Wasserturm Alfter-Gielsdorf

Vor der Einführung einer zentralen Wasserversorgung war die Bevölkerung darauf angewiesen, Wasser zweifelhafter Qualität aus Pumpen, Brunnen oder offenen Gewässern eimerweise nach Hause zu tragen. Eine zentrale und kontrollierte Bereitstellung von Leitungswasser versprach eine wesentliche Verbesserung der Lebensumstände. Um einen ausreichenden Leitungsdruck zu erzielen, waren oft Wassertürme erforderlich. Der Wasserturm in Gielsdorf wurde 1901 gebaut. Er konnte 1.200 Haushalte mit Wasser versorgen und war bis 1972 in Betrieb. Der Gielsdorfer Turm steht zwar unter Denkmalschutz, verfällt allerdings zusehends.

Der breite, auskragende Wasserbehälter konnte gut 70.000 Liter Wasser aufnehmen. Über ein Leitungssystem wurde es in die umliegenden Ortschaften verteilt. Es handelt sich um eine klassische Turmkonstruktion nach dem Intze-Typ, den der Aachener Wasserbau-Professor Otto Intze in den frühen 1880er Jahren entwickelt hatte. Der Durchmesser des „Wasserkopfes“ war relativ groß, der Auflagering, der die Last auf den Turmschaft übertrug, fiel aber schmaler aus als der Behälter selbst. Diese Bauweise ermöglichte eine schlankere Ausführung des tragenden Turms zu geringeren Kosten. In Gielsdorf ist der Turmstumpf mit dem einfachen Zahnfries relativ niedrig und gedrungen – im Gegensatz zum etwas höheren Wasserturm in Brenig, der ansonsten identisch ausgeführt wurde.

Im Dornröschenschlaf – der Wasserturm in Gielsdorf 2024.

Der Turm steht zwar als Zeugnis für die Geschichte der öffentlichen Wasserversorgung unter Denkmalschutz, befindet sich aber schon seit Jahrzehnten in einem schlechten Zustand. Die wechselnden privaten Besitzer des Turmes entwickelten zwar Pläne für die Sanierung, nahmen sie aber nie in Angriff. Da die Nutzfläche des Turms beschränkt ist, bestand der Wunsch der Eigentümer, am Turm zusätzliche Flächen zur privaten Nutzung zu erwerben.

Um die Privatisierung des Umfeldes mit Dorfgemeinschaftshaus, Trafoturm (heute Artenschutzturm) und Dorfplatz zu verhindern und die denkmalgerechte Erhaltung des Turms zu befördern, gründete sich 2016 der „Verein Wasserturmfreunde Gielsdorf“. Er erreichte, dass die Kommune die Flächen nicht verkaufte. 2024 initiierte er eine Sanierung des Dorfplatzes, der unmittelbar an das technische Denkmal angrenzt. Doch der Wasserturm – mit Bauzäunen provisorisch abgesperrt – rottet weiter vor sich hin.  

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adresse: Auf der Heide 8, Alfter-Gielsdorf

Weitere Informationen:

Spiegelhauer, Dieter: Berichte über die Denkmalpflege im Rhein-Sieg-Kreis. Bauten und Anlagen der Industrie- und Technikgeschichte, der öffentlichen Versorgung und des Verkehrs, in: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises, 2000, S. 22-43