
Unmittelbar vor den Werkstoren der späteren Mannstaedt-Werke entstand ab den 1890er Jahren ein neues Viertel, zunächst mit Verwaltungs- und Versorgungsbauten, ab 1912 auch mit Wohngebäuden für leitende Mitarbeiter, die sogenannten „Fabrikbeamten“. Daher stammt der Begriff „Beamten-Kolonie“. Das Ensemble wurde als erste der drei Siedlungen in Troisdorf unter Schutz gestellt, bietet anspruchsvollen Werkswohnungsbau, viele unterschiedliche Architekturen und ist insgesamt gut erhalten.
Das erste Gebäude vor den Werkstoren war die Villa Langen, die wohl um 1860 entstand. Ab den 1890er Jahren wurden dann an der Louis-Mannstaedt-Straße, die auf das Werkstor zuführt, einige schlichte Backsteinbauten ausgeführt, ein Verwaltungs- und Schulbau.


An der Kreuzung von Kasino- und Louis-Mannstaedt-Straße befindet sich der namengebende Kasinobau, der als Speise- und Aufenthaltsgebäude und Werksgasthaus diente. Die ersten Bauten entstanden dazu um 1900, wurden aber in zwei Bauphasen 1912/13 und 1921/22 erheblich erweitert. Das Kasino bot auch Raum für eine Turnhalle und einen Saal, der 650 Personen fasste. Das aktuelle Erscheinungsbild des stattlichen Baus wurde in den 1920er Jahren geschaffen.

Dank seiner gerundeten Fassade und dem bemerkenswerten Arkadengang bestimmt aber vor allem das ehemalige Werkskaufhaus den Eindruck des zentralen Platzes des Viertels. Es wurde 1912/13 von den Architekten der Roten Kolonie, D. & K. Schulze, geplant. Hier war auch die Betriebskrankenkasse zeitweise angesiedelt.

Gegenüber der Villa Langen entstand nach Plänen des Kölner Architekten Eugen Fabricius um 1905 ein Direktorenwohnhaus, ein architektonisch besonders apartes und zeitgemäßes Gebäude.

Eine Sonderstellung nimmt ein eher schlicht gehaltenes Fünffamilienhaus am Ende der Kasinostraße ein, das bereits 1908 entstand. Die Wohnungen fallen hier deutlich kleiner aus als in anderen Häusern, die später in der Nachbarschaft entstehen sollten. Architekt war vermutlich ebenfalls Eugen Fabricius, der kurze Zeit später auch die Schwarze Kolonie entwickelte.

Bis zum Übergang der Sieg-Rheinischen-Hütten AG an die Mannstaedt-Werke 1911 gab es an Wohngebäuden also neben der Villa Langen nur die Direktorenvilla und das Fünffamilienhaus. Ab 1912 begann parallel zum Bau der beiden Arbeiterkolonien der Bau von individuell und anspruchsvoll gestalteten Wohnhäusern im Kasino-Viertel, die von den Architekturbüros entworfen wurden, die auch die Siedlungen für die Arbeiter gestalteten: Eugen Fabricius und D. & K. Schulze. Ähnlichkeiten zur ländlich-kleinstädtisch anmutenden Gestaltungssprache der Kolonien sind also kein Zufall. An der Ostseite der Louis-Mannstaedt-Straße und der Südseite der Kasinostraße entstanden in rascher Folge über ein Dutzend Einzel- und Doppelhäuser, die das Gebiet vor den Werkstoren überhaupt erst zur Beamten-Kolonie werden ließen.


An der Stahlstraße wurde eine Stichstraße als geschaffen, die sich am Ende aufweitet und in deren Blickachse ein Doppelwohnhaus steht. Dieses städtebauliche Muster wurde nach dem Ersten Weltkrieg wieder aufgenommen. In der Gronau (2-5) und in der Hornackerstraße entstanden Ensembles, die in einer ruhigen Platzsituation enden. Am Hornackerplatz wurden nun mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser realisiert – zeitgleich zu ähnlich dimensionierten Bauten in der Schwarzen Kolonie und der Siedlung an der Elisabethstraße. Allerdings fiel die architektonische Gestaltung in der Beamten-Siedlung aufwändiger aus als in den Arbeiter-Siedlungen. Prägende und zugleich verbindende Elemente der Wohnbauten in der Beamten-Kolonie sind Holzfensterläden, Gesimse, hohe Mansard- und Walmdächer sowie gelegentlich Erker.

Besonders erfreulich: Die Beamten-Siedlung ist die wohl am besten erhaltene Siedlung in Troisdorf. 1982 wurde das Viertel bereits als Denkmalbereich geschützt, um das historische Gesamtbild zu erhalten – noch vor den Arbeitersiedlungen. Die Siedlung ist ein facettenreiches Potpourri mit individuellen Entwürfen der Architekten, die für die Mannstaedt-Werke tätig waren – und auf jeden Fall einen Besuch wert. Zwischen 1905 und 1923 entstand trotz fehlendem Gesamtplan eine harmonische städtebauliche Einheit: Abwechslungsreiche Bauformen vereinen Tradition und Moderne im Geist der Reformarchitektur jener Zeit.
Adressen: Hornackerplatz, Hornackerstraße, Kasinostraße 1-19, Stahlstraße, In der Gronau, Louis-Mannstaedtstraße 21-31, 76-90, Troisdorf-West
Weitere Informationen:
Kierdorf, Alexander: Werkssiedlung Kasinoviertel Mannstaedt-Werke (auch Beamtenkolonie), 1860/1890-1923. In: Buschmann et al.: Siedlungen in Nordrhein-Westfalen. Rheinschiene. Band 2. Petersberg 2020, S. 1260-1268
Mainzer, Udo (Hg.): Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49), Köln 1996, S. 208-211

