Roisdorfer Mineralbrunnen, Bornheim-Roisdorf

Münzfunde deuten darauf hin, dass der Brunnen in Roisdorf bereits in römischer Zeit genutzt wurde. Im Jahr 1774 erschien eine medizinische Dissertation, die den gesundheitsfördernden Wert des Roisdorfer Mineralwassers hervorhob und damit überregionale Aufmerksamkeit erregte. In der Folge entwickelte sich vom Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts in dem kleinen Ort ein reger Kurbetrieb. Aber die Quelle war frühzeitig auch ein „Versandbrunnen“. Der Export des Roisdorfer Wassers wurde ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im industriellen Maßstab betrieben. Ein Gebäudeensemble aus der Hochzeit der Mineralwasserabfüllung ist erhalten geblieben und als technisches Denkmal geschützt. Zudem ist die Rekonstruktion eines Brunnentempels in einer kleinen Parkanlage samt Brunnenweiher sehenswert.

Das Wasser wurde schon im 18. Jahrhundert in die Niederlande, nach England und nach Russland exportiert. Während der französischen Besatzung fand es sogar im anspruchsvollen Paris Anklang. Im Jahr 1828 wurden insgesamt 250.000 Krüge mit Mineralwasser über den Hafen Hersel exportiert; bis 1841 stieg diese Zahl sogar auf 400.000 Krüge an. Das Mineralwasser wurde in Steingutkrügen abgefüllt, die durch ein Krugzeichen als Markenware kenntlich gemacht wurden.

Das Kurwesen erlebte in den 1840er Jahren seinen Höhepunkt. Vor allem Wochenendbesucher aus Köln und Bonn pilgerten zur Roisdorfer Quelle. 1844 bekam Roisdorf einen Bahnschluss und einen stattlichen Bahnhof – wegen seiner Eigenschaft als Kurort. Es gab damals direkt gegenüber dem Empfangsgebäude ein Kurhaus sowie ein Hotel und Fremdenpensionen. Vom Bahnhof aus führte die Brunnenallee zum Mineralbrunnen und Brunnenweiher. Die Brunnenstube wurde von einem kunstvollen Tempeldach überwölbt. Den Gästen stand ein weitläufiger Kurpark mit Springbrunnen sowie ein Kurpavillon für Konzertveranstaltungen zur Verfügung.

Doch die Investitionen in den Kurbetrieb warfen offenbar nicht genug ab und brachten nicht den erwünschten Erfolg. Der Kurbetrieb wurde aufgeben. Daraufhin siedelte sich in den 1850er Jahren im ehemaligen Kurhaus die Lederfabrik Gammersbach an. Vom vornehmen Kurbetrieb zur stinkenden Lederfabrikation – der Wandel hätte kaum größer sein können. Roisdorf profitierte abermals vom Bahnanschluss und wurde ein ausgesprochener Fabrikort. Die Lederfabrik, eine Sandmühle und die Mineralwasserabfüllung bestimmten nun das Ortsgeschehen. Der Brunnentempel verfiel.

Um 1900 sind der Brunnen-Park und das großflächige Gebäudeensemble der Mineralwasserabfüllung an der Brunnenallee erkennbar. Die Karte zeigt auch den repräsentativen Bahnhof, der in der Fluchtlinie der Brunnenallee stand, aber später abgerissen wurde, Postkarte 1899. Herbert Weffer: Westlich von Bonn, Bonn 2000, S. 17.

Der Verkauf des Roisdorfer Wassers nahm mit einem neuen Besitzer, Wilhem Custor, ab 1876 einen deutlichen Aufschwung. Die Abfüllanlage wurde bis zur Jahrhundertwende erheblich erweitert. Kurz nach 1900 soll der Betrieb bereits pro Jahr 2,3 Millionen Krüge verkauft haben – unter anderem auch nach Übersee.

Die Jahreszahl 1876 am historischen Kontorgebäude des Roisdorfer Brunnes verweist auf die Übernahme des Betriebs durch den neuen Besitzer Custor. Gebaut wurde es bereits in den 1860er Jahren.

Die Roisdorfer waren überzeugt von der gesundheitsfördernden Wirkung und dem lieblich-angenehmen Geschmack ihres naturbelassenen Mineralwassers. Custor führte nur widerstrebend eine Neuerung seiner „scrupelfreien Conkurrenz“ ein, nämlich Wasser mit „doppeltkohlensaurer Füllung“.

Fotografische Dokumentation, um 1900. Aufnahme 1 und 2: Außenansichten, 3: Abfüllung, 4: Spülhalle, 5: Versandhalle, 6: Krugflaschen-Lager. Aus: Die Roisdorfer Mineralquelle 1876-1901. Zur Erinnerung an das 25jährige Geschäftsjubiläum des Herrn Wilhelm Custor, Düsseldorf 1901.

Das Roisdorfer Mineralwasser blieb auch im 20. Jahrhundert erfolgreich. 1928 zählte man im Sommer 120 Beschäftigte, im Winter hingegen deutlich weniger. Es handelte sich also um Saisonarbeit. Ende der 1920er Jahre wurden in besten Zeiten 7,5 Millionen Füllungen gezählt. Ein Zeitgenosse stellte im Jahr 1935 fest, dass die Arbeit gemäß den damals neuesten Prinzipien organisiert wurde und dabei Fließarbeitsverfahren zum Einsatz kamen.

In der Nachkriegszeit wechselten mehrfach die Besitzer. Aber die Marke wurde weitergeführt und warb in der Region mit dem Werbeslogan „Roisdorfer natürlich“. In besten Zeiten wurden 60 Millionen Flaschen pro Jahr ausgeliefert.

Luftbild der Anlage in den 1950er Jahren. Heimatfreunde Roisdorf e.V.

Um 2000 waren es nur noch circa 20 Millionen Flaschen pro Jahr. Damals ging der Betrieb in eine mehrjährige Insolvenz, was die Diskussion um eine Nachnutzung der Gebäude entfachte. Das Kontorgebäude und die Abfüllanlagen an der Brunnenstraße wurden 2008 unter Denkmalschutz gestellt.

Die historischen Gebäude des Roisdorfer Mineralbrunnens an der Brunnenallee / Ecke Brunnenstraße.

Aber es kam doch anders: Ein neuer Besitzer aus der Branche fand Interesse an dem Brunnen und kurbelte die Produktion ab 2009 wieder an. Mitte der 2020er Jahre wurden wieder circa. 30 Millionen Flaschen pro Jahr in Roisdorf produziert. Die Roisdorfer Mineralquellen bedienen heute mit dem Werbeslogan „Ein „Schluck Rheinland“ den regionalen Markt und sind stolz darauf, ausschließlich in Glasflaschen abzufüllen.

2009 sorgte „Roisdorfer“ für die Sanierung des Brunnenweihers und die Herrichtung eines kleinen Brunnenparks, der von der Rekonstruktion der ehemaligen Brunnenüberdachung geziert wird.

Das ehemalige Versandlager des Roisdorfer Mineralbrunnens am Bahnhof Roisdorf.

Der Roisdorfer Mineralbrunnen ist zudem der Startpunkt des „Bornheimer Quellenwegs“, der Relikte der lokalen Wasserversorgung von der Handpumpe über den Wasserturm Brenig bis hin zu häuslicher Wasserversorgungstechnik in herrschaftlichen Villen vorstellt.

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adresse: Brunnenstraße 77-83 / Brunnenallee 1, Bornheim-Rosdorf

Weitere Informationen:

Bornheimer Quellenweg: https://www.bornheim.de/fileadmin/bilder/_freizeit-tourismus/erlebnistouren/Flyer_Bornheimer_Quellenweg.pdf

Gierlich, Ernst: Der Roisdorfer Mineralbrunnen. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2017, S. 72-79

Heimatfreunde Roisdorf: Geschichte des Mineralbrunnens, online: http://www.heimatfreunde-roisdorf.com/geschichte/der-roisdorfer-brunnen/

Reder, Dirk: Der Roisdorfer Brunnen – Lebensquelle unseres Heimatortes. In: Ernst Gierlich / Harald Stadler (Hg.): 1113-2013. 900 Jahre Roisdorf, Bornheim 2013, S. 49-54

webtvproduction: Roisdorfer Quellen – Film auf Youtube, online