Wasserwerk Godesberg

Seit 1875 wurde Godesberg zunächst mit Wasser aus Bonn versorgt, das vom dortigen Wasserwerk über eine Rohrleitung unter der heutigen Bundesstraße 9 nach Süden gelangte. Um die Jahrhundertwende nahm das damals noch selbstständige Godesberg die Wasserversorgung in die eigene Hand: Es kaufte das bestehende Wasserrohrnetz und errichtete in der Plittersdorfer Aue, 200 Meter vom Rhein entfernt, ein eigenes Wasserwerk mit Maschinisten-Wohnhaus. Ab 1901 kam das Wasser für das aufstrebende Godesberg aus einem 14,5 Meter tiefen Brunnen der neuen Anlage. Das Ensemble ist unweit der Rheinpromenade gut erhalten.

Das Wasser wurde Anfang des 20. Jahrhunderts direkt aus Rheinuferfiltrat gewonnen. Es war damals so sauber, dass keine Reinigung oder Behandlung erforderlich schien. Zwei Pumpen beförderten es in einen Hochbehälter, der 1908 um einen Wasserturm in Schweinheim oberhalb Godesbergs ergänzt wurde, um den nötigen Druck im Netz erzeugen zu können. Dieser 18 Meter hohe Turm ist bis heute an der Waldstraße in Godesberg-Schweinheim erhalten.

Wasserturm in Hanglage oberhalb von Godesberg, abseits des Rheins.

Anfang der 1950er Jahre wuchs Godesberg so schnell, dass weitere Brunnen geschaffen und das Rohrnetz deutlich erweitert werden mussten. Ein Beispiel für das Wachstum der Gemeinde ist die „Amerikanische Siedlung“, die sich in unmittelbarer Nähe des Wasserwerks südlich anschließt. Diese großzügige und weitläufige Anlage wurde Anfang der 1950er Jahre für die Beschäftigten der amerikanischen Besatzungsbehörde gebaut und weist Bezüge zur amerikanischen Wohnkultur und Bauweise auf.

Das um 1900 erbaute Wasserwerk in Plittersdorf. Im Hintergrund ist schemenhaft der Erweiterungsbau aus den 1960er Jahren erkennbar.

1961 wurde dann doch zum Rhein hin eine Anlage zur Filterung des Wassers und zur Reinigung mit Hilfe von Aktivkohlefiltern ergänzt und das alte Pumpwerk ersetzt. Das Wasserwerk war bis 1989 in Betrieb; bis 2004 wurde es als Reserve vorgehalten. Inzwischen wird Godesberg wie Bonn mit Wasser aus der Wahnbachtalsperre versorgt.

Das Wasserwerksgebäude von 1908 und die Filter- und Reinigungsanlage von 1961 gingen 2007 in den Besitz der SolarWorld AG von Frank Asbeck über, die in den Gebäuden Büros einrichtete. Asbeck hat auch den kleinen Wildpark zwischen Rhein und Wasserwerk anlegen lassen.

Text und Fotos: Detlef Stender

Adresse: Martin-Luther-King-Straße 2428, Wasserturm: Waldstraße

Literatur:

Horst Heidermann: Die Entwicklung der Industrie in dem Badeort Godesberg. Bonn 2014, S. 40 ff.

Herbert Strack: Ein technisches Baudenkmal – Der Wasserturm an der Waldstraße in Schweinheim. In: Godesberger Heimatblätter 34 (1996), S. 145153