Mannstaedt-Werke, Troisdorf

An der Mündung der Agger in die Sieg entwickelte sich seit den 1830er Jahren die Friedrich-Wilhelms-Hütte, die verschiedenartige Metallprodukte herstellte. Der Betrieb wurde 1911 von dem „Façoneisen-Walzwerk L. Mannstaedt“ übernommen, das damals sein komplettes Werk von Köln nach Troisdorf verlegte.

1825 gab es erstmals die Genehmigung für die Errichtung einer „Eisenhütte mit Hochofen, Walz- und Reckwerken“ an der Mündung der Agger in die Sieg. Die Friedrichs-Wilhelms-Hütte, die später Namensgeber für einen neuen Stadtteil und einen Bahnhof wurde, ging aber erst 1838 in Betrieb. Das Erz kam aus dem nahegelegenen Pleistal; es wurde mit einer Pferdebahn herangeschafft.  Die Wasserkraft des Troisdorfer Mühlengrabens, der noch heute mitten durch das Werksgelände fließt, diente anfänglich als Antriebskraft. Als Brennstoff für den Verhüttungsprozess wurden die örtlichen Waldvorkommen gerodet und zu Holzkohle verarbeitet. Erst 1850 wurde der Betrieb auf Koks, einen Brennstoff auf Basis von Kohle, umgestellt.

Die Friedrich-Wilhelms-Hütte Anfang der 1850er Jahre, Ausschnitt aus einer zeitgenössischen Grafik im Museum für Stadt- und Industriegeschichte Troisdorf (MUSIT).

1843 ging die Firma in den Besitz der Industriellenfamilie Langen über, die 1855 die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, den “Sieg-Rheinischen Berg- und Hüttenverein“, initiierte. Mit dem neuen Kapital erfolgten Modernisierungen des Hochofens und der Walzwerke. Es kamen ein Puddelwerk, eine Gießerei und eine Maschinenfabrik hinzu. Unter dem Generaldirektor Emil Langen stieg die Belegschaft von 50 Mitarbeitern im Jahr 1848 auf 490 Beschäftigte 1857.

Ab 1859 verlief die Bahnlinie Köln–Hennef in der Nähe, was vorteilhaft war. Emil Langen war im Komitee für die Errichtung der Strecke aktiv gewesen. Er sorgte dann auch dafür, dass Troisdorf 1861 einen Bahnhof erhielt – und damit die Hütte die Möglichkeit, einen Werksanschluss einzurichten. Im Jahr 1871 wurde in Nähe der Fabrik an der Bahnlinie von Köln über Troisdorf nach Bonn-Beuel der Bahnhof Friedrichs-Wilhelms-Hütte eröffnet. Auch diesmal hatte Emil Langen dafür gesorgt, dass die Linie so gelegt wurde, dass die Hütte einen noch näheren Bahnanschluss erhielt.

Hochofen (Hintergrund) und Hochofenabstich im Mannstaedt-Werk. Künstler-Postkarte des Industriemalers Otto Bollhagen, frühe 1920er Jahre. Privatbesitz.

Nach Abgabe der Erzgruben wurde die Firma 1897 in die „Sieg-Rheinische Hütten-AG“ umgewandelt, die sich jedoch in verschiedenen Produktionsrichtungen verzettelte. Im Jahr 1911 übernahm das „Façoneisen-Walzwerk L. Mannstaedt“ aus Köln-Kalk die Hütte in Troisdorf, die sich damals in wirtschichtlichen Schwierigkeiten befand. Das Kölner Walzwerk besaß keine eigene Eisen-und Stahlproduktion und es fehlte dort Platz zur Expansion.

Innenansichten der Mannstaedt-Werke Anfang der 1920er Jahre, Künstler-Postkarten des Industriemalers Otto Bollhagen. 1: Grobwalzenstraße, 2: Schnellwalzenstraße, 3: Gießerei, 4: Schraubenfabrik, 5: Walzendreherei, 6: Eisenwarenfabrik. Die Abbildungen verdeutlichen die Ausmaße der Fertigungshallen sowie die Vielzahl unterschiedlicher Werkstätten und Arbeitsplätze jener Zeit. Privatbesitz.

Die Mannstaedt-Werke brachten mit der kompletten Verlagerung des Werkes aus Köln-Kalk an die Sieg eine außerordentlich breite und gut eingeführte Produktpalette mit. Sie führten auf dem Hüttengelände erhebliche Erweiterungen und Modernisierungen der Fabrikanlagen durch. Zu dieser Zeit erreichte das Werksgelände seine größte Ausdehnung.

Produktpalette der Mannstaedt-Werke. Oben Objekte aus Zeit um 1910 in der Dauerausstellung des Museums für Stadt- und Industriegeschichte Troisdorf (MUSIT). Unten eine Mustertafel mit Produkten der Mannstaedt-Werke für den englischen Markt, um 1920. Sonderausstellung “Stahl mit Profil. 200 Jahre Mannstaedt” im MUSIT, 2025.

Insgesamt brachte das Unternehmen 600 Facharbeiter aus Köln mit. Für die Unterbringung der zahlreichen Arbeitskräfte auf dem Land erbauten die Mannstaedt-Werke rasch nach der Fusionierung von 1911 bis1913 drei Siedlungen: die Rote Kolonie, die Schwarze Kolonie und die Beamtensiedlung. Die Sieg-Rheinische Hütten AG hatte zuvor schon eine kleine Siedlung an der Elisabethstraße errichten lassen.

Gesamtdarstellung der Klöckner / Mannstaedt-Werke, Otto Bollhagen, Anfang der 1920er Jahre. In der Bildmitte: die rauchenden Schornsteine der Hochöfen, im Vordergrund eine Schlacken-Halde. Am linken Bildrand ist die Schwarze Kolonie zu erkennen. Direkt oberhalb des Werkes ist die Beamten-Kolonie angedeutet. Troisdorfer Jahreshefte 1979, S. 22/23.

Der Hochofen musste zu Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 stillgelegt werden. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg demontiert. Das Werk war in beiden Weltkriegen Rüstungshersteller und beschäftigte auch Zwangsarbeiter. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es bombardiert.

Der Betrieb erholte sich jedoch schnell und florierte in der Nachkriegszeit vor als „Werk für Spezialprofile und deren Verfeinerung“.  Im Jahr 1957 waren dort 4.500 Menschen beschäftigt, während es vor dem Krieg rund 3.000 gewesen waren. Es standen 1.300 Werkswohnungen zur Verfügung. Neben den Walzwerken ergänzten eine Eisengießerei und Eisenwarenfabrik, eine Schraubenfabrik und Maschinen zur Kunststoffverarbeitung die Produktionsanlagen.

In der zweiten Hälfte der 1960er begann eine Abfolge von Krisenphasen auf Grund steigender Kosten, stärkerer internationaler Konkurrenz, Billigimporten sowie sinkenden Absätzen und Erträgen. Das Werk reagierte mit Schließung von Betriebsteilen, Kurzarbeit, Reduktion der Belegschaft und Verkauf der Werkswohnungen. In den 1990er Jahren sank die Mitarbeiterzahl auf 1.200.

Nach verschiedenen „Roßkuren“ und Besitzerwechseln firmierte der Betrieb seit 2000 wieder als Mannstaedt-Werke; 2006 kam er in den Besitz des Hamburger Georgmarienhütte-Konzerns.

Ältere Werkshallen, Ansicht von der Josef-Kitz-Straße. Das Titelfoto zeigt die Ansicht von der Sieg-Seite. Das Werksgelände ist nur partiell einsehbar.

Die Werke des Georgmarienhütte-Konzerns arbeiten mit „grünen Stahl“. An anderen Unternehmensstandorten wird Metallschrott in Elektrolichtbogenöfen eingeschmolzen und von dort nach Troisdorf geliefert. Im Vergleich zu herkömmlichen Hochöfen reduzieren solche Öfen die CO₂-Emissionen um 80 Prozent. Diese Form der Kreislaufwirtschaft und des Material-Recyclings ist vergleichsweise ressourcenschonend und weniger klimaschädlich als herkömmliche Produktionsverfahren.

Profile der Mannstaedt-Werke in der Dauerausstellung des MUSIT.

Das Werk in Troisdorf ist in der Gegenwart auf die Fertigung von warmgewalzten Spezialprofilen spezialisiert, die individuell nach Kundenanforderung hergestellt werden. Beim Prozess des Warmwalzens wird der Stahl auf etwa 1000 Grad erhitzt und anschließend in die gewünschte Form gebracht. Anfang der 2020er Jahre wurden pro Jahr durchschnittlich 180.000 Tonnen Stahl verarbeitet, die Belegschaft sank auf knapp 650 Mitarbeitende 2025.

Text und Fotos: Detlef Stender, Stand 2025

Adresse: Mendener Straße 51, Troisdorf-West, Außenansicht auch von der Josef-Kitz-Straße am Rand der Beamten-Kolonie

Weitere Informationen:

Dederichs, Matthias: Die Eisenhütte an der Sieg 1823-1923 von Windgassen über Langen bis Mannstaedt, Troisdorf 2009

Georgsmarienhütte (GMH) – Website zur aktuellen Produktion: www.gmh-gruppe.de

Museum für Stadt- und Industriegeschichte Troisdorf (Hg.): Stahl mit Profil. 200 Jahre Mannstaedt, Troisdorf 2025

Schulte, Albert: Die „Friedrich-Wilhelms-Hütte“, Troisdorfs jüngster Ortsteil. In: Troisdorfer Jahreshefte, Band 1979, S. 119–137

Wikipeda: Mannstaedt (Unternehmen), https://de.wikipedia.org/wiki/Mannstaedt_(Unternehmen)