
Der ungewöhnliche Wasserturm in Bornheim-Rösberg wurde 1919 unter der britischen Besatzung errichtet. Er fasste 100.000 Liter Wasser und versorgte die Ortschaften Rösberg, Hemmerich, Kardorf, Merten-Heide und Trippelsdorf mit hochwertigem Leitungswasser. Der Turm wurde 1975 außer Betrieb genommen, ist äußerlich noch gut erhalten und inzwischen eines der Wahrzeichen des Dorfes.
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gab es Überlegungen und Pläne, zur Wasserversorgung rund um Rösberg einen Wasserturm wie in Brenig oder Gielsdorf zu errichten. In Rösberg scheiterten diese Pläne jedoch zunächst an Bedenken in Bezug auf Technik und Finanzierung. 1914 in soll einem Karnevalszug das Modell des ersehnten Wasserturms mitgeführt worden sein – ein Beleg für das große Interesse in der Bevölkerung an einer hochwertigen Wasserversorgung. Während ihrer kurzen Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg griffen die Briten die Idee des Wasserturms wieder auf, um die unzureichenden hygienischen Zustände zu verbessern. Sie beauftragten die Rheinische-Wasserwerksgesellschaft-Cölln-Deutz mit der Realisierung. Es gab allerdings Bedenken, dass der geplante Turm mit fast 30 Metern Höhe eine Konkurrenz zu Kirchturm und Schloss darstellen könnte. Der Provinzialkonservator als Vertreter des staatlichen Denkmalschutzes schlug daher vor, dass der Turm keinen auskragenden Wasserbehälter, sondern eine schlichtere Form erhalten solle. Er machte Vorschläge zur Gestaltung der Stützpfeiler und schlug als Baumaterial Klinkersteine vor.
Der ausgeführte Entwurf berücksichtigte diese Anregungen. Der runde Wasserbehälter von beachtlichen sechs Metern Durchmesser ist als solcher nicht sofort zu erkennen. Es entstand ein gradlinig erscheinender, eleganter und backsteinsichtiger Turm ohne „Wasserkopf“, dessen Funktion sich in seiner äußeren Gestalt nicht widerspiegelt. Die Stützpfeiler werden nach oben hin breiter, während sich der eigentliche Turmkörper zunehmend verjüngt. Der Turm kragt gewissermaßen unauffällig nach innen ein, bewahrt aber durch die Stützpfeiler aus der Entfernung betrachtet seine gerade Silhouette.
Es wurde ein Standort mit etwas Abstand zu Kirche und Schloss gewählt. Hier hatte bereits bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Bockwindmühle gestanden, ein mächtiges technisches Bauwerk.

Das Wasser wurde aus Brunnen im Quellgrund Nonnholz entnommen, über ein Pumpenhaus hochgepumpt und im Turm gespeichert. Das neue Pumpensystem wurde im Frühjahr 1920 in Betrieb genommen und funktionierte bis in die 1960er Jahre. Danach bereitete es Probleme, was zur Stilllegung der Anlage 1975 beitrug. 1981 verkaufte die Kommune den Turm an einen Privateigentümer. 1986 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. In den 1990er Jahren konnte der Turm schließlich umgebaut werden, sodass darin zwei Wohneinheiten entstanden. Hoch oben im Wasserbehälter entstand ein runder Schlafraum. Hinzu kamen neue Dachgauben und kleine Fensteröffnungen im Turmsockel, die es ursprünglich nicht gegeben hatte. Bereits in den 1970er Jahren war der Turm weiß gestrichen worden. Aus Brandschutzgründen musste wegen der Höhe des Gebäudes eine externe Fluchttreppe hinzugefügt werden. Diese ist dank ihrer Spiralform zwar auffällig, harmoniert aber in ihrer puristischen Form gut mit dem ursprünglichen Gebäude.

Die langjährigen Bewohner des Wasserbehälters erzählen, dass sie gelegentlich mit den runden Wänden des Turms hadern. Bei starkem Wind beginnt der Turm etwas zu schwanken, sodass der Kaffee in der Tasse hin und her schwappt. Sie geniessen aber die räumliche Distanz zur irdischen Welt. Und die runden Formen würden sie ein wenig „aus der Wirklichkeit heraus“ heben.
Der Wasserturm wurde auf Grund seiner exponierten Lage und Größe im Laufe der Zeit zu einem Wahrzeichen Rösbergs. 2019 feierte die Dorfgemeinschaft den 100. Geburtstag „ihres“ Turms. Zu diesem Anlass titelte eine Lokalzeitung: „Dem Rösberger sein Kölner Dom“.
Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025
Adresse: Theisenkreuzweg 3, Bornheim-Rösberg
Weitere Informationen:
Bursch, Horst: Der Rösberger Wasserturm. Britische Besatzer sorgten vor 100 Jahren für seinen Bau. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2019, S. 130-135
General-Anzeiger 26.10.2022: Wohnen im Wasserturm. Schlafen im Wassertank, https://ga.de/region/voreifel-und-vorgebirge/bornheim/claus-eiden-und-ruediger-wicke-wohnen-im-roesberger-wasserturm_aid-77396551
Hermann, Willi: 100 Jahre Rösberger Wasserturm. 1919-2019, Rösberg 2019

