
Die ursprünglich „Neu Menden“ genannte Kolonie entstand in kurzer Zeit ab 1912 als Werkssiedlung der Mannstaedt-Werke, die kurz zuvor ein Walzwerk von Köln in die Nähe von Troisdorf an die Sieg umgesiedelt hatten. Sie bot anfänglich in knapp 70 Gebäuden 163 Wohneinheiten mit Wohnflächen von 50 bis 63 Quadratmetern. Die Schwarze Kolonie, so genannt wegen der schwarzen Dachziegel, beeindruckt bis heute durch eine „dörfliche“ Anmutung, einen geschlossen Baubestand, abwechslungsreiche Hausformen und zahlreiche Grünelemente.
Es wird vermutet, dass die Siedlung hauptsächlich für bereits ansässige Stammarbeiter vorgesehen war, während die Rote Kolonie für zuziehende Fachkräfte aus Köln gedacht war. Die Siedlung entstand nach dem Entwurf des Architekturbüros von Eugen Fabricius und Arthur Hahn aus Köln.



Varianten der Zweifamilienhäuser. Die gedoppelten Giebel oder Gauben betonen optisch die Eigenständigkeit der Wohnhälften. Beim unteren Haus sind noch die verschlämmten Schlackensteine sichtbar, die in den Mannstaedt-Werken aus der in der Hütte anfallenden Schlacke hergestellt und zum Bau der Siedlungen verwandt wurden.
In der Schwarzen Kolonie spielten freistehende Doppelhäuser eine zentrale Rolle, ähnlich wie bereits bei der älteren Siedlung an der Elisabethstraße. Es gab verschiedene Grundrisse mit drei, vier oder fünf Räumen. Zentrum des Hauses war immer eine große Wohnküche im Erdgeschoss, die meist zur Strasse hin gelegen war. Auf der Rückseite waren Toilette, Waschküche und Stall angeordnet. Im Obergeschoss befanden sich zwei oder drei Wohnräume.

Die leicht variierenden Grundrisse konnten mit diversen Dachformen, Fassadengliederungen und Eingangslösungen ausgeführt werden, so dass sich – wie in einem Kaleidoskop – mit wenigen Grundformen zahlreiche Varianten realisieren ließen.

Darüber hinaus wurden acht etwas grössere Einzelhäuser sowie fünf Reihen- oder Kettenhäuser errichtet, bei denen jeweils zwei eingeschossige Doppelhäuser zu einem längeren Baukörper verbunden wurden.


Die Gebäude wurden unter Verwendung von Schlackensteinen aus der eigenen Produktion des Werkes erreichtet. Die Fassaden waren einfach gehalten und durchgehend hell geschlämmt oder geputzt. Die schwarzen Dachziegel sind das verbindende Merkmal der Siedlungshäuser. Sie sorgten dafür, dass die „Colonie Neu-Menden“ sehr schnell „Schwarze Kolonie“ genannte wurde.
Eine individuelle Anmutung erhielten die Typenhäuser vor allem durch abwechslungsreiche Dachformen, die Bezug auf historische Vorbilder nehmen und eine dörflich-kleinstädtisch anmutende Atmosphäre vermitteln. Die Gestaltung der Siedlung folgt den Ideen der zeitgenössischen Reformarchitektur, die auf Schlichtheit und Einfachheit Wert legt und sich auf traditionelle Bauweisen bezieht.

Sämtliche Wohneinheiten verfügten über einen separaten Eingang, Toilette, Waschküche und Stall. Sie boten modernsten Wohnstandard mit elektrischem Licht, Wandluftheizung über einen einbauten Kachelofen sowie fließend warmes und kaltes Wasser. Zu jeder Wohnung gehörte zudem ein circa 300 Quadratmeter großer Hausgarten, sodass sich eine Selbstversorgung mit Tierhaltung, Obst- und Gemüseanbau anbot.




Zeitgenössische Foto-Dokumentation der Siedlung. Fabricius 1919, S. 19, 20, 25.
In den Entwurf der Siedlung flossen Ideen der damals populären Gartenstadt-Konzeption ein. Häuser, Gärten und begrünte öffentliche Flächen verbinden sich zu einem landschaftlich komponierten Gesamtraum. Die verschiedenen Haustypen wurden in der Siedlung so verteilt, dass immer neue Anblicke und Gruppierungen entstanden. Die leicht geschwungenen Straßenzüge vermitteln den Eindruck einer historisch gewachsenen Ortschaft und verkürzen raffiniert die Blickachsen.

Die Straßen und Plätze waren schon im ersten Lageplan systematisch mit Bäumen bestückt. Rankgitter an den Hausfassaden machten deutlich, dass eine Begrünung der Architektur im Wohnbereich erwünscht war. Teilweise gab auch es Pergolen zur Berankung an oder zwischen den Häusern. Hinzu kam, dass jede Wohneinheit über eine große Gartenfläche verfügte und sich die Gärten hinter den Häusern zu einem großen Grünraum vereinigten. Die Schwarze Kolonie war und ist also auch eine ausgesprochen grüne Kolonie.

Die Neubauten lagen zwar dicht am Werk – aber zunächst wie eine Insel im Niemandsland und weit entfernt von Troisdorf. Daher wurden in der Kolonie einige eigenständige Sozial- und Versorgungseinrichten notwendig. Am zentralen Windgassenplatz gab es einen Einkaufsladen. Eine „Kinderbewahrschule“, damals wie heute ein Kindergarten, entstand am Robert-Müller-Platz.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Siedlung von 1919 bis 1923 im Westen und im Süden um 17 Bauten nach Entwürfen der Bauabteilung der Mannstaedt-Werke erweitert. An der Langenstraße entstanden Mehrfamilienhäuser mit zwei Geschossen und ausgebauten Dachgeschossen, die sich deutlich von den eigenheimartigen Doppelhäusern der Vorkriegszeit unterschieden.

Mehrfamilienhäuser an der Langenstraße aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.
Fast villenartig wirken einige Bauten, die um 1922 an einem grünen Rondell direkt an der Sieg ergänzt wurden. Sie boten Wohnraum für jeweils zwei Familien. Damit war der Siedlungsbau in der Schwarzen Kolonie abgeschlossen. Obwohl die Anlage in kurzer Zeit und in zwei unterschiedlichen Bauphasen auf freiem Feld aus dem Boden gestampft wurde, wirkt sie bis heute wie ein harmonisches und wohnliches Ganzes, wozu auch beiträgt, dass es kaum Durchgangsverkehr gibt.
Aufgrund der ähnlichen Lebensbedingungen und Arbeitserfahrungen sowie der Nachbarschaft in der Siedlung existierte ein enger sozialer, fast dörflicher Zusammenhalt der Bewohnerinnen und Bewohner mit eigenen Vereinen, Ritualen und Regeln.

In den 1970er Jahren gingen die Werkswohnungshäuser in Privatbesitz über. Damit begann die Phase, in der das durchdachte Gestaltungskonzept durch zahlreiche private An- und Umbauten und Modernisierungsversuche verunklart wurde – mehr als in allen anderen Siedlungen in der Nachbarschaft. Bereits seit 1978 gab es Bemühungen, durch kommunale Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen dafür Sorge zu tragen, dass das einheitliche Erscheinungsbild und die historische Bausubstanz erhalten bleibt. Eine Denkmalfibel gab seit 2012 praktische Hinweise für die denkmalgerechte Gestaltung der vielen Details am Bau und im Außengelände. Die verschiedenen Regelungen und Handreichungen flossen in eine Denkmalbereichsatzung ein, die 2024 für die Schwarze Kolonie beschlossen wurde.
Allerdings gab und gibt es in der Schwarzen Kolonie besonders rege Diskussionen und Konflikte um die konkrete Ausgestaltung von Modernisierungen und Erneuerungen. In jüngster Zeit stand Angemessenheit und Zulässigkeit von Sonnenkollektoren auf den Dachflächen im Mittelpunkt der Diskussionen.
Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025
Adressen: Siedlung 1912-14 – zwischen Langen-, Bessemer-, Krupp- und Bueckstraße, Ergänzungen 1919-1923 – Langen- und Gersbeckstraße, Troisdorf-Friedrich-Wilhelms-Hütte
Weitere Informationen:
100 Johr op de Hött: 1912 – 2012 – Von der Schwarzen Kolonie zum Troisdorfer Stadtteil. Schriftenreihe des Heimat- und Geschichtsvereins Troisdorf 18, Troisdorf 2012
Berg, Beate von: Verschiedene Satzungen im Zusammenwirken am Beispiel der Troisdorf Arbeiterkolonien. In: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland (Hg.): Der Denkmalbereich als Instrument. Inhalt, Ziel und Kontext. Brauweiler 2023. S. 65-74
Fabricius, Eugen: Bauten und Entwürfe 1904–1914. Berlin 1919
Kierdorf, Alexander: Werkssiedlung Schwarze Kolonie (ehemals Menden-Nord), 1912-1913, Troisdorf-Friedrich-Wilhelms-Hütte, 1912-1923. In: Buschmann et al.: Siedlungen in Nordrhein-Westfalen. Rheinschiene. Band 2. Petersberg 2020, S. 1246-1254
Schulte, Helmut: Dachpfannen machten sich einen Namen: 75 Jahre „Schwarze Kolonie“. In: Troisdorfer Jahreshefte 1987, S. 36–48
Schulz, Thorsten – Website eines Anwohners zur Geschichte, zu Regelungen und aktuellen Gestaltungskonflikten in der Siedlung, https://langenstrasse.de/
Vogt-Werling, Marianne / Werling, Michael: Denkmalfibel „Schwarze Kolonie”, Troisdorf – Friedrich-Wilhelms-Hütte, Troisdorf 2012, https://langenstrasse.de/wp-content/uploads/2018/07/Denkmalfibel-Schwarze-Kolonie-Endfassung.pdf
Werling, Michael: Die „Schwarze Kolonie“ und ihre Architekten. In: Troisdorfer Jahreshefte 2012, S. 10–15

