
Im Rheinbacher Stadtpark ist der Wasserturm von 1897 erhalten. Bereits 1984 wurde der Turm zum Denkmal erklärt, unter anderem, weil er zusammen mit den Türmen der Stadtmauer und dem Kirchturm das Stadtbild prägt. Die Form des Turms konnte nicht vollständig bewahrt werden. Aber der Turm und das Maschinenhaus des Wasserwerks sind als Baukörper erhalten und nach wie vor bemerkenswerte Landmarken am Stadtrand.
Die Anlage mit Turm und weiteren Gebäuden wurde ursprünglich als Wasser- und Elektrizitätswerk erbaut. Dank dieser Einrichtung war nun die Belieferung mit hygienischem Leitungswasser möglich, was den mühsamen Weg zu den Wasserpumpen erübrigte. Gleichzeitig gab es erstmals eine elektrische Beleuchtung der Straßen, sowie eine Stromversorgung für Betriebe und Privathaushalte. Als das städtische Elektrizitätswerk nicht mehr genügend Leistung erbrachte, wurde die Stromversorgung 1934 an das Elektrizitätswerk Berggeist in Brühl abgegeben.

Bei dem Wasserturm handelte sich ursprünglich um einen Turm mit einem auskragenden Wasserbehälter des Intzetyps, der für die große Wassermenge von 150.000 Litern ausgelegt war. Der breite Kopf wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und später notdürftig repariert. Bis 1949 diente der Turm als Wasserspeicher; von 1955 bis 1969 wurde er als Schlauchpflegeanstalt des Landkreises Bonn genutzt.
Als man sich in den 1980er Jahren bemühte, den Turm wieder herzustellen, zeigte sich, dass die Eisenkonstruktion des Wasserbehälters beschädigt war. Eine Wiederherstellung der inzwischen funktionslosen Konstruktion wurde nicht in Angriff genommen. Im Jahr 1988 wurde dann der ursprüngliche Turmkopf entfernt. Anschließend erhielt das Bauwerk eine komplett begradigte Außenform sowie eine schmale Metallhaube mit einem flachem Dach. Die Form des Bauwerks erfuhr damit eine wesentliche Veränderung. Der „Wasserkopf“ fehlt und die Funktion als Wasserturm ist nicht mehr offenkundig. Aber der Erhalt des Ensembles der früheren Wasserversorgung konnte immerhin gewährleistet werden.

Ein prominenter Studioglas-Künstler, Udo Edelmann (1938-2019), wohnte und arbeitete seit 1982 im ehemaligen Maschinenhaus des Wasserwerks.

Wie auch andernorts war es ein Künstler, der früh den besonderen Reiz eines Industriebauwerks erkannte und damit zu dessen Wertschätzung und Erhalt beitrug. Edelmann machte das Ensemble zur Galerie, zum Treffpunkt der zeitgenössischen Glaskunst-Szene und zu einem prominenten Ort des kulturellen Lebens der Stadt.
Adresse: Stadtpark 28, Rheinbach
Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025
Weitere Informationen:
Spiegelhauer, Dieter: Berichte über die Denkmalpflege im Rhein-Sieg-Kreis. Bauten und Anlagen der Industrie- und Technikgeschichte, der öffentlichen Versorgung und des Verkehrs. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises, 2000, S. 22-43

