bauens“, die vor allem zur Zeit der Weimarer Republik diskutiert und vielerorts auch verwirklicht worden waren: Primat der Funktion, flache Dächer, kubische Baukörper, klare Kanten, waagerechte Fensterflächen beziehungsweise durchgehende Fensterbänder, weitgehender Verzicht auf dekorative Elemente – der kleine Bau in Honnef mit dem im rechten Winkel angebauten ehemaligen Verkaufskiosk zeigt exemplarisch, dass die Reduktion auf das Wesentliche nicht mit der Ästhetik im Widerstreit stehen muss.

Rechter Winkel, horizontale Fensterbänder – „Neues Bauen“ in Bad Honnef; links der Anbau mit dem ehemaligen Verkaufskiosk.

Bereits in den 1980er Jahren verlor das Gebäude seine eigentliche Funktion. Der aktuelle Eigentümer ließ es 1921/22 denkmalgerecht sanieren und in verschiedenen Bereichen modernisieren, um es als Gastronomiebetrieb nutzen zu können. So sind beispielsweise die Fenster mit ihren schmalen, messingfarbenen Profilen im Original erhalten geblieben – keine Selbstverständlichkeit bei sensiblen historischen Bauten dieser Art. Leider ist die ehemalige Innenausstattung verloren.

1957 warten Triebwagen 27 und Beiwagen 61 der „Siebengebirgsbahn“ in Honnef auf neue Fahrgäste; links von hohen Bäumen beschattet die moderne Wartehalle. Foto: Aad van Ooy. Archiv Stiftung Eisenbahngeschichte Joachim Schmidt.

Ein langer Triebwagenzug mit dem Triebwagen 16 an der erst vor wenigen Jahren parkähnlich gestalteten Endhaltestelle in Honnef; im Hintergrund das Siebengebirge mit dem Drachenfels. Foto: Carl Bellingrodt. 1937. Archiv Stiftung Eisenbahngeschichte Joachim Schmidt.

Gegenüber der ehemaligen Wartehalle enden noch heute die Züge der „Siebengebirgsbahn“, der aktuellen Stadtbahnlinie 66. Die Anfang der 1990er Jahre zusammen mit den Hochbahnsteigen errichtete Glas-Eisen-Konstruktion der Bahnsteigüberdachung und der Geländer orientiert sich allerdings nicht an der klaren neusachlichen Architektur der historischen Wartehalle, sondern wirkt aufgrund ihrer Kleinteiligkeit und Farbigkeit beinahe ein wenig von postmodernem Design beeinflusst.

Die Stadtbahnlinie 66 an der Endhaltestelle, mit dem Drachenfels im Hintergrund.

Ganz in der Nähe der Endhaltestelle führt die 1911 errichtete Grafenwerther Brücke über einen Altarm des Rheins. Sie verbindet die Honnefer Innenstadt mit der Insel Grafenwerth. Unter bautechnischen Gesichtspunkten ist sie bemerkenswert, weil es sich um eine frühe Stahlbetonbrücke handelt. Der Entwurf stammte von dem Honnefer Architekten Ottomar Stein, der in Honnef und den Nachbargemeinden für wohlhabende Kunden eine Reihe repräsentativer Villen gebaut hat. Unterhalb der Brücke liegt die „Aranka“ vor Anker, ein historischer Aalschocker.

Die Grafenwerther Brücke ist vor wenigen Jahren denkmalgerecht saniert worden.

Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2025

Adresse:

Rheinpromenade 5, 53604 Bad Honnef

Weitere Informationen:

https://rheingarten66.de/location

https://www.bmb-wuppertal.de/kw-43-2018-bad-honnef-ein-bahnhof-als-visitenkarte-der-stadt/


https://de.wikipedia.org/wiki/Siebengebirgsbahn


https://de.wikipedia.org/wiki/Grafenwerther_Br%C3%BCcke