
Die „Dächelsberg-Runde“ des Naturparks Rheinland führt neben dem gleichnamigen Steinbruch auch zu den Spuren ehemaliger Gruben in unmittelbarer Nähe: der Erzgrube Laura und der Tongrube Jette. Die sichtbaren Überreste halten sich in Grenzen, aber die Ausschilderungen des Naturparks machen die Relikte des Erz- und Tonabbaus vor Ort gut nachvollziehbar.
In der Umgebung von Ober- und Niederbachem gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeitweise bis zu 20 Erzbergwerke, in denen Eisen, Kupfer, Blei und Zink abgebaut wurden. Der Bergbau begann nach 1800 und erlebte zwischen 1850 und 1880 seine erste Blütezeit. Viele Bergwerke stellten aber wegen geringer Vorkommen und hoher Kosten den Betrieb bald wieder ein.
Das bedeutendste Bergwerk war die Grube Laura südlich von Kürrighoven und Oberbachem, die eine sehr wechselhafte Entwicklung erlebte. In mehreren Phasen wurden hier ab 1804 und 1843, intensiver dann ab 1869 Blei-, Kupfer und Zinkerze gewonnen. 1877 gab es ein unterirdisches Abbausystem mit einem Maschinenschacht, zwei Fahrschächten und drei Sohlen in einer Tiefe von bis zu 80 Metern, das sich weitläufig verzweigt über 1,5 Kilometer erstreckte. 1896 führte ein Schacht bis in 150 Meter, 1908 sogar bis in 173 Meter Tiefe. Um 1908 arbeiten 258 Menschen auf der Grube. Es mussten sogar Arbeitskräfte von auswärts angeworben werden. Dampfmaschinen sorgten für die Entwässerung und für die Ein- bzw. Ausfahrt der Bergleute in die Grube. Pro Jahr wurden damals bis zu 2.000-3.000 Tonnen Erz gefördert.

Da die Grube allerdings nicht gewinnbringend zu betreiben war, wurde der Abbau um 1909 abrupt eingestellt. Neben dem Rückgang der Erzvorkommen war vermutlich auch das Fehlen einer Kanalisation für die bleihaltigen Abwässer ein entscheidender Grund für die mangelnde Wirtschaftlichkeit. Hinzu kam die schlechte Verkehrsanbindung, die angesichts der großen Materialmengen unerlässlich gewesen wäre, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine zeitweise geplante gleislose Verbindung mit elektrischer Oberleitung von Meckenheim nach Mehlem an den Rhein scheiterte kurz bevor die Grube stillgelegt wurde.
Übrig blieben Halden und ein 48 Meter hoher Schornstein, der nach einem Blitzeinschlag allerdings 1935 gesprengt wurde. Bereits 1932 hatte sich ein Reitsportverein auf dem Gelände der Aufbereitungsanlage des Bergwerks angesiedelt. Er ist bis heute aktiv und hat den Namen „Grube Laura“ bis in die Gegenwart getragen, obwohl diese schon über 100 Jahre außer Betrieb ist. Heute sind nahe dem Eingang der Sportanlage noch ein Schornsteinstumpf und Fragmente der Schachtanlage zu finden.

Auf der Runde rund um den Steinbruch Dächelsberg kann man an einem Waldweg oberhalb von Niederbachem noch Spuren der ehemaligen Tongrube Jette entdecken. Hier wurde im Tagebau Ton abgebaut und in einer Trommelmühle zerkleinert. Vom Wald aus wurde das Material in Loren über einen Bremsberg direkt abwärts ins Tal transportiert.

Bei einem Bremsberg gibt es zwei Schienenstränge für die Loren. Die mit dem Material bergabwärtsfahrenden Loren wurden durch die bergaufwärts gezogenen Loren gebremst, mit denen sie durch Seile verbunden waren. Die Annahmestation befand sich in Niederbachem im Bereich der Austraße. Von dort aus ging es früher mit Pferdefuhrwerken talabwärts nach Mehlem. Der Ton wurde vor allem an die Rheinischen Chamotte- und Dinas-Werke (siehe Ringsdorff-Werke) geliefert, die in der Nähe des Mehlemer Bahnhofs feuerfeste Waren herstellten.
Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025
Adressen: Grube Laura, Werthovener Weg / Im Zippenberg, Grube Jette, an einem Waldweg zwischen dem Rheinhöhenfriedhof und Niederbachem / Austraße. (Koordinaten 50.640824, 7.169502)
Weitere Informationen:
Arndt, Claudia Maria: Vom Stollen zum Stall. Die wechselvolle Geschichte der Grube „Laura“ in Wachtberg-Oberbachem zwischen Bergbau und Pferdesport. In: Arndt, Claudia Maria (Hrsg.): Von Wasserkunst und Pingen, Siegburg 2005, S. 181–194
Habel, Bernd: Der ehemalige Bergbau in der Umgebung von Niederbachem. In: Arndt, Claudia–Maria / Habel, Bernd (Hg.): Von Grubenfeld und Berghoheit. Erzbergbau im Rhein-Sieg-Kreis und seiner Umgebung, Bd. 2, Siegburg 2011, S. 128-156
Kolfenbach, Axel: Glück auf! Laura, In: Verein für Brauchtumspflege und Ortsverschönerung Oberbachem e. V. (Hrsg.): 28. Juni 856 Coruuingoua/ Kürrighoven. Wachtberg 2006, S. 53–64
Naturpark Rheinland: Dächelsbergrunde, https://www.naturpark-rheinland.de/daechelsberg-runde
Willeke, Heinz Dieter: Ton- und Quarzit-Abbau in Niederbachem. In: Heimat- und Verschönerungsverein Niederbachem (Hg.): Niederbachem. Ein Dorf im Wandel, Wachtberg-Niederbachem 1998, S. 145

