
Der Bahnhof Bonn-Beuel ist eine der wichtigsten Stationen an der seit 1871 durchgängig befahrbaren rechtsrheinischen Magistrale von Neuwied nach Troisdorf und weiter nach Köln. Das stattliche, mehrmals erweiterte Empfangsgebäude von 1880 zeugt von einem regen Personenverkehr. Das immer noch weitläufige Bahnhofsgelände und der historische, vor einiger Zeit aufwändig translozierte Fachwerk-Güterschuppen erinnern an die ehemalige Bedeutung des Bahnhofs für die industrielle Entwicklung des Beueler Ostens zum lokalen Zentrum von Gewerbe und Industrie.
Im 19. Jahrhundert war der Bahnhof Beuel (ab 1969 Bonn-Beuel) für kurze Zeit so etwas wie eine Nahtstelle an der rechtsrheinischen Magistrale zwischen Köln und Neuwied. Von Süden aus war die Bahnlinie am Rhein 1870 zunächst nur bis nach (Bonn-)Oberkassel geführt worden. Von dort aus transportierte ein so genanntes „Trajekt“ – eine Eisenbahnfähre – die Eisenbahnwaggons an das linke Rheinufer. Dort gingen sie auf die linksrheinische Eisenbahnstrecke über, die bereits 1844 Bonn von Norden aus erreicht hatte.
Noch bestand also eine Lücke zwischen Oberkassel und Troisdorf an der Hauptbahn von Köln ostwärts nach Siegen und Gießen. Sie wurde erst im März 1871 geschlossen. Damit war die rechte Rheinstrecke durchgängig befahrbar – und das zu dieser Zeit noch selbstständige Beuel bekam seinen ersten Bahnhof. Das heutige Empfangsgebäude wurde allerdings erst 1880 fertiggestellt. Seit 1902 verband eine Straßenbahnlinie, die über die 1898 eingeweihte Rheinbrücke führte, das linksrheinische Bonn mit dem Beueler Bahnhof.

Das klassizistische Empfangsgebäude, im Kern ein zweigeschossiger verputzter Bau, ähnelt den etwa zur selben Zeit errichteten benachbarten Stationen in Bonn-Oberkassel und weiter südwärts in Königswinter. Der einstöckige Anbau für die Bahnhofsgastronomie im Norden entstand gleichzeitig mit dem Hauptgebäude, der daran anschließende kubische Gebäudeteil erst in den 1930er Jahren. In der Substanz gut erhalten ist der außergewöhnlich lange Hausbahnsteig mit seinen hölzernen Dachstützen. Guten Wetterschutz für die Reisenden bot auch die Überdachung des Mittelbahnsteigs mit ihrem zweireihigen hölzernen Ständerwerk.

Der außergewöhnlich lange Hausbahnsteig mit seinem von hölzernen Dachstützen getragenen Vordach ermöglichte den Halt längerer Schnellzüge. Guten Wetterschutz für die Reisenden bot auch die dekorative Überdachung des Mittelbahnsteigs mit ihrem zweireihigen hölzernen Ständerwerk. Obwohl die historischen Konstruktionen wie der gesamte Bahnhof unter Denkmalschutz standen, sind sie 2022 im Zuge des Neubaus der S13 den radikalen Veränderungen der Beueler Bahnanlagen zum Opfer gefallen. Neue Stahlkonstruktionen können das historische Vorbild kaum ersetzen.
Der Beueler Bahnhof war aber nicht nur eine wichtige Station für den Personenverkehr rechts des Rheins, sondern er spielte von Beginn an auch eine bedeutende Rolle für den Gütertransport: Das industriell geprägte Quartier östlich des Bahnhofs mit seinen Fabriken und Gewerbebetrieben entwickelte sich vor allem aufgrund der Anbindung an die leistungsfähige Bahnstrecke. Denn über Jahrzehnte kamen die benötigten Rohstoffe mit dem Zug, und mit dem Zug gingen die in Beuel gefertigten Produkte hinauszu den Abnehmern.

Ein wichtiges und in der Region mittlerweile selten gewordenes Relikt aus der großen Zeit des Gütertransports auf der Schiene ist der Güterschuppen der Staatsbahn am östlichen Rand der ehemals umfangreichen Beueler Gleisanlagen. Die mit Ziegelsteinen ausgemauerte Fachwerkkonstruktion entstand etwa zeitgleich mit dem Empfangsgebäude. Ende der 1990er Jahre wurde die Güterabfertigung in Beuel aufgegeben; der Siegeszug des LKW im Verlauf des 20. Jahrhunderts hatte den Güterbahnhof als logistische Drehscheibe für die Industrie in Beuel und der Region auf Dauer überflüssig werden lassen. Die Anlagen blieben aber vorerst mehr oder minder unverändert erhalten, da der Beueler Bahnhof als Gesamtensemble – mit Empfangsgebäude, Bahnsteigdächern und Güterschuppen – unter Denkmalschutz gestellt worden war.

Allerdings hat sich das Gesamtbild des Bahnhofs durch die im Bau befindliche neue S-Bahn-Linie S13 von Troisdorf bis Bonn-Oberkassel deutlich verändert, denn diese erfordert auf der gesamten Streckenlänge ein bzw. zwei zusätzliche Gleise. Da nach Auffassung der Deutschen Bahn dafür im Bahnhof Beuel nicht genügend Platz zur Verfügung stand, wurde der über 200 Tonnen schwere Güterschuppen 2025 um circa drei Meter nach Osten verschoben – offensichtlich ein Kompromiss zwischen dem Erhalt des authentischen Gebäudes, sprich den denkmalpflegerischen Festlegungen und den neuen betrieblichen Notwendigkeiten.

Zu dem hohen Güteraufkommen in Beuel trug auch die 1900 eröffnete Industriebahn Beuel – Großenbusch bei. Die nur wenige Kilometer kurze Strecke führte vom Beueler Bahnhof über Pützchen und Hangelar bis nach (Sankt Augustin-)Großenbusch. Ab 1965 endete sie aufgrund mangelnder Auslastung bereits in Hangelar. Bis zur endgültigen Stilllegung 1994 bediente sie die lokalen Industriebetriebe; regulären Personenverkehr gab es hier nie. Ein kleiner Wasserturm mit einem angebauten kleinen Bürogebäude ist im Südosten des Beueler Bahnhofsgeländes erhalten geblieben.

Text und Fotos: Markus Krause, Stand 2026
Adresse: Bahnhofsplatz 2, 53225 Bonn
Weitere Informationen:
Buschmann, Walter: Bahnhof Bonn-Beuel:
https://rheinische-industriekultur.com/seiten/objekte/orte/bonn/objekte/eisenbahn_bahnhof_bonn-beuel.html
Talbot, Franz-Josef; Loosen, Judith: Denkmalpfade im Stadtbezirk Beuel. Hg.: Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein. Bonn 2004, S. 18-20
Zur Translozierung des Güterschuppens:
„Güterbahnhof Beuel“. In: KuLaDig. Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-53173-20120822-2
https://bauprojekte.deutschebahn.com/media/projects/7300/docs/FB_troisdorf-bonn-oberkassel-translozierung.pdf
Heinemann, Reinhard: Baukultur der Eisenbahn in preußischer Zeit. Erhaltung, Abriss, Translozierung traditionsreicher denkmalgeschützter Bahnbauten aus dem 19. Jahrhundert. In: Rheinische Heimatpflege. Heft 3/2014, S. 161-170
Zur Kleinbahn Beuel – Großenbusch: Wolff, Gerd: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Bd. 4: Nordrhein-Westfalen, südlicher Teil. Freiburg 1997, S. 209-216

